Interviews & Features    

 
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::oder: Sukzessionsmechanismen in Sandökosystemen

Zugegeben der Titel klingt etwas seltsam, denn Naturschutz und Kampfpanzer scheinen in keiner Weise zusammenzupassen. Aber wenn man bestimmte Lebensräume schützen will, muss man manchmal auch etwas ungewöhnliche Wege gehen und zum Beispiel Kampfpanzer als Mittel zum Naturschutz einsetzen. Das gilt natürlich nicht für alle Lebensräume. Für Sandökosysteme jedoch ist eine solche Maßnahme durchaus vorstellbar und wurde auch schon erfolgreich praktiziert.

Zu den Sandökosystemen zählen Offensande auf Binnendünen, Sandtrockenrasen, Sandmagerrasen, magere Wiesen, Zwergstrauch-heiden, Sandackerfluren, lichte Flechtenkiefernwälder, feuchte Sandstandorte und sandige Ufer. Diese Sandökosysteme sind in Deutschland selten geworden, weil sie zum einen nur auf sehr nährstoffarmen Böden vorkommen und zum anderen weil die Existenz dieser Ökosysteme auf eine ständige „Störung“ angewiesen ist. Ihr Bestehen wird durch den ständig steigenden Eintrag von Stickstoff- oder anderen Nährstoffen aus der Luft sowie durch den Rückgang oder das Fehlen von Störungsereignissen bedroht.

Anthropogene, d.h. von Menschen verursachte Störung und damit Eingriff ins Ökosystem? Das klingt als Maßnahme für die Erhaltung von Lebensräumen nicht nur für den Naturschützer äußerst seltsam. In unserer Arbeitsgruppe am Lehrstuhl für Experimentelle Ökologie & Ökosystembiologie beschäftigen wir uns seit etwa 1997 mit diesen Systemen und dabei zeigte sich, dass vor allem kleinräumige Störungen wie etwa durch Ameisen, Kaninchen oder andere Säugetiere und eben auch durch den Menschen zu einem immer wiederkehrenden Freilegen von offenen Sandflächen führen, auf die die Pflanzen dieses Lebensraumes angewiesen sind. Viele dieser Flächen lagen auf ehemaligen Truppenübungsplätzen und konnten sich gerade aufgrund der ständigen, durch Kettenfahrzeuge verursachten Störungen erhalten. Und so mag die Idee gar nicht mehr so abwegig klingen, einen Kampfpanzer zur Pflege einzusetzen, der nach der Auflösung der Truppenübungsplätze und dem Abzug des Militärs in gewissen Abständen für die nötige "Störung" sorgt.

Foto Kampfpanzer
Foto eines 'störenden' Kampfpanzers

pictureVerantwortlich für den Inhalt dieser Seite: Dr. Tom Steinlein