Interviews & Features    

 
· Einleitung
· Interaktionen zwischen Tieren
· Das Untersuchungs- `objekt´
· Die Fragestellungen
Die Forschungs- methoden
· Experiment I
· Experiment II
· Experiment III
· Die Arbeitsgruppe
· Weiterfuehrende Literatur
· Feedback


Überschrift
Wir untersuchen die vokalen Interaktionen mit deskriptiven, d.h. beschreibenden, und mit experimentellen Forschungsansätzen.

Auf deskriptiver Ebene erstellen wir über Richtmikrophone Stereoaufnahmen von interagierenden Männchen in ihrem natürlichen Habitat (d.h. in ihrem natürlichen Lebensraum). Das umfangreiche Datenmaterial wird dann digitalisiert. Anschließend werden die Gesänge in mehreren spezifischen Parametern vermessen. Diese aufwändigen Gesangsanalysen geben Aufschlüsse über die Dynamik natürlicher Interaktionen und Einblicke in die sozialen Beziehungen zwischen benachbarten Revierbesitzern. Sie werfen dabei auch biologisch wichtige Fragen auf, die experimentell untersucht werden können.

Auf experimenteller Ebene verwenden wir verschiedene Playbackmethoden. Vor allem während des Nachtgesanges lassen sich durch das Vorspielen arteigenen Gesangs sehr natürliche Dialoge mit den Tieren führen. Nachtigallen nähern sich dann in der Regel nicht dem Lautsprecher an, sondern antworten dem Lautsprecher (dem simulierten Rivalen) von ihrer Singwarte aus. Diese rein vokalen Interaktionen haben den enormen Vorteil, dass die Tiere einerseits nicht direkt erfahren, dass sie Teil eines Experimentes sind, und andererseits die ausgetauschte Information rein auf das akustische Signal beschränkt ist. Dadurch lässt sich der Versuchsablauf klar erfassen und die Ergebnisse lassen sich entsprechend exakt quantifizieren.

In einem experimentellen Ansatz verwickeln wir ausgewählte Männchen direkt in solche Interaktionen (Dialoge). Dabei können wir über computergestützte interaktive playbacks verschiedene Gesangsstrategien simulieren und anhand der Reaktion der Tiere Information über die Bedeutung solcher Strategien gewinnen. In einem weiteren experimentellen Ansatz konfrontieren wir Reviermännchen direkt mit einer simulierten Interaktion. Dazu positionieren wir in entsprechender Entfernung zwei Lautsprecher, über die wir dann zwei miteinander interagierende Nachtigallen simulieren. Aus den Reaktionen des nun nur zuhörenden Reviervogels können wir dann Aufschlüsse darüber gewinnen, ob Männchen durch reines Zuhören von ‚Dialogen’ relative Unterschiede zwischen zwei Sängern direkt erfassen können. Interaktionen haben für Zuhörer einen anderen Informationswert als ‚Monologe’ (einzeln singende Tiere).

Als Analogie im Humanbereich: Wir kennen alle die Situation, dass man beim Zuhören von Vorträgen (Monologe) (Politiker, Dozenten,..) andere Bewertungen machen kann, als wenn wir diese Personen in direkter Diskussion (Dialoge) mit Kollegen bewerten können. Unterschiede zwischen den Interakteuren treten in Dialogen direkter hervor und die gewonnene Information hat in der Regel eine andere Qualität.