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Schmerzpatientinnen und -patienten erleben die unzureichende Versorgungspraxis vielfach dergestalt, dass sie bei den Ärzten und Pflegekräften in der Regelversorgung kein Gehör für ihr Leiden finden. Dass diese – seien es nun Ärzte oder Pflegende – ihr Leiden nicht ermessen können und/oder wollen, ist für sie kaum nachvollziehbar. Sie fühlen sich oft „nicht ernst genommen“ und „im Stich gelassen“. Zumeist haben sie eine Vielzahl an Instanzen durchlaufen, bis sie eine qualifizierte Schmerzversorgung erlangen.

Das in der aktuellen gesundheitspolitischen Diskussion unter dem Label des „Ärzte-Hoppings“ kritisierte, wenn nicht gar als „Doctor Shopping“ diskreditierte Phänomen häufiger Arztwechsel stellt sich aus der Perspektive schmerzbelasteter Menschen als verzweifelte Odyssee durch das verschlungene Labyrinth des Gesundheitssystems dar. Die Erfahrungsberichte derjenigen Schmerzpatientinnen und -patienten, die allen Widrigkeiten zum Trotz eine qualifizierte Schmerztherapieeinrichtung gefunden haben, unterstreichen, wie wichtig es für sie ist, dass sich die professionellen Akteure ihres Leidens und ihrer Person „als Ganzes“ annehmen. Hierzu gehört, dass Ärzte wie auch Pflegende auf die subjektiven Befindenslagen, (Gesundheits-)Probleme, Ängste und Präferenzen der erkrankten Menschen eingehen und mit ihnen gemeinsam gangbare Wege suchen, die ihr (Schmerz-)Leiden und damit verbundene Einschränkungen der Lebensqualität lindern.

Als weiterer zentraler Aspekt der Versorgungsqualität kristallisiert sich aus Patientensicht die Gewährleistung auch personeller Kontinuität heraus. Um schwere chronische Erkrankungen bewältigen zu können, die mit einer erheblichen Symptombelastung und Schmerzen einhergehen, ist für die betroffenen Menschen und ebenso für ihre Angehörigen das Bewusstsein existenziell, im Bedarfsfall bei sich zuspitzenden Krankheitskrisen nicht alleine dazustehen. Von Seiten der Ärzte und Pflegenden kann dieses Sicherheitsgefühl nur auf der Grundlage einer begleitenden Unterstützung und Beratung hergestellt werden. Eine solche „Rückversicherung“ durch vertraute professionelle Akteure erscheint als Dreh- und Angelpunkt der Versorgungsqualität. Eine umfassende und kontinuierliche Patientenbegleitung ist jedoch in unserem ausdifferenzierten Gesundheitssystem nur schwer zu finden, wo sich die einzelnen Akteure zumeist nur für Teilprobleme zuständig fühlen, die in ihr unmittelbares Fachgebiet bzw. ihren primären Aufgabenbereich fallen, oder wie es eine Patientin auf den Punkt bringt: „Man ist einfach kein Ganzes für die Ärzte“ und „die Pflege ist mehr nur so eine Körperpflege“.

Schmerzpatientinnen und -patienten, die sich in einer schmerztherapeutischen Behandlung befinden, sehen sich zudem oftmals damit konfrontiert, dass Ärzte anderer Fachrichtungen die Angemessenheit der von ihrem Schmerztherapeuten eingeleiteten Therapie bezweifeln, sich „eigenmächtig“ über die Therapiepläne hinwegsetzen und verordnete Schmerzmedikamente absetzen, ohne mit dem behandelnden Schmerzarzt Rücksprache zu halten. Hinzu kommt, dass sich die Diagnose chronischer Schmerz außerhalb der speziellen Schmerztherapie oftmals geradezu als Stigma erweist. Chronisch erkrankte Schmerzpatientinnen und -patienten, hegen daher nicht eben selten die Befürchtung, dass sie nur noch als „schmerzkrank“ betrachtet und beim Auftreten neuerlicher gesundheitlicher Beschwerden keiner angemessenen Diagnostik unterzogen werden.



pictureVerantwortlich für den Inhalt dieser Seite: Dr. Gabriele Müller-Mundt