Interviews & Features    

 
· Ein Leben lang derselbe Glaube?
· Das Projekt wird fortgesetzt
· Überblick über die Forschungs- methoden
· Die Phase I
· Motive für den Glaubenswechsel – die Vorstudie
· Phase I - Forschungsziele und Methoden
· Erste Ergebnisse der Phase I
Ergebnisse der laufenden Phase
· Das Projektteam
· Literatur zum Thema
· Feedback


Überschrift
Unsere Erfahrungen zeigen, dass bei Menschen, die sich auf die Befragung einlassen (selbstverständlich nachdem sie über die Ziele der Untersuchung unterrichtet, über ihre Rechte informiert und um die schriftliche Erklärung ihres Einverständnisses gebeten wurden), die Interviews gute Akzeptanz finden. Nicht selten wurde auch die Bedeutung des Interviewgesprächs für das eigene religiöse Werden positiv hervorgehoben.

Da wir die Interviews parallel zur aktuellen Datensammlung bereits auswerten, können wir über erste Ergebnisse und Trends berichten, die wir anhand von Auszügen aus Interviews mit ehemaligen Gruppenmitgliedern illustrieren.

1. Die Ablösung von einem bestimmten Glauben (Dekonversion) und - häufig auch einer religiösen Gemeinschaft - ist ein Prozess, der sich über einen längeren Zeitraum erstreckt. Dies zeigt das untenstehende Beispiel einer solchen Dekonversion.

... Na zumindest [ist es?] ein- also es ist, wie sich von Anf- a- eingangs schon gesagt habe, ist es keine Entscheidung von jetzt auf gleich, daß ich morgens aufwache und sage: eigentlich will ich da gar nicht mehr dabei sein, sondern es hat sich, beim- bei m- mir zumindest über vi- viele Jahre .. also be- stimmt, also zweistellig, also zehn, zwölf Jahre, sag ich mal, wo die ersten, Zweifel waren, und dann auch diese Informationen, die ich langsam [mal?] gekriegt habe, bis sich das, alles .. aufgebaut hat, das war ein Prozeß, der, lange Zeit ge-, Stufen, weiß ich nicht, aber zumindest, äh, verschiedene, Meilensteine, wo ich sag, da hat sich was, gravierend getan.
Der zweite Befragte schildert einen Ablösungsprozess, der mit einem Konflikt mit übergeordneten Funktionsträgern einsetzte und schließlich zu Zweifeln führte:
Nee, nee, [...] hab ich nachher, da bin ich zu der Zeit . bin ich noch 'n paar Mal hingegangen, ganz sporadisch und dann gar nicht mehr. Da hab ich gesagt, also für mich innerlich "jetzt können sie mich gern haben, Bibel kann ich zuhause lesen, beten kann ich auch zuhause, mit meiner Frau, da brauch ich da nicht mehr hingehen." Wobei mir dann auch schon manches aufgestoßen ist, was im [...] geschrieben stand, wo ich also absolut nicht mehr einverstanden war, weil ich selber nachgedacht hab. Und gedacht "das ist nicht so, kann nicht so sein," und da hab ich gedacht "dann lassen wir's."
Der nachfolgende Kommentar des Verlaufs erwähnt auch die Schwierigkeiten, die den Dekonversionsprozess begleiten:
Hat sich hingezogen, ne, doch über . Jahre, ne? Weil ich hab abgewartet, kommt da jetzt etwas oder so? Aber es.. Na ja, und jetzt bin ich draußen. Und muss sagen, ich fühl mich freier. Bin eigentlich froh, dass ich so, dass diese Ereignisse alle so eingetreten sind, dass ich den Ausstieg so geschafft hab. Man fällt erst in ein tiefes Loch.

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