Interviews & Features    

 
· Einleitung
· Interaktionen zwischen Tieren
· Das Untersuchungs- `objekt´
· Die Fragestellungen
· Die Forschungs- methoden
Experiment I
· Experiment II
· Experiment III
· Die Arbeitsgruppe
· Weiterfuehrende Literatur
· Feedback


Überschrift
Singvögel fallen sich mit ihren Gesangsstrophen in Auseinander-setzungen häufig ins Wort, d.h. sie überlappen mit ihren Strophen die Gesangsstrophen ihres Interaktionspartners (Rivalen). Diese Überlappungen erreichen sie, in dem sie mit ihren Strophen beginnen, noch während ihr Gegenüber eine Strophe singt.



Diese Gesangsstrategie steht dem sonst häufig zu beobachtenden alternierenden Gesang gegenüber. Hier singen Vögel ihre Strophen wechselseitig, d.h. sie alternieren ihre Strophen.



Auch ein/e aufmerksame/r, sogar ungeübter Beobachter/in kann bei genauem Hinhören diese beiden Strategien besonders im Frühjahr, wenn Revierstreitigkeiten häufig sind, bei fast allen Vogelarten erkennen.

Durch Simulation von Rivalen über interaktive Playbackversuche konnten wir zeigen, dass Nachtigallenmännchen einen Rivalen anders bewerten, wenn er seine Gesangsstrophen alternierend mit ihnen singt als wenn er ihnen ‚ins Wort fällt’ (die Strophen überlappt). In den Playbackversuchen im Nachtgesang haben wir Rivalen mit zwei unterschiedlichen Gesangsstrategien simuliert: Einen alternierenden Sänger oder einen überlappenden Sänger, d.h. entweder haben wir die Gesangstrophen so abgespielt, dass sie in die Pausen zwischen den Gesangsstrophen des Versuchsvogels fielen, oder wir haben sie bereits begonnen, während er noch am Singen war und so stets seine Strophen mit unseren überlappt.

Sänger, die überlappt wurden, haben verstärkt ihre Strophen abgebrochen, unregelmäßiger gesungen, sowie ihre Gesangsrate erhöht [vgl.: Naguib, "Animal Behaviour", 1999], was alles Anzeichen dafür sind, dass sie das Überlappen als ’unangenehm’ bzw. als eine aggressivere Gesangsstrategie bewertet haben. Die Versuche haben darüber hinaus gezeigt, dass Vogelmännchen, die bereits ‚schlechte Erfahrungen’ mit einem Rivalen hatten, dann aggressiver gesungen haben, wenn sich der Rivale beruhigt hatte (alternierend sang), als wenn sie keine solche ‚negative’ Vorerfahrung hatten.

Zusammenfassend zeigen diese Versuche, dass Vögel durch die gesanglichen Interaktionen nicht nur Information über ihre ‚Stärke’ oder ihre Bereitschaft, ihr Revier zu verteidigen, austauschen können, sondern auch dass sie sich Strategien von Rivalen merken und bei schlechten Vorerfahrungen eine Art Vergeltung (retaliation) betreiben.