Interviews & Features    

 
· Einführung
· Die Forschungsmethode
· Wie werden schnelle Bilder verarbeitet?
· Wie werden komplexe Bilder verarbeitet?
· Die Virtuelle Fliege
· Radiobeitrag "Im Cockpit der Fliege"
· Die Arbeitsgruppe
· Weiterführende Literatur und Links
· Feedback


Um die komplexen dynamischen Bildfolgen, die den Ausgangspunkt einer solchen Bildverarbeitung darstellen, kennen zu lernen, versetzen wir uns in Gedanken in das Cockpit einer Fliege. Gleich nach dem Start beginnt sich die Umwelt vor beiden Augen von vorne nach hinten zu bewegen. Plötzlich macht die Fliege eine ruckartige Drehung nach links: dabei bewegt sich die Umwelt im ganzen Sehfeld kurzzeitig nach rechts. Unvermittelt nähern wir uns einem Hindernis: Dieses scheint immer größer zu werden und seine Konturen verschieben sich von der Mitte des Sehfelds zu dessen Randbereichen. Durch eine weitere ruckartige Drehung nach rechts, die mit großflächigen Bildverschiebungen nach links einhergeht, gelingt es der Fliege dem Hindernis auszuweichen. Jetzt kommt das Zielobjekt, eine andere Fliege, in den Blick. Da diese sich selbst bewegt, bewegt sich ihr Bild auf dem Auge mit einer anderen Geschwindigkeit als die Umwelt. Die dadurch auftretende Relativbewegung macht die verfolgte Fliege vor dem Hintergrund sichtbar. Die Verfolgung kann beginnen...



Ein derartiger Bildfluss tritt nicht nur auf den Augen von Fliegen auf, sondern auch auf unseren Augen, wenn wir uns z.B. im Straßenverkehr bewegen. Allerdings sind die Veränderungen des Bildflusses während der Flugmanöver von Fliegen um ein Vielfaches schneller als die auf den Augen von Menschen. Dies gilt sogar für Formel-1 Rennfahrer oder Piloten von Düsenjets. So können Fliegen bis zu zehn ruckartige Drehungen pro Sekunde machen, bei denen sie Drehgeschwindigkeiten von bis zu 5000°/s erreichen. Derartige Drehgeschwindigkeiten können Menschen schon körperlich nicht aushalten. Wie wir gesehen haben, unterscheidet sich der Bildfluss auf den Augen während unterschiedlicher Bewegungssituationen in charakteristischer Weise. Er enthält also wichtige Information über die Eigenbewegung. Darüber hinaus lässt sich aus ihm auf die räumliche Struktur der Umwelt schließen. Diese Informationen können, wenn sie vom Gehirn entsprechend ausgewertet werden, für die visuelle Kurssteuerung genutzt werden. In vielen Situationen ist es lebensentscheidend, dass dies schnell und zuverlässig erfolgt.