Zentrum für interdisziplinäre Forschung
 
 

Ambivalenzen der Opferzuwendung des Strafrechts

Termin: 14. – 15. September 2011

Leitung: Stephan Barton (Bielefeld), Ralf Kölbel (Bielefeld)

Wie in beinahe der gesamten westlichen Welt wurde das Strafrecht während des vergangenen Vierteljahrhunderts auch in Deutschland umstrukturiert, um Verbrechensopfer besser vor Straftaten und deren Folgen zu schützen. Dieses Programm ist prima vista plausibel und scheint einer angemessenen wohlfahrtsstaatlichen Programmatik zu entsprechen. Dennoch wird es aus einer kritischen Warte als ein scheinlegitimatorisches Unternehmen gedeutet. Nicht selten diene der Opferschutz der Rechtfertigung eines punitive turns, solle also für die Akzeptanz eines restriktiveren Strafrechts sorgen. Die Arbeitgemeinschaft hat die Berechtigung beider Sichtweisen erwogen und anhand einer juristischen und empirischen Bestandsaufnahme geprüft. Dabei kamen Wissenschaftler verschiedener Disziplinen, aber auch Praktiker aus Justiz und Anwaltschaft zu Wort. In der überaus kontroversen, durchweg aber als ausgesprochen fruchtbar wahrgenommenen Diskussion wurden einerseits konkrete Notwendigkeiten aufgezeigt, Opferhilfsangebote zu erweitern, die Sensibilität für Opferbedürfnisse zu steigern sowie die Opferbelastungen durch straf- und prozessrechtliche Umgestaltungen weiter zu reduzieren. Die bisherigen Opferrechtsreformen blieben nämlich allzu häufig nur law in the books. Auf der anderen Seite wurde aber auch eine Überfokussierung auf die Opfer ausgemacht, die zu einer viktimären Gesellschaft, zumindest aber zu ungewollten Prozessstrukturen führe. Es drohten die Vernachlässigung berechtigter Verteidigungsbelange und ein notorischer Konflikt mit der Unschuldsvermutung. Einigkeit bestand zumindest darin, dass im Hinblick auf anstehende rechtspolitische Projekte ein Mehr an paternalistischer Fürsorge vermieden werden müsse, da damit auch den Opfern wenig gedient sei.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Maren Adler (Bielefeld), Tiemo Augenstein (Bielefeld), Thorsten Berenbrink (Bielefeld), Angelika Benteler (Bad Lippspringe), Jennifer Berg (Bielefeld), Barbara Blum (Bielefeld), Detlev Otto Binder (Bielefeld), Stefanie Bock (Göttingen), Margarete Bökenkamp (Herford), Lena Bork (Bielefeld), Bernd Dimmek (Herne), Julia Dräger (Bielefeld), Carsten Ernst (Bielefeld), Lutz Eisel (Bochum), Karl Engels (Essen), Ruth Maria Fischer (Bremen), Sandra Fischer (Bielefeld), Thomas Fischer (Karlsruhe), Susanne Folkers (Bochum), Madeleine Freund (Bielefeld), Gisela Friedrichsen (Hamburg), Thomas Görgen (Münster), Werner Greve (Hildesheim), Andrea Groß-Bölting (Wuppertal), Frank Hatlé (Köln), Nico Herold (Bielefeld), Carl W. Heydenreich (Bonn), Matthias Hinghaus (Bielefeld), Kerstin Höltkemeyer-Schwick (Detmold), Silke Hüls (Bielefeld), Henning Jansen (Bielefeld), Fritz Jost (Bielefeld), Julia Juuls (Bielefeld), Onni Kipp (Bielefeld), Christa Kleinehagenbrock (Bielefeld), Alexander Klemme (Bielefeld), Stefan König (Berlin), Thomas König (Bielefeld), Reinhard Kollmeyer (Bielefeld), Ulrich Kraft (Bielefeld), Barbara Krahé (Potsdam), Guido Kröger (Berlin), Perdita Kröger (Berlin), Petra Ladenburger (Köln), Michael Lindemann (Düsseldorf), Edith Lunnebach (Köln), Andreas Maercker (Zürich), Erich Marks (Hannover), Kristina Merkel-Blumenthal (Hildesheim), Imke Möller (Bielefeld), Roswitha Möller-Piepenkötter (Mainz), Anna Catarina Müns (Bielefeld), Uwe Nelle-Cornelsen (Bielefeld), Ralf Neuhaus (Dortmund), Susanne Niemz (Wiebaden), Oliver Nißing (Bielefeld), Dagmar Oberlies (Frankfurt am Main), Heinz Offe (Bielefeld), Susanne Offe (Bielefeld), Christina Peterhanwahr (Bielefeld), Marco Plehn (Bielefeld), Christoph Podszun (Dortmund), Melanie Rosendahl (Bielefeld), Sabine Rückert (Hamburg), Wolfram Schädler (Karlsruhe), Viola Scharbius (Bielefeld), Georg Schulze (Bielefeld), Marianne Schwander (Bern), Johann Schwenn (Hamburg), Susanne Selter (Bielefeld), Heike Stark (Berlin), Wiebke Steffen (Heiligenberg), Wolfram Strauch (Aachen), Jochen Strauß (Düsseldorf), Torge Sulkiewicz (Bielefeld), Bettina Tanner (Luzern), Jochen Thielmann (Wuppertal), Oliver Tolmein (Hamburg), Bernhard Villmow (Hamburg), Jan Martin Vogt (Bielefeld), Renate Volbert (Berlin), Ulrike von Schnakenburg (Bielefeld), Johann Wegener (Bielefeld), Thomas Weigend (Köln), Bernhard Weiner (Meppen), Georg Zimmermann (Bielefeld)



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