Zentrum für interdisziplinäre Forschung
 
 

Gradienten in Trockengebieten

Verknüpfung von Mustern und Prozessen und deren Konsequenzen für die Biodiversität

Datum: 26. - 28. September 2005
Leitung: Christian Wissel (Leipzig), Maik Veste (Hamburg), Siegmar-W. Breckle (Bielefeld)

Grundlegend für den Schutz der biologischen Vielfalt und eine nachhaltige Landnutzung ist das Verständnis der ökosystemaren Prozesse in Raum und Zeit. Untersuchungen entlang klimatischer Gradienten sind vielfach als Modellsysteme verwendet worden, um die Auswirkungen von klimatischen Schwankungen auf Vegetation und Ökosystemprozesse zu klären.
Das breite Spektrum der vertretenen Disziplinen, von Ökologie, Vegetationskunde, Geomorphologie, Klimatologie bis hin zur Modellierung ökologisch-ökonomischer Systeme, ermöglichte eine fachübergreifende Diskussion über den Einfluss von ökologischen Faktoren entlang von Gradienten auf Vegetation und Landnutzung durch den Menschen. Klimatisch bedingte Niederschlagsgradienten steuern großräumig die Ausprägung der Vegetation in den Trockengebieten. Aber gerade kleinräumige hydrologische Prozesse und Bodeneigenschaften verändern die Wasserverfügbarkeit und im Endeffekt die Vegetationsmuster. So ist entlang klimatischer Niederschlagsgradienten mit Abnahme der Regenmengen auch eine Reduzierung der pflanzlichen Produktivität zu erwarten, da die Wasserversorgung die entscheidende Größe für die Vegetation in den Wüsten ist. Aber diese Änderungen in der Vegetation müssen nicht linear sein, sondern können durch chemische, physikalische und biologische Bodeneigenschaften so modifiziert werden, dass trotz der Abnahme der Niederschläge die Produktivität in bestimmten Ökosystemen sogar ansteigt.
Die klimatische Variabilität hat auch drastische Auswirkungen auf die Landnutzungen in diesen Regionen. Eine nachhaltige Landnutzung muss diese Schwankungen berücksichtigen. Beispiele aus dem südlichen Afrika zeigten, dass eine naturschonende Nutzung möglich ist. Allerdings ist Desertifikation weiterhin ein weitverbreitetes Phänomen, vor allem in den Regionen der Wüstenränder und hat drastische Auswirkungen auf die Biodiversität und Produktivität.
Die vorgestellten Ergebnisse und Diskussionen zeigten auch die Komplexität bei der Verknüpfung von Mustern und Prozessen auf, insbesondere wenn unterschiedliche Skalenebenen betrachtet werden. Gerade im Zusammenhang mit den Klimaänderungen ist das Verständnis der Prozesse von entscheidender Bedeutung für die Vorhersage des Biodiversitätswandels. Diese Fragestellung bedarf weiterer intensiver fachübergreifender Diskussionen, da die Verknüpfung von unterschiedlichen Skalen entlang von Gradienten noch unverstanden ist. Dabei sind Modelle ideale Werkzeuge zur Förderung des Verständnisses der wesentlichen Prozesse in den Ökosystemen.
Einhellig war die Meinung der Teilnehmer am Ende des Workshops: aus diesem ersten Schritt zur Verknüpfung von ökologischen Erkenntnissen sollen neue Impulse für eine intensivere und fächerübergreifende Zusammenarbeit in der nahen Zukunft erwachsen. Insbesondere die Bedeutung der Biodiversität für die Funktion von Ökosystemen und Stabilität bedarf weiter Aufklärung. Die Diskussionen in den Arbeitsgruppen sollen in den kommenden Monaten noch vertieft und publiziert werden.



Drucken
ZiF - Zentrum für interdisziplinäre Forschung - Startseite > ZiF-Arbeitsgemeinschaften-Liste > 2005 >