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2000

PlasmidFactory: Gen-Vermehrung auf Bestellung

Die Firma PlasmidFactory aus Bielefeld verhilft Menschen zu Therapien, die vor einigen Jahren noch undenkbar erschienen. Das Labor vervielfältigt Gene – darunter auch solche, die eine besondere Eigenschaft haben: Sie können – sofern nach geeigneten Methoden produziert – von chronisch Kranken eingenommen werden und beheben dann für eine Zeit die Ursache einer angeborenen Krankheit.

Universität unterstützte Gründung von Anfang an

Geschäftsführer von PlasmidFactory ist Dr. Martin Schleef. Er hat die GmbH & Co. KG im Jahr 2000 mit drei weiteren Gesellschaftern gegründet. „Meine Erfahrung ist, dass man eine Gründung nicht vom Geld abhängig machen sollte“, sagt Schleef. Er fand anfangs keinen Geldgeber und bot sein Produkt zunächst freiberuflich an. Wichtige Unterstützung kam von der Universität Bielefeld: Gegen Miete nutzt die Firma für ihre Forschungstätigkeiten bis heute Labore und Geräte der Hochschule. Schleef hatte an der Universität Biologie studiert und war danach unter anderem bei dem Biotech-Unternehmen Qiagen in Düsseldorf.

Das Produkt seiner Firma sind Plasmide – ringförmige DNS, die in Bakterien vorkommen. Um eine genetische Information zu vermehren, wird diese in ein Plasmid eingebaut und dann in ein Bakterium eingeschleust. Das Bakterium wird wiederum in einen Fermenter gegeben, einen Edelstahlkessel, der Nährstoffe und Sauerstoff enthält und mit seiner Wärme die Bedingungen schafft, dass sich das Bakterium und das untergeschobene Plasmid über Nacht millionenfach vermehren. Was dann folgt ist „die besondere Kunst, die wir beherrschen“, sagt Schleef. Sein Team reinigt die Bakterienmasse, so dass ausschließlich die Plasmid-Ringe bleiben. „Da sind dann keine Bakterien mehr drin – und somit auch keine unerwünschten Gene“, erklärt Schleef. Dadurch entfallen mögliche Nebenwirkungen, auch weil die Firma anders als viele ihrer Konkurrenten bei der Herstellung auf Antibiotika verzichtet. Die fertigen Plasmide werden in Plastikröhrchen gefüllt und an Kunden weltweit verschickt. Sie brauchen die Gene für Forschung an neuen Therapieansätzen.

Firma ermöglicht neuartige Therapien

Plasmide werden etwa für Sprays gegen Mukoviszidose verwendet. Schuld an dieser Krankheit ist ein defektes Gen, so dass ein fehlerhaftes Kanalprotein gebildet wird, dies führt letztlich dazu, dass die Lunge verschleimt, was mit einer erhöhten Infektanfälligkeit und einer deutlich verringerten Lebenserwartung der Patienten einhergeht. Für die Therapie wird eine funktionierende Variante des Gens als Plasmide vermehrt. In die Lunge gesprüht, ermöglicht das Gen dann die körpereigene Herstellung des intakten Proteins, so dass das Organ normal arbeiten kann. „Es wird also nicht das Symptom, sondern die Ursache der Krankheit bekämpft“, sagt Schleef. Darüber hinaus könnten mit der Plasmid-Vermehrung auch Impfstoffe hergestellt werden – weitaus schneller als mit den derzeit üblichen Verfahren.

Dass die Firma auch derart schwierige Aufgaben bewältigen kann, haben der Biologe und seine Mitarbeiter bei ihrem ersten Stammkunden bewiesen. „Der Kunde brauchte ein Plasmid, das er selbst nicht herstellen konnte. Er hatte mit sämtlichen Fachleuten geredet und eigentlich schon aufgeben“, so Schleef. Dann wandte er sich an die PlasmidFactory. Vier Monate experimentierten die Mitarbeiter, dann konnten sie die Lieferung zusagen. „So sicherten wir uns die Basisfinanzierung für das zweite Jahr nach der Gründung.“

Erweiterung in Planung

Seitdem wuchs die Firma. 1100 verschiedene Plasmide stellte sie im Lauf der Jahre her. PlasmidFactory hat heute ein weltweit einmaliges Patent auf „Minicircle DNA“, das sind besonders kleine Plasmide. Die Universität und PlasmidFactory profitieren bis heute voneinander: Bislang wurden mehr als 50 Studierende und Schüler für Praktika und Nebenjobs in der Produktion ausgebildet. Die Kooperation mit der Hochschule will Schleef insbesondere bei Forschung und Entwicklung beibehalten. Für die Produktion nutzt das Unternehmen Räume im Technologiezentrum der WEGE mbH in der Meisenstraße in Bielefeld. Mittelfristig ist hier aus Sicht von Schleef allerdings eine Alternativlösung in der Nähe der Universität wünschenswert.

 

 

Firmenname: PlasmidFactory GmbH & Co. KG

 

Das Produkt: Herstellung und Analyse von Plasmiden für Forschung und Therapie

 

Branche: Biotechnologie

 

Start: Dezember 2000

 

Gründer: Dr. Martin Schleef, Erwin Flaschel, Dr. Torsten Schmidt, Klaus Hömberg

 

Kontakt:

Meisenstraße 96, 33607 Bielefeld

Info@PlasmidFactory.com