Zentrum für interdisziplinäre Forschung
 
 

Privatsphäre und Überwachungstechnologie

Interkulturelle und interdisziplinäre Perspektiven

Termin: 10. - 11. Februar 2006
Leitung: Karsten Weber, Ricarda Drüeke, Axel Schulz (alle Frankfurt/Oder)

Die Unterscheidung einer privaten und einer öffentlichen Sphäre des Lebens ist für westlich geprägte Gesellschaften konstituierend, vor allem für die Organisation des politischen Lebens sowie als Instrumentarium für juristische Entscheidungen. Doch was ist eigentlich Privatsphäre auf der einen und Öffentlichkeit auf der anderen Seite? Welche Eigenschaften kommen diesen beiden Sphären zu? Welche Rolle spielen sie konkret in unseren Gesellschaften? Diese und viele andere Fragen untersuchten die Teilnehmer des international und hochkarätig besetzten Workshops Privacy and Surveillance Technology - Intercultural and Interdisciplinary Perspectives. An dem Workshop nahmen 16 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt teil. Ziel des Workshops war der rege interdisziplinäre Austausch über Themen wie Datenschutz, Schutz der Privatsphäre, kulturelle Unterschiede in der Wahrnehmung des gesellschaftlichen Werts von Privatsphäre; nicht zuletzt sollte der Workshop Antworten auf die Frage geben, ob und inwieweit Öffentlichkeit und Privatsphäre durch den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologie in allen Lebenslagen, überall und jederzeit verändert werden. Politikwissenschaftler, Juristen. Philosophen, Sozialwissenschaftler und Ingenieure diskutierten diese Fragen an zwei Tagen intensiv - Vorträge der einzelnen Teilnehmer stellten hierbei den Ausgangspunkt dar, im Zentrum des Workshops stand aber die diskursive Auseinandersetzung mit den verschiedenen disziplinären Perspektiven. Der erste Teil des Workshops wurde definitorischen Fragestellungen zu Privatsphäre und Öffentlichkeit gewidmet, in erster Linie vor allem, wo und wie Grenzlinien zwischen der privaten und öffentlichen Sphäre gezogen werden kann. Im ersten Beitrag der Tagung referierte Michael Nagenborg zur Dichotomie dieser beiden Begriffe bzw. Konzepte. Philip Brey fragte dann, wie sich Privatsphäre operationalisieren lässt. Dazu rekurrierte er auf die von Rössler vorgelegte Unterscheidung von lokaler, dezisionaler und informationeller Privatheit. In den Beiträgen von Vincent C. Müller, Nadia Caidi und Nuala Connolly wurde deutlich, dass Privatsphäre nicht nur Selbstzweck ist, sondern Auswirkungen auf andere damit verbundene soziale Konzepte hat, bspw. auf die Identität von Menschen - hierbei kamen deutlich die kulturellen Unterschiede in Bezug auf die Bewertung der Privatsphäre zu Ausdruck. Gordana Dodig-Crnkovic warf mit ihrem Beitrag die Frage auf, ob und in welchem Ausmaß Überwachung am Arbeitsplatz stattfinden darf und ethisch gerechtfertig werden kann. Im Anschluss daran referierten Marc Langheinrich, Jessica Heesen, Kwang-Suk Lee, Ricarda Drüeke zusammen mit Axel Schulz, Karsten Weber sowie David Phillips über Auswirkungen und Konsequenzen der allgegenwärtigen Überwachung durch Staat und Privatwirtschaft für den Menschen im Alltag. Hansjürgen Garstka, ehemaliger Berliner Datenschutzbeauftragter, berichtete in seinem Beitrag über die Entwicklung der Datenschutzlinien und -gesetze auf europäischer und nationaler Ebene. Der britische Politikwissenschaftler Charles Raab wies in seinem Beitrag noch einmal darauf hin, welchen Wert personenbezogene Daten in einer ubiquitär vernetzten Welt haben. Wichtig dabei war vor allem die Feststellung, dass der Fluss dieser persönlichen Daten für den Einzelnen aber auch für staatliche Institutionen oft nicht mehr steuerbar ist. Im Abschlussvortrag der Tagung präsentierte Charles Ess seine Ideen zu der immer wichtiger werdenden Frage, wie persönliche Daten und Privatheit in einer sich globalisierenden Welt effektiv geschützt werden können und welchen Beitrag die Philosophie als Ideen- und Konzeptgeberin leisten kann. Dabei stand im Vordergrund, nicht nur westlich geprägte Ideen zu nutzen, sondern soziale und philosophische Konzepte anderer Kulturen ebenso fruchtbar zu machen. Im Anschluss an die jeweiligen Vorträge gab es sehr intensiv geführte Diskussionen; hierin kam der Workshopcharakter dieser Konferenz zum Tragen.



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