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Sport und Globalisierung
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„Globalisierung“ – seit etwa zehn Jahren beherrscht dieser Begriff eine in den Wirtschaftswissenschaften und in der Soziologie breit ausgefaltete Diskussion über Entwicklungsprozesse hin zu einer Weltgesellschaft mit all ihren Problemen und Folgeproblemen. Betrachtet man diese Debatte genauer, ist zu bemerken, dass sie ihr Material zuallererst aus der Analyse der Entwicklung internationaler Finanzmärkte und multinationaler Unternehmen bezieht.
Der Sport hingegen taucht hier kaum auf; und dies, obwohl sich der moderne Sport – denkt man nur an die seit 1896 stattfindenden Olympischen Spiele – seit längerem als ein weltweit organisierter und handelnder Bereich darstellt, der über weltweit gültige Wettkampf- und Regelsysteme verfügt. Im Sinne von internationaler Organisation des Sportes stellt Globalität also für den modernen Spitzensport schon lange ein zentrales Charakteristikum dar.

Prof. Dr. Ansgar Thiel und Prof. Dr. Klaus Cachay© Klaus Siebahn

Hieraus nun zu schließen, dass der Sport die Globalisierung schon längst „im Griff“ hätte, wäre völlig falsch. So lassen insbesondere die neueren Entwicklungen im Bereich der Mannschaftssportarten Phänomene erkennen, die auch für den Sport völlig neue Herausforderungen erzeugen und daher quasi als „Lehrbuchbeispiele“ für eine Globalisierung im Sinne von Entgrenzungsprozessen gelesen werden können.

Diese Entwicklung lässt sich an drei Punkten konkretisieren:

  1. In den bestehenden internationalen Wettbewerben für Vereinsmannschaften werden die nationalen Ligen nicht mehr gleich behandelt: Nicht mehr alle Nationen erhalten gleich viele Teilnehmerplätze, sondern die Zugangsmöglichkeiten für die Mannschaften werden nach Leistungsstärke der Ligen gewichtet. Hier deutet sich bereits ein erster Schritt hin zu einer Selbständigkeit der stärksten Vereinsmannschaften an, was auch eine zunehmende Unabhängigkeit von nationaler Bindung umfasst.
  2. Das Monopol der (inter-)nationalen Sportverbände zur Wettkampforganisation wird abgebaut. Statt dessen treten privatwirtschaftliche Unternehmen in den Vordergrund, die aber nicht demokratisch legitimiert, sprich: gewählt und an ein bestimmtes Territorium gebunden sind, sondern den Gesetzen des internationalen Marktes unterliegen.
  3. Mit dem sog. „Bosman-Urteil“ (EuGH 1995) wurden die Möglichkeiten der Spielerrekrutierung radikal verändert. Die Anzahl der in einem Wettkampf gleichzeitig einsetzbaren ausländischen Athleten und Athletinnen ist kaum mehr limitiert, so dass die Vereine bestrebt sind, nicht nur die Besten des Landes, sondern die Besten der Welt zu verpflichten – eine Entwicklung, die auch die nationale Nachwuchsförderung nicht unberührt lässt.
Globalisierung führt also für die im Grunde noch immer lokal verankerten Spitzensportvereine zu einem enormen Anpassungs- und Erneuerungsdruck. Das lässt sich wiederum vor allem an drei zentralen Problemfeldern zeigen, dem des Vereinsmanagements, dem der Spielerrekrutierung und am Publikum.