Interviews & Features    

 
· Einleitung
· Struktur politischer Diskussionen
Rhetorische Strategien im Golfkrieg 1991
· Kriegsbefürworter
· Kriegsgegner
· Fazit
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Die Zustimmung von Bürgern zu bestimmten, für sie unangenehmen politischen Maßnahmen oder gar zu einem Krieg zu erhalten, war schon immer schwierig. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass Politiker im Laufe ihrer praktischen Tätigkeit einschlägige rhetorische Strategien erwerben, mit denen sie versuchen, die öffentliche Meinung auch in heiklen Situationen zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Entsprechende Strategien findet man bereits in den aus der Antike überlieferten Reden, also z.B. in der Geschichte des Peloponnesischen Krieges von Thukydides oder in den Reden von Cicero. Speziell für die Rechtfertigung von Gewaltanwendung und militärischen Mitteln ließe sich ein umfangreicher Katalog von situationsangepasst verwendeten Argumenten zusammenstellen: Der Gegner wird besonders negativ, also etwa als arglistig dargestellt; man verweist auf Bündnisverpflichtungen oder konstruiert den Verteidigungsfall; manchmal wird ein Präventivschlag empfohlen, um dem Gegner zuvorzukommen; man betont, lange genug Geduld geübt zu haben, und behauptet, ein weiteres Zuwarten würde die Situation bedrohlich verschärfen; es wird vor einem Macht- und Prestigeverlust des eigenen Imperiums gewarnt; man vergleicht die gegenwärtige Lage mit früheren Situationen, in denen die Entscheidung für einen Krieg erfolgreich war etc.

Unter Verweis auf eine Arbeit von P. Goetsch macht Volmert (1993) deutlich, dass es auch eine spezielle US-amerikanische Argumentationstradition für die Rechtfertigung von Kriegen gibt, in der neben den schon genannten Standardargumenten z.B. das übergeordnete Kriegsziel der Schaffung einer „humanen Weltordnung“ eine wichtige Rolle spielt. Vorraussetzung für eine angemessene Beurteilung jeweiliger Argumente ist jedoch, dass man sie vor dem Hintergrund der implizit verwendeten Schlussmuster betrachtet.

Zur Begründung von Handlungen wird in allen Lebensbereichen sehr oft das Schlussmuster des Konsequenztopos eingesetzt. Eine logisch korrekte Anwendung dieses Schlussmusters zur Entscheidung zwischen zwei alternativen Maßnahmen liegt dann vor, wenn alle ersichtlichen positiven und negativen Konsequenzen beider Maßnahmen miteinander verglichen und systematisch gegeneinander abgewogen werden. Dementsprechend ist es inkorrekt, wenn die Befürworter eines Kriegs seine negativen Konsequenzen bei ihrer Argumentation unterschlagen oder verharmlosen bzw. wenn umgekehrt Kriegsgegner nur negative Konsequenzen nennen und ggf. dramatisieren, um Angstgefühle zu erzeugen. Genau solche Strategien wurden bereits anlässlich des Golfkriegs 1991 systematisch angewendet. Beispielsweise konnte man in einem Flugblatt der GRÜNEN die stark emotionalisierende Äußerung finden: Es ist zu befürchten, dass der Krieg eine ganze Region und ihre Menschen vergiftet, verstrahlt, verkrüppelt, ermordet. Umgekehrt wurden Tote bei Luftangriffen von der Militärführung der Amerikaner schon damals als modest collateral damage („geringfügige Kollateralschäden“) bezeichnet. Genauso inakzeptabel war es, dass Kriegsbefürworter die (angeblichen) negativen Konsequenzen einer diplomatischen Lösung dramatisierten und z.B. die Behauptung aufstellten, ohne einen militärischen Eingriff werde der Irak in Kürze über atomare Waffen verfügen.



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Prof. Dr. Walther Kindt und Dr. Swen Osterkamp