Interviews & Features    

 
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Risikofaktoren
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Überschrift
Die Diskussion über mangelnde Leistungsfähigkeit kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zahlungsbereitschaft der Unterhaltspflichtigen verbessert werden muss.

Hierzu sind einerseits rechtliche und ordnungspolitische Gegenmaß-nahmen notwendig. Darüber hinaus lassen sich aus der Untersuchung aber auch bestimmte Faktoren ableiten, welche die Bereitschaft zur Zahlung von Unterhalt, insbesondere für die Kinder, positiv beein-flussen.

Regelmäßiger Kindeskontakt
Was zunächst die Zahlung von Kindesunterhalt anbetrifft, so ist festzustellen, dass Probleme immer dann auftreten, wenn der Zahlungspflichtige keinen Kontakt mit dem (den) Kind(ern) hat bzw. wenn die beiden (ehemaligen) Ehepartner häufig Auseinander-setzungen über Besuchszeiten und Kindesunterhalt haben. Es ist daher zu prüfen, ob Maßnahmen der Verbesserung des Kindes-kontaktes oder eine gegebenenfalls durch Dritte moderierte einvernehmliche Lösung von Unterhalts- und Umgangsrechtfragen auch zu einer Erhöhung der Zahlungsbereitschaft führen.

Legitimität der Forderungen
Die Analysen der Autoren zum Trennungs- bzw. Ehegattenunterhalt zeigen darüber hinaus, dass nicht nur die rechtlichen Grundlagen und die objektiven Gegebenheiten, sondern auch die subjektiven Einschätzungen der Legitimität der jeweiligen Forderungen von Bedeutung sind.

So berichten beispielsweise die unterhaltsberechtigten Frauen, dass sie insbesondere dann regelmäßig und vollständig Unterhalt für sich selbst bekommen haben, wenn der Entschluss zur Trennung nicht von ihnen allein ausging.

Umgekehrt sind die unterhaltspflichtigen Männer um so eher bereit, Unterhalt zu zahlen, je länger sie mit ihrer (ehemaligen) Partnerin verheiratet waren.

Ähnliche moralische Überlegungen spielen wahrscheinlich auch bei der Zahlung von Kindesunterhalt eine Rolle. Dass sie jedoch beim Ehegattenunterhalt neben einer Vielzahl weiterer getesteter Faktoren einen solchen bedeutenden Einfluss haben, gibt Anlass zu der Frage, ob die Betroffenen nicht generell vom Prinzip der Selbstvorsorge nach einer Scheidung ausgehen und daher die Notwendigkeit von Unterhaltszahlungen für den (ehemaligen) Ehepartner nur unter ganz bestimmten Bedingungen einsehen.

In diese Richtung weisen zumindest auch die Antworten der unterhaltsberechtigten Frauen: Auf die Frage, warum sie bei ausbleibenden Zahlungen keinen Ehegattenunterhalt eingefordert haben, nennen sie an zweiter Stelle den Wunsch nach Unabhängigkeit vom damaligen Ehepartner.



pictureVerantwortlich für den Inhalt dieser Seite: Prof. Dr. Hans-Jürgen Andreß, Dipl.-Soz. Barbara Borgloh, Dipl.-Soz. Miriam Güllner