Interviews & Features    

 
· Einleitung
· Struktur politischer Diskussionen
· Rhetorische Strategien im Golfkrieg 1991
· Kriegsbefürworter
· Kriegsgegner
· Fazit
· Die Quellen
· Die Autoren
· Feedback



::Die Sozialverpflichtung von Wissenschaft

Der drohende und letztlich durchgeführte Irak-Krieg stellte ab Ende 2002 und im ersten Quartal 2003 weltweit das bestimmende Thema der öffentlichen Diskussion dar. Die Frage, ob ein Krieg gegen den Irak eine angemessene Handlung sei, war 1991 schon einmal ein Thema, das die Menschen in der ganzen Welt beschäftigte. Speziell in Deutschland führte der damalige Golfkrieg zu erregten Diskussionen über die Legitimität militärischer Gewalt. Mittlerweile haben kriegerische Auseinandersetzungen wieder ein bedauerliches Maß an Normalität gewonnen. In den Medien kamen zum Thema „Krieg gegen den Irak“ vor allem Politiker, Journalisten und als Experten Militärfachleute, Ökonomen, Politikwissenschaftler und Völkerrechtler zu Wort, jedoch nur vereinzelt Linguisten. Gleichwohl hängt die Beurteilung politischer Handlungen in der öffentlichen Meinung stark davon ab, welche Begründungszusammenhänge massenmedial konstruiert und wie sie sprachlich formuliert werden. Der frühere Bundespräsident Herzog sagte einmal: „Freiheit und Demokratie brauchen die freie Rede und damit die Beredsamkeit wie die Luft zum Atmen“. (1998,205) Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Umfragen (Newsweek 14/3/2003) zufolge nach der Rede von US-Präsident Bush zur Lage der Nation (Bush 28/01/2003) und der Rede von US-Außenminister Powell vor der UN-Vollversammlung (Powell 05/02/2003) die Zustimmung der US-amerikanischen Bevölkerung zu einem Irak-Krieg ohne UN-Mandat von 40% auf 50% stieg. Die Argumentation der US-Regierung rief jedoch in der Öffentlichkeit und bei Journalisten auch großes Unbehagen hervor. Im Magazin Focus sprach man zum Beispiel von einer „Wildwest-Rhetorik“ (Focus 17/01/2003). Weil wir über die Inkorrektheit (gemessen an den Standards der Logik -> Einschub als Link zu Grundstruktur) vieler in den Medien wiedergegebener Argumentationen und über den möglichen Kriegsbeginn besorgt waren, beschlossen wir im Januar 2003, linguistische Erkenntnisse zum Irak-Diskurs in die öffentliche Diskussion einzubringen und dazu neuere Methoden der Argumentationsforschung auf einschlägige politische Stellungnahmen anzuwenden (Kindt/Osterkamp/Bernard 2003). Im vorliegenden Rahmen werden unsere Untersuchungsergebnisse neu aufbereitet und unter dem Aspekt ausgewertet, dass von den politischen Akteuren über die Medien versucht wurde, Rezipienten den jeweiligen Interessen entsprechend zu beeinflussen und problematische Positionen oder Handlungen als gerechtfertigt erscheinen zu lassen. Dieser Analyse stellen wir die Ergebnisse einer Untersuchung über Äußerungen zum Golfkrieg 1991 gegenüber.



pictureVerantwortlich für den Inhalt dieser Seite:
Prof. Dr. Walther Kindt und Dr. Swen Osterkamp