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Die Globalisierungsprozesse auf der Ebene der Verpflichtung von Spielern sind vor allem durch das sogenannte „Bosman-Urteil“ ausgelöst worden. Zwar besagt dieses Urteil nur, dass die Vereine nahezu unbegrenzt ausländische Spieler einsetzen dürfen, nicht aber, dass sie dies tun müssen. Allerdings zwingt die Logik des Sports – die Konkurrenz um Siege und die Vermeidung eigener Niederlagen – die Vereine dazu, ausländische Spieler zu verpflichten, denn durch die neuen Möglichkeiten entstanden Versuche der wechselseitigen Überbietung, die in ihrer Dynamik und ihrem Ablauf mit der Rüstungsspirale des „Kalten Krieges“ vergleichbar sind. Entsprechend müssen die Vereine ihre Spieler weltweit „einkaufen“, wollen sie weiterhin national und international konkurrenzfähig sein.
Diese Globalisierung der Spielermärkte macht es notwendig, dass die Vereine ihr bisheriges Vorgehen bei der Verpflichtung von Spielern verändern. Denn reichte es bislang aus, in die eigene Nachwuchsförderung zu investieren sowie die oberen nationalen Ligen zu beobachten, werden nun zunehmend globale Beobachtungsnetzwerke mit sogenannten Talentscouts und Spielervermittlern aufgebaut, um weltweit das „sportliche Talent“ aufzuspüren und so Vorteile gegenüber der Konkurrenz zu sichern.

Die Vereine rekrutieren ihre Spieler inzwischen also weltweit, weshalb wiederum für den heimischen Nachwuchs nur geringe Chancen bestehen, später in den Spielerkader aufgenommen zu werden. Daher überrascht es, dass die Vereine keineswegs völlig auf eine eigene Nachwuchsförderung verzichten. In vielen Vereinen werden die Investitionen in die Nachwuchsförderung nicht einmal gesenkt, und in manchen Vereinen will man sogar in den nächsten Jahren – ungeachtet der geringen sportlichen Rentabilität – verstärkt in die Nachwuchsförderung investieren.

Offenbar sehen die Vereine die Funktion der Nachwuchsförderung also nicht nur in der Produktion von Spielern für die erste Mannschaft, vielmehr wollen sie damit auch Erwartungen der Gesellschaft erfüllen und Ressourcen mobilisieren. Dabei spielen nach eigenem Bekunden Traditionsbewusstsein und gesellschaftspolitische Motive ebenso eine Rolle wie der Wunsch des Publikums, sogenannte „Eigengewächse“ in der ersten Mannschaft zu sehen. Demnach wird Nachwuchsförderung von den Vereinen also betrieben, um einen Imagegewinn zu erzielen, mit dem sie politische Unterstützung gewinnen, vor allem aber regionale Sponsoren und die Zuschauer vor Ort an sich binden wollen.