Zentrum für interdisziplinäre Forschung
 
 

Kitsch, Banalität, Trivialität

Termin: 3. - 5. Dezember
Leitung: Wolfgang Braungart (Bielefeld)

Auf den ersten Blick scheint das Thema Kitsch für die interdisziplinäre wissenschaftliche Diskussion nicht mehr viel abzuwerfen. Nach einer wissenschaftlichen Konjunktur des Themas in den 1960er und 1970er Jahren (im Zusammenhang mit der Erweiterung des Literatur- und Kunstbegriffs und im Zusammenhang mit der Erforschung der Geschichte und Struktur ästhetischer Wertungen) hat sich die Debatte in den disziplinären Grenzen von Literatur- und Kunstwissenschaft ein wenig festgefahren. Zwei Gründe sprechen vor allem dafür, diese Debatte wieder aufzunehmen: Zum einen sind in Zeiten der Postmoderne ästhetische Maßstäbe beweglicher geworden, werden ästhetische Grenzen weniger dogmatisch gezogen. Das ist nicht nur ein Nachteil. Zum anderen zeichnet sich seit einigen Jahren in allen kulturwissenschaftlichen Disziplinen ein offenkundiges Interesse an kulturanthropologischen Fragestellungen ab. An der Geschichte und Struktur des Kitsches lassen sich in der Tat elementare anthropologische Dimensionen des Ästhetischen besonders gut untersuchen. Die interdisziplinäre Tagung Kitsch – Faszination und Herausforderung des Banalen und Trivialen diskutierte unter historischer und systematischer Perspektive den Kitsch als Phänomen der Moderne, an dem sich die Industrialisierung von Kultur ablesen läßt und das zugleich, insbesondere in der Kunst und Musik der Gegenwart, zum ästhetischen Spielmaterial wird. Kitsch ist ein ästhetischer Begriff wie andere auch, dem man deshalb seine Unschärfe nicht zu rasch vorwerfen darf: Ästhetische Erfahrungen gehen grundsätzlich im Begriff nie auf, so auch die, die mit dem Kitsch zu machen sind. Die wissenschaftliche Arbeit mit dem Begriff Kitsch ist deshalb immer zugleich Arbeit an ihm.

Teilnehmende Iris Denneler (Dortmund), Hans-Edwin Friedrich (München), Joachim Jacob (Gießen), Eberhard Kötter (Gießen), Dorothea Kraus (Bielefeld), Gerhard Kurz (Gießen), Rainer Lächele (Essingen), Susanna Reinhard-Adam (Wallenhorst), Franziska Roller (Stuttgart), Stefan Römer (Köln), Claus-Artur Scheier (Braunschweig), Helmut Schmiedt (Koblenz), Andreas Streitmüller (Kehl), Eckhard Schumacher (Köln), Marina Schuster (Ahlen), Peter Sommer (Bielefeld), Jürgen Stenzel (Hamburg), Justus H. Ulbricht (Rotenburg / W.)



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