Zentrum für interdisziplinäre Forschung
 
 

Res Publica und Demokratie

Die Bedeutung von Cicero für das heutige Staatsverständnis

Termin: 28. Februar - 2. März 2005
Leitung: Emanuel Richter, Helmut König (beide Aachen), Rüdiger Voigt (München)

Den einleitenden Teil bestritten die drei wissenschaftlichen Leiter der Tagung mit Fragen und Thesen zu Ciceros Bedeutung für eine zeitgemäße republikanische Theoriebildung (Richter), mit Ciceros Biographie in Hinblick auf das Verhältnis von Staatsphilosoph und Staatsmann (Voigt) und mit Ciceros Beitrag für eine Theorie des Gedächtnisses, der Erinnerung und der Geschichtspolitik (König). Daran schloss sich eine erste Runde der gegenseitigen Erkundung von Erwartungen an die Auseinandersetzung mit Cicero aus dem Blickwinkel verschiedener Wissenschaftsdisziplinen an.
Die ersten beiden Beiträge setzten sich mit Ciceros Theorie der Alleinherrschaft als Interregnum im Übergang zur Wiederherstellung der Mischverfassung (Haehling von Lanzenauer) und mit seinem Verständnis von Populus und res publica (Christes) auseinander. Daran schloss sich die Auseinandersetzung mit der Bedeutung von Ciceros Modell der Deliberation für die deliberative Demokratietheorie in der Gegenwart an (Remer). Die Erläuterung der Facetten des bellum iustum als Theorie des 'gerechten' Krieges und ihre Projektion auf aktuelle kriegerische Konstellationen bildeten den nächsten Schwerpunkt (Girardet). Es folgte eine Neuinterpretation von Ciceros Schrift De natura deorum in Hinblick auf das Verhältnis zwischen Wahrheit, Tugendbegründung, Vernunft und Naturrecht (Nitschke). Schließlich fand eine resümierende und rezeptionstheoretisch kritische Bewertung von Ciceros Wirkungsgeschichte auf den Gebieten der politischen Philosophie, der Naturrechtstheorie und der Rhetorik statt (Llanque).
Die Tagung war durch die Beteiligung verschiedener Fachdisziplinen (Alte Geschichte, Altphilologie, Politikwissenschaft, Philosophie) ein Experiment, das rückblickend als höchst gelungene Form des interdisziplinären Dialogs und Erkenntnisgewinns gewertet werden kann. Ciceros Werk wurde exemplarisch in Hinblick auf seine Bedeutung in der Gegenwart neu erschlossen, wobei ihn niemand zum 'neuen Helden' eines zeitgemäßen Republikanimus stilisierte, sondern sein Erbe abwägend eher darin zu sehen ist, dass er bis heute eine hilf- und lehrreiche Funktion als politisch höchst sensibler 'erkenntniskritischer Skeptiker' ausübt.



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