Zentrum für interdisziplinäre Forschung
 
 

Selling EthniCity: Urban Cultural Politics in the Americas

Termin: 5. - 7. Mai 2009

Leitung: Olaf Kaltmeier (Bielefeld)

Im Rahmen der Arbeitsphase zu ›Ethnizität in städtischen Räumen‹ der Forschungsgruppe E Pluribus Unum?-Ethnic Identities in Transnational Integration Processes in the Americas fand das Symposium Selling EthniCity: Urban Cultural Politics in the Americas statt. Die dreitägige Veranstaltung widmete sich der Bedeutung von Ethnizität in der Gestaltung, Erfahrung, Vermarktung und Imagination von Städten in den Amerikas. 22 Referenten der Literatur- und Kulturwissenschaft, Soziologie, Anthropologie, Geschichte, Geografie, Stadt- und Regionalplanung sowie Architektur aus Europa, Lateinamerika und den USA präsentierten und diskutierten ihre Forschungen zur Festivalisierung und Kommodifizierung von Städten, zu urbanen ethnischen Kulturen und Gemeinschaften, zu kulturellen Repräsentationen urbaner Räume sowie zur Gentrifizierung oder Ghettoisierung von Stadtvierteln.
Nach einer konzeptionellen Einleitung von Olaf Kaltmeier zur identitätspolitischen Bedeutung von Ethnizität in Prozessen der Stadtentwicklung in den Amerikas, setzte sich John Gold (London) mit einem Keynote-Vortrag über Formen des Karnevals und ihrer Bedeutung in der zeitgenössischen urbanen Kultur der USA auseinander. Unter dem Titel Festivalization of the City schlossen sich daran die beiden Beiträge des ersten Panels über ethnische Festivals in Montreal (Nausica Zaballos, Paris) und Berlin (Stephan Lanz, Frankfurt (Oder)) an. Mit der Vermarktung afroamerikanischer Stadtkultur beschäftigten sich die Vorträge des folgenden Panels, Consuming Black Cities. Während Wilfried Raussert und Christina Seeliger (beide Bielefeld) das Marketing Chicagoer Blues Clubs in Hinblick auf die Politik des Authentischen fokussierten, untersuchte Silke Hackenesch das ›schwarze‹ Image von Washington und New Orleans. Die Deutschland-Premiere von Marline Ottes Dokumentarfilm The New Orleans Tea Party (2008) über das Leben in New Orleans nach den Zerstörungen durch den Hurrikan Katrina 2005 knüpfte hieran nicht nur thematisch an, sondern ergänzte die theoretischen Analysen um einen praxisorientierten und zugleich künstlerischen Blick.
Den zweiten Keynote-Vortrag des Symposiums hielt Fernando Carrión (Quito), den während der Tagung die Nachricht ereilte, dass er mit einem Beitrag zum Thema ›Weltkulturerbe‹ der diesjährige Gewinner des renommierten und hochdotierten Preises für den besten Essay in Ecuador wurde. Sein Vortrag über historische Stadtzentren im Spannungsfeld zwischen Kulturerbe und Kommerzialisierung leitete eine Reihe von Beiträgen über lateinamerikanische Städte ein. Im Panel zu Consumption and Commodification of Ethnicity referierte Maria Dabringer (Wien) über die Wiederentdeckung und Vermarktung traditioneller Lebensmittel in Quito, während Olaf Kaltmeier (Bielefeld) die ›retro-koloniale‹ Identitätspolitik eines historisierenden Shopping-Malls in der ecuadorianischen Hauptstadt in den Blick nahm. Cornelia Giebeler (Bielefeld) ergänzte diesen Fokus mit einem Vortrag über ethnische Identitätspolitik in der mexikanischen Provinzstadt Juchitán. Das vierte Panel, Ethnicity and Culture in L.A., versammelte Beiträge von Jens Gurr (Duisburg-Essen) über multimediale Repräsentationen von Los Angeles und von Ulises Diaz (Los Angeles) über die mexikanische Kultur derselben Stadt als Paradigma urbanen Lebens in den USA.
Zum Thema Indigeneity in the City analysierten die Vorträge des fünften Panels die Konstruktionen ethnischer Kultur und Identität in El Alto, Bolivien (Juliana Ströbele-Gregor, Berlin) sowie die Funktion von Ethnizität als Ressource für die indigene Bevölkerung der mexikanischen Stadt Mérida (Ricardo López Santillán, Mérida; Sylvia Meichsner, London). Das folgende Panel, Ethnic Urban Imaginaries vereinte drei Beiträge zu literarischen diskursiven Stadtbildern. Sonja Steckbauer (Salzburg) zeichnete die Entwicklung der Repräsentation von Mexico City in der mexikanischen Literatur nach, Alicia Menéndez Tarrazo (Oviedo) verglich politische und literarische Diskurse über Multikulturalismus in Vancouver, und Ruxandra Radulescu (Bukarest) untersuchte die Darstellung eines ›indigenen‹ Seattles in den Erzählungen von Sherman Alexie.
Mit ihren Vorträgen über US-amerikanische ›Chinatowns‹ und den Zusammenhang zwischen Architektur und Gemeinschaftsbildung am Beispiel jüdischer Community Centers in Detroit thematisierten Selma Siew Li Bidlingmaier (Bochum) und Julie Knoller TelRav (New York) die räumliche Konstruktion von Urban Ethnic Communities. Daran schlossen sich die Beiträge des letzten Panels über Fear, Security and Gentrification an. Während Eric Erbacher (Münster) Gentrifizierungsprozesse ›ethnischer‹ Stadtviertel in New York und Chicago fokussierte, nahm Ulises Zarazúa (Guadalajara) Alltagsleben und Stadtpolitik in Armenvierteln und luxuriösen gated communities in Guadalajara, Mexiko, vergleichend in den Blick. Yvonne Riaño (Bern) schließlich analysierte die Entstehung von cultural citizenship durch stadtpolitische Maßnahmen in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá.



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