Interviews & Features    

 
· Einleitung
· Unterschwellige Reize
· Bielefelder Forschung zum Thema
· Maskierte Testreize
· Dissoziationen zwischen Handlung und Bewusstsein
· Hat die Legende doch Recht?
· Die Bedeutung der Aufmerksamkeit
· Das Unbewusste
· Experiment
· Literatur
· Die Autoren
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Es gibt noch eine Reihe weiterer Gründe dafür, dass Werbung mit unterschwelligen Reizen nicht funktionieren kann.

Die Wirkungen nicht-bewusster Reize auf die Reaktionszeiten sind äußerst klein: Sie betragen selten mehr als 50 Millisekunden und oft sogar deutlich weniger. Für häufig wiederholte Tätigkeiten des täglichen Lebens ist dies ein erheblicher Betrag: In der Steuerung von wiederholten Handlungen oder Bewegungen zum Beispiel beim Laufen oder Sprechen summieren sich Effekte von 50 Millisekunden schnell zu großen Unterschieden. Man stelle sich vor, jedes einzelne Wort würde 50 Millisekunden langsamer ausgesprochen. Daraus würden sich schon für relativ kurze Gespräche enorme Effizienzeinbußen ergeben. Es aber kann mit Recht bezweifelt werden, ob ein Unterschied von einigen Dutzend Millisekunden bei einer einzelnen Entscheidung für oder wider ein Produkt eine Bedeutung hat.

Effekte nicht-bewusster Reize treten außerdem nur dann auf, wenn die Versuchspersonen so schnell (und so genau) wie möglich reagieren. Nur unter dieser Bedingung kann sich der Testreiz in die Reaktion einschalten. Lässt sich die Versuchsperson hingegen Zeit (und sieht vielleicht noch einmal genau hin), dann ist zu dem Zeitpunkt, zu dem sie reagiert, die kurzlebige motorische Aktivierung durch den Testreiz möglicherweise bereits verschwunden (2). Außerdem bemerken die Versuchspersonen ihre Fehler und ärgern sich, wenn sie mit der falschen Hand reagiert haben. In alltäglichen Situationen, in denen man üblicherweise Zeit hat, Entscheidungen noch einmal zu überdenken, ist es deswegen höchst unwahrscheinlich, dass ein unbewusster Reiz den Kauf eines bestimmten Produktes auslöst.




pictureVerantwortlich für den Inhalt dieser Seite: Dr. Ingrid Scharlau & Dr. Ulrich Ansorge