Zentrum für interdisziplinäre Forschung
 
 

Evaluating R & D Collaboration Networks in Europe

Termin: 20. - 23. Oktober 2009

Leitung: Philippe Blanchard (Bielefeld), Josef Fröhlich (Wien), Ludwig Streit (Bielefeld / Funchal), Mattias Weber (Wien)

Kollaborationen und Netzwerke zwischen Organisationen haben in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen, insbesondere im Bereich der Forschung und Entwicklung (F&E). Dies hängt einerseits mit neuen technologischen Herausforderungen zusammen, wie beispielsweise der zunehmenden Komplexität des Innovationsprozesses oder konvergierenden Technologien, anderseits mit stetig variierenden wirtschaftlichen Rahmen- und Nachfragebedingungen in einer globalisierten Ökonomie. Die zielgerichtete und effiziente Integration von externen Wissensressourcen in den eigenen Innovationsprozess ist daher heute, insbesondere für Unternehmen, ein zentraler Moment, um in dieser globalisierten Welt mit sich rasch verändernden wissenschaftlich-technologischen Entwicklungen im Innovationswettbewerb bestehen zu können. Die Partizipation in Netzwerken bietet Organisationen die Möglichkeit, schneller und effizienter auf solche externen Wissensressourcen zuzugreifen und in den Innovationsprozess zu integrieren, als diese etwa über den Markt zu erwerben. Vor diesem Hintergrund rückte in den letzten Jahren die Erforschung von F&E Netzwerken nicht nur in den Mittelpunkt des wissenschaftlichen Erkenntnisinteresses, auch für Politikgestalter auf verschiedenen Ebenen ist dieses Thema für die Gestaltung effizienter Forschungs- und Technologiepolitiken von essentieller Bedeutung. Auf europäischer Ebene manifestiert sich dieser Trend mit der Einführung der Rahmenprogramme (RP) für Forschungs- und Technologieentwicklung, die als zentrales Instrument der europäischen Technologiepolitik kollaborativer F&E Aktivitäten in Europa fördern und damit die Etablierung von effizienten Netzwerken stimulieren. Für die Europäische Kommission ist daher die Analyse der Netzwerke, die aus ihren technologiepolitischen Programmen resultieren, von wesentlicher Bedeutung für die strategische Ausrichtung zukünftiger Programme, für die Beobachtung des europäischen Forschungsraums sowie für die Abschätzung der Auswirkung dieser Netzwerkstrukturen auf das Innovationsverhalten der teilnehmenden Organisationen. Aus wissenschaftlicher Perspektive erfordert die Analyse solcher F&E Kollaborationsnetzwerke in den europäischen Rahmenprogrammen einen interdisziplinären Zugang. Daher wurde das ZiF als geeignete Plattform für die Durchführung dieser AG gewählt. Im Zentrum der Betrachtung der AG stand die Diskussion neu entwickelter interdisziplinärer Ansätze an der Schnittstelle zwischen Sozial-, Natur- und Formalwissenschaften zur Evaluierung dieser Netzwerke mithilfe neu entwickelter Modelle und empirischer Analysemethoden. Es wurden neue Methoden zur empirischen Analyse der F&E Kollaborationsnetzwerke präsentiert, wie etwa die Identifikation von relevanten Communities in diesen Netzwerken oder die Anwendung von Methoden der räumlichen Interaktionsmodellierung zur Abschätzung von Determinanten der beobachteten Kollaborationsmuster. Zur Identifikation von Communities in Netzwerken wurde beispielsweise von Ludwig Streit ein neu entwickeltes Software tool (NetzCope) präsentiert. Die Ergebnisse der empirischen Analyse der europäischen Kollaborationsnetzwerke wurden in der Gestaltung eines agentenbasierten Simulationsmodells berücksichtigt, welches den gesamten Prozess, beginnend bei der Netzwerkbildung (beispielsweise Partnerwahl) bis hin zur Entstehung bestimmter Netzwerkstrukturen zu modellieren versucht. Diese Simulationsmodelle können insbesondere aus politischer Perspektive für die Steuerung solcher Netzwerke eine wichtige Rolle spielen. Abgeschlossen wurde die ZiF AG mit einer Synthese der erarbeiteten Ergebnisse in einer Präsentation von Matthias Weber, begleitet von einer Diskussion aller Teilnehmer hinsichtlich der Verwertbarkeit der neuen empirischen Ergebnisse, aber auch der entwickelten und Instrumente und Modelle für die europäische Forschungs- und Technologiepolitik. Zudem wurden in Arbeitsgruppen potentielle zukünftiger Pfade in der Netzwerkforschung erarbeitet und im Plenum präsentiert.



Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Michael Barber (Wien), Georgios Chorafakis (Brüssel), Robin Cowan (Maastricht), Herbert Dawid (Bielefeld), Sascha Delitzscher (Bielefeld), Barbara Heller-Schuhl (Wien), Luisa Henriques (Sevilla), Jarno Hoekman (Utrecht), Nicolas Jonard (Luxemburg), Manuela Korber (Wien), Andreas Krüger (Bielefeld), Tyll Krüger (Bielefeld), José Fernando Mendes (Aveiro), Terhi Nokkala (Surrey), Manfred Paier (Wien), Alois Panholzer (Wien), Lorenzo Pirelli (Dublin), Andreas Pyka (Stuttgart), Bulat Sanditov (Maastricht), Thomas Scherngell (Wien), Ramon Scholz (Bremen), Rainer Siegmund-Schultze (Bielefeld), Oleg Strogan (Funchal), Giuseppe Veltri (Sevilla), Dimitry Volchenkov (Bielefeld), Nicholas S. Vonortas (Washington, DC)



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