Leute, die schreiben, sind zunächst Leute, die lesen. Und vor dem Lesen kommt die Literatursuche, die Auswahl der Texte, die für das Thema relevant sind, das man bearbeitet...
Literatur auswählen, lesen, exzerpieren, referieren, zitieren und kommentieren, das sind viele Arbeitsschritte, bei denen zahlreiche Entscheidungen getroffen werden müssen. Die zahlreichen gedanklichen und handwerklichen Schritte zu verstehen und zu bewältigen, die bei der Auswertung und Wiedergabe von wissenschaftlicher Literatur in der eigenen Arbeit anfallen, ist ein zentrales Element des Studiums, - besonders in geistes- und sozialwissenschaftlichen Fachdisziplinen.
Den Umgang mit Literatur lernt man nicht ein- für alle Male zu Beginn des Studiums, auch wenn gute Tutorien und Lehrveranstaltungen zu Studientechniken hierfür den Grundstein zu legen versuchen. Mit Literatur umzugehen lernt man in erster Linie beim Tun, d. h. indem man liest, sich - schreibend - ins Verhältnis zum Gelesenen setzt und dabei seine eigenen Perspektiven und Standpunkte klärt.
Beim Schreiben von wissenschaftlichen Arbeiten geht es darum, eigene Gedanken und Ergebnisse zu präsentieren. Das ist eigentlich klar. Aber bei der Flut der wissenschaftlichen Literatur, die es in solchen Arbeiten zu berücksichtigen gilt, geht dieser Gedanke manchmal verloren. Und doch muss die oberste Maxime immer sein: wissenschaftliche Texte sind kein Patchwork aus Texten, die man gelesen hat, sondern es geht darum, Veröffentlichungen von anderen in der eigenen Argumentation zu berücksichtigen, und zwar so, dass immer deutlich ist, wer was gesagt hat. Das ist nicht immer einfach - und deshalb ist die Kunst des Nicht-Plagiierens eine, in der man sich während des ganzen Studiums übt. Hier ein paar Daumenregeln, an die am sich halten kann, wenn man das geistige Eigentumsrecht anderer nicht verletzen will:
- Sie sollten auf den jeweiligen Autor verweisen, sobald ein fremder Gedanke zum ersten Mal auftaucht. Es genügt nicht, den Beleg erst an das Ende einer Passage zu stellen, in dem Sie einen fremden Gedanken referiert haben. Besonders genau kann man verdeutlichen, dass ein Gedanke von jemand anderem stammt, wenn man den Autor nicht nur in Klammern angibt („vgl. Müller, 1998, S. 6“), sondern seinen Namen zusätzlich im eigenen Text nennt („Meyer hebt hervor …“, Müller behauptet …“, Schulze verweist auf …“). Nach einem solchen Verweis kann man die eigenen Gedanken besonders gut ins Verhältnis zu denen des Autors setzen („Wenn das zutrifft, dann …“, „Hier könnte man fragen …“, u. ä.). Um ein Gefühl für die Möglichkeiten des Verweisens beim Schreiben zu bekommen, ist es nützlich, beim Lesen wissenschaftlicher Artikel darauf zu achten, wie andere Autoren vorgehen.
- Sie müssen jedes Mal auf die Urheber und Fundstellen verweisen, wenn Sie die Gedanken anderer verwenden, egal ob Sie wörtlich zitieren oder das Gelesene in eigenen Worten wiedergeben.
- Es gibt Dinge, die zum Allgemeinwissen gehören, und die nicht belegt werden müssen. Z. B. müssten Sie nicht nachweisen, woher Sie die Information haben, dass Angela Merkel derzeit Bundeskanzlerin ist. Welches Wissen jedoch in ihrem Fach als allgemein bekannt gilt, ist vor allem Studienanfängern häufig noch nicht völlig klar. Deshalb ist es sicherer, zu viele Belege zu geben als zu wenige. Erfahrung und Wissen werden die Entscheidung, wo belegt werden muss und wo nicht, zunehmend leichter machen. Aber diese Entscheidung müssen Sie jedes Mal treffen; und manchmal fällt sie nicht leicht, selbst wenn Sie schon viel Übung mit dem wissenschaftlichen Schreiben haben.
- Exzerpieren Sie sauber! D. h. führen Sie Buch über Ihre Lektüre, und achten Sie in Ihren Exzerpten sorgfältig darauf, direkte Zitate als solche kenntlich zu machen, eigene Kommentare, Fragen, Bemerkungen (die Sie unbedingt mitnotieren sollten) vom Gelesenen abzusetzen und zu jeder Textstelle, die Sie notieren, die genaue Fundstelle (Autor, Titel, Jahr, Seitenzahl) aufzuschreiben. Kopieren Sie niemals Passagen aus fremden Texten (Dokumenten aus dem Web) in Ihren Text! Schreiben Sie in ihren eigenen Worten heraus, was für Ihre Arbeit wichtig ist (zentrale Formulierungen können Sie auch wörtlich herausschreiben, aber dann in Anführungszeichen). Wenn Sie Ihren eigenen Text schreiben, können Sie diese Lektüreauszüge nutzen. Wichtig ist dabei, dass Ihre eigenen Gedanken den roten Faden bestimmen, und die Lektüreergebnisse den Stellenwert von Gelesenem behalten und nicht Ihre eigenen Gedanken ersetzen.
Was man belegen muss:
- Zitate, Paraphrasen (Wiedergabe von Gelesenem in eigenen Worten) oder Zusammenfassungen von Gelesenem.
- Fakten und Belege, mit denen Sie Ihre Argumentation oder Interpretation untermauern.
- Gedanken, Ideen oder Theorien anderer Autoren, egal ob Sie mit ihnen einverstanden sind oder nicht.
Im Jahr 2000 hat der Senat der Universität Grundsätze zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis an der Universität Bielefeld verabschiedet.
Hier finden Sie das aktuelle Merkblatt der Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie zum Umgang mit Plagiaten.
Link-Tipp: Luhmanns Zettelkasten (YouTube-Clip)