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Wissenschaft vom Verbrecher
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Überschrift
Kriminologen und Strafrechtsreformer gingen Ende des 19. Jahrhunderts eine unheilige Allianz ein, welche die Entwicklung der wissenschaftlichen Kriminologie im Deutschen Kaiserreich beschleunigte, aber auch inhaltlich verengte. Die Kriminologie wurde unter dem Eindruck der Strafrechtsreformbewegung zur Wissenschaft vom Verbrecher; die körperlichen Anlagen traten in der Ursachendebatte in den Vordergrund.

Karte mit Hirnarealen
Karte mit Hirnarealen nach C. Lombroso
Auch die Debatte über geeignete Präventionsmaßnahmen räumte den Kriminalitätsfaktoren Vererbung und Degeneration großen Raum ein. Gehörte die Forderung, Straftäter unabhängig von der Art ihres Verbrechens auf unbestimmte Zeit einzusperren, bereits 1882 zum Repertoire der Strafrechtsreformer, wurden nach der Jahrhundertwende auch Stimmen laut, die Sterilisation und Kastration für geeignete Maßnahmen der Verbrechensprävention hielten.
Anders als in den USA und der Schweiz, waren diese drastischen Eingriffe im Deutschen Reich vor dem Ersten Weltkrieg jedoch nicht durchsetzungsfähig.

Vor diesem historischen Hintergrund gilt es, aktuelle Diskussionen und Entwicklungen kritisch zu beobachten: Im Oktober 2004 veröffentlichten elf führende Neurowissenschaftler ein Manifest über die Gegenwart und Zukunft der Hirnforschung. Darin gehen die Autoren selbstbewusst davon aus, dass es der Hirnforschung früher oder später gelingen wird, "psychische Auffälligkeiten und Fehlentwicklungen, aber auch Verhaltensdispositionen zumindest in ihrer Tendez vorauszusehen - und 'Gegenmaßnahmen' zu ergreifen."

Erste Forderungen nach einer Umgestaltung des Strafrechts und einem Abschied von der Illusion des freien Willens wurden bereits laut.

:: Die Wissenschaftlerin

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