Zentrum für interdisziplinäre Forschung
 
 

Politische Kulturen im Andenraum

Termin: 15. - 17. Mai 2008

Leitung: Christian Büschges (Bielefeld), Peter Birle (Berlin), Thomas Fischer (Nürnberg), Olaf Kaltmeier (Bielefeld), Barbara Potthast (Köln), Tom Salman (Amsterdam), Juliana Ströbele-Gregor (Berlin), Sebastian Thies (Bielefeld)

Das einleitende Panel (Culturas políticas en la región andina: enfoques y perspectivas de investigación) untersuchte die anhaltende Präsenz ethnischer Akteure und Diskurse in der politischen Kultur des Andenraums. Dabei wurden zum einen aus historischer Sicht die Interaktion lokaler und nationalstaatlicher Erfahrungs- und Aktionsräume sowie Besonderheiten der ethnischen Mobilisierung im Ländervergleich aufgezeigt. Zum anderen wurden die aktuellen Strategien und Probleme ethnischer Mobilisierung und nationaler Integration auf der Ebene indigener Organisationen und der Regierungen zur Diskussion gestellt.
Im zweiten Panel (Modelos antiguos y nuevos de la política, de la economía y del "futuro nacional") ging es um die Frage, wie neue Formen der Partizipation bislang politikferne Gruppen einbeziehen können und welche Auswirkungen dies auf die politische Kultur der jeweiligen Länder zeitigt. Die Fragen wurden sowohl am Beispiel nationalistischer Ressourcenpolitik als auch an der Beteiligung indigener Bevölkerung am politischen Entscheidungsprozess erörtert.
Im dritten Panel (Actores políticos y sociales) ging es um die Rolle politischer Parteien, sozialer Bewegungen und Interessengruppen in der Herausbildung politischer Kulturen im Andenraum. Hierbei wurde der so genannte ›Linksruck‹ Lateinamerikas im Lichte des historischen Aufbruchs in den 1960er Jahren betrachtet und Defizite der Partizipation der Bevölkerung am politischen Prozess untersucht.
Im vierten Panel (Politizaciones de lo étnico - etnizaciones de lo político) ging es darum, den historischen Wandel von Akteuren und Diskursen und die Differenzierung der politischen Kultur verschiedener sozialer Akteure herauszuarbeiten, die auf lokaler, nationalstaatlicher und suprastaatlicher Ebene verortet wurden. Schwerpunkte lagen neben der Rückschau auf das 19. Jahrhundert auf der Analyse aktueller Auseinandersetzungen zwischen indigenen Organisationen und kreolischen Machtgruppen sowie interner Konflikte innerhalb der indigenen Organisationen vor dem Hintergrund ihrer zeitweiligen Regierungsbeteiligung.
Im fünften Panel (Cooperaciones y conflictos transnacionales) ging es um die Frage, inwiefern sich alte und neue Elemente der politischen Kulturen des Andenraums auf die heutigen zwischenstaatlichen und transnationalen Beziehungen in der Region auswirken. Neben einer Diskussion grundlegender Fragen der politischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit ging es im besonderen um Aspekte der energiepolitischen Kooperation, der grenzüberschreitenden Kriminalitätsbekämpfung sowie um Formen der Kooperation zwischen indigenen Organisationen aus den verschiedenen Ländern der Region.
Das abschließende Panel (La cultura como recurso (político): Políticas de identidad, cultural policy y producción cultural en el espacio andino) erörterte, wie in der Gegenwart Kultur als Ressource in identitätspolitischen Konflikten eingesetzt wird. Es wurde der Bogen gespannt von staatlichen Kultur- und Filmförderpolitiken über literarische und cineastische Kulturproduzenten bis hin zu translokalen Alltagswelten. Weiterhin wurden neue kulturell-mediale Strategien von Protestbewegungen untersucht und der grundlegenden Frage nachgegangen, wie Politik kulturell gedacht und inszeniert wird.

Die Tagung wurde finanziell unterstützt durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft und den SFB 584 (Teilprojekt: Ethnisierung und De-Ethnisierung des Politischen) unter der Leitung von Joanna Pfaff-Czarnecka und Christian Büschges.



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