Zentrum für interdisziplinäre Forschung
 
 

Fiktionen der Gerechtigkeit

Termin: 27. - 29. Mai 2004
Leitung: Susanne Kaul, Rüdiger Bittner (beide Bielefeld)

Die Arbeitsgemeinschaft hat untersucht, welche Rolle die Gerechtigkeit in der neueren Literatur und im Film spielt. Die Interdisziplinarität der Arbeitsgemeinschaft war bei dem Thema Gerechtigkeit schon in der Sache gegeben, stieß angesichts der unterschiedlichen Methoden der Disziplinen und besonders angesichts der Herausforderung, die darin liegt, die Literatur auf Gerechtigkeit zu befragen, an Grenzen, insofern sich literarische Fiktionen nicht ohne weiteres rückübersetzen lassen in moralisch diskursive Rede, philosophische Thesen oder juristische Begriffe. Die unterschiedlichen fiktionalen Texte bzw. Medien setzten an verschiedenen Konflikten der Gerechtigkeit an, so daß die Beiträge ein großes Spektrum an Gerechtigkeitstypen generiert haben.
Die erste Sektion der Arbeitsgemeinschaft befaßte sich mit dem Verhältnis zwischen Gerechtigkeit und Moral. Die zweite Sektion betrachtete Gerechtigkeit im Verhältnis zu Gott. Die dritte Sektion stand unter dem Aspekt der interkulturellen Gerechtigkeit. In der vierten Sektion ging es um Recht und Gerechtigkeit.
Außer den genannten vier Sektionen gab es eine Lesung der Schriftstellerin Juli Zeh, das als Beispiel für das Spannungsverhältnis des Völkerrechts zwischen Rechtssicherheit und Gerechtigkeit angesehen werden kann.
Rückblickend zeigte sich vor allem die Weite des Gerechtigkeitsbegriffs, die einerseits als Uneinheitlichkeit problematisiert worden ist, andererseits als Signum einer historischen Differenz gesehen wurde: im 20. und 21. Jahrhundert erscheint die Gerechtigkeit in einer größeren Pluralität als in den literarischen Texten und Diskursen des 19. Jahrunderts. Gleichwohl sind einige Grundprobleme der Gerechtigkeit immer wieder in den unterschiedlichen Beiträgen zur Sprache gekommen. So zum Beispiel die Frage, wie Gerechtigkeit in einer verderblichen Gesellschaft realisiert werden kann, die Frage nach der Transzendenz bzw. Metaphysik der Gerechtigkeitsidee, damit zusammenhängend die Frage nach einem Maßstab für Gerechtigkeit, ferner das Verhältnis zwischen allgemeinen Prinzipien und Einzelschicksalen - hier kam wiederholt das Verhältnis von diskursiver Rede und Fiktion ins Spiel -, das Problem der Repräsentation von Gerechtigkeit sowie das Verhältnis von Symmetrie und Asymmetrie.



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