Zentrum für interdisziplinäre Forschung
 
 

Robotik und Gesetzgebung

Termin: 7. - 9. Mai 2012

Leitung: Eric Hilgendorf (Würzburg)

Der technologische Fortschritt im Bereich der Robotik geht zügig voran. Während in der Vergangenheit gerade im industriellen Bereich Automatisierungsprozesse zum Einsatz kamen, weitet sich das Anwendungsgebiet zunehmend aus. Praktisch bedeutsam ist vor allem der Einsatz der Geräte im Haushalt und in der Medizin. Neben dem Anwendungsgebiet verändert sich auch der Charakter der Geräte: Abhängig von einer immer besser werdenden sensorischen Wahrnehmung der Roboter werden die Entscheidungsprozesse komplexer und weniger intuitiv vorhersehbar, und damit letztlich immer "autonomer".
Die vielfältigen Anwendungsgebiete und der zunehmend vielschichtig werdende Charakter der Geräte bedingen eine enorme Bandbreite an juristischen Fragestellungen. Das Recht ist derzeit nicht hinreichend auf die neuen Herausforderungen, die sich im Bereich der Robotik stellen, vorbereitet. Es existieren sowohl im Strafrecht als auch im Bürgerlichen Recht und in einigen Spezialgesetzen durchaus Normen, die auch auf durch Roboter verursachte Schäden anwendbar sind. Die technologische Entwicklung wirft jedoch Fragen auf, die auf der Grundlage der bisherigen dogmatischen Festlegungen nicht ohne weiteres zu beantworten sind.

Die eingehende Auseinandersetzung mit den aufgeworfenen Fragen setzt zunächst eine detaillierte Problemanalyse voraus. Weiterhin müssen die moralischen und politischen Folgen in die Bewertung der Entwicklung einbezogen werden, um so die derzeitigen Gesetze adäquat anwenden, bewerten und die möglichen Neuregelungen mit Inhalt füllen zu können. Hier ist, wie in vielen anderen modernen Gesellschaftsbereichen auch, eine enge Zusammenarbeit mit der Philosophie, insbesondere der angewandten Ethik, erforderlich. Auch soziologische und politikwissenschaftliche Erkenntnisse sind einzubeziehen.
Um der Vielgestaltigkeit des Themas die notwendige Beachtung zu schenken, wurde am Zentrum für interdisziplinäre Forschung, Bielefeld eine interdisziplinäre Arbeitsgemeinschaft durchgeführt. In einem intensiv geführten Dialog mit Wissenschaftlern aus Technik, Ethik, Philosophie und Soziologie sowie Praktikern aus dem Bereich Herstellung, Zulieferung und Benutzung wurde über Möglichkeiten und Probleme der Anwendbarkeit des derzeitigen Rechts diskutiert und die Erforderlichkeit sowie die konkrete Ausgestaltung einer Neuregelung erörtert.

Thematisch hat sich die Veranstaltung in drei Blöcke untergliedert. Zunächst wurde die Robotik aus gesellschaftlicher Perspektive betrachtet. Hierbei spielten nicht nur soziologische Aspekte der Wahrnehmung von Robotik in der Gesellschaft, sondern auch wirtschaftliche Chancen und Risiken in diesem Sektor sowie die öffentliche Diskussion der Robotik in den Medien eine wichtige Rolle. Im Rahmen des zweiten Teils wurde die derzeitige Gesetzeslage in den Fokus gesetzt. Dabei wurden konkrete Probleme für den Benutzer, den Hersteller, den Zulieferer oder den Forscher herausgearbeitet und Lösungsansätze diskutiert. Im Anschluss wurden die Erkenntnisse aus den vorherigen Teilen zusammengeführt und erörtert, in welcher Art und Weise ein "Roboterrecht" geschaffen werden könnte. Dabei fanden insbesondere die gesellschaftlichen und ethischen Aspekte Berücksichtigung, um Neuregelungen zu schaffen, die in der Gesellschaft akzeptanzfähig sind.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Anita Adamczyk | Bielefeld | DEU, Susanne Beck | Würzburg | DEU, Christian Becker-Asano | Freiburg i.Br. | DEU, J. Wolfgang Berendt | Werther | DEU, Dieter Birnbacher | Düsseldorf | DEU, Lisa Blechschmitt | Würzburg | DEU, Elbert de Jong | Utrecht | NLD, Gregor Fitzi | Oldenburg | DEU, Tom Michael Gasser | Bergisch Gladbach | DEU, Malte Gruber | Frankfurt am Main | DEU, Jan-Philipp Günther | Würzburg | DEU, Susanne Hähnchen | Bielefeld | DEU, Roger Häußling | Aachen | DEU, Jochen Hanisch | Ingolstadt | DEU, Berthold Haustein | Würzburg | DEU, Jessica Heesen | Tübingen | DEU, Melissa Henne | Bielefeld | DEU, Theo Jacobs | Stuttgart | DEU, Jan C. Joerden | Frankfurt (Oder) | DEU, Ulrich Johnigk | Bielefeld | DEU, Ingo Kurpanek | Bielefeld | DEU, Stefan Krüger | Bielefeld | DEU, Vera Linke | Bielefeld | DEU, Severin Löffner | Würzburg | DEU, Hironori Matsuzaki | Oldenburg | DEU, Thomas Metzinger | Mainz | DEU, Bernd Müller | Stuttgart | DEU, Florian Münch | Würzburg | DEU, Michael Nagenborg | Tübingen | DEU, Johannes Pellenz | Koblenz | DEU, Jan-Ole Reichardt | Münster | DEU, Klaus Schilling | Würzburg | DEU, Marén Schorch | Bielefeld | DEU, Noel Sharkey | Sheffield | GBR, Jochen Steil | Bielefeld | DEU, Guglielmo Tamburrini | Neapel | ITA, Jutta Weber | Paderborn | DEU, Alicia Weirich | Bielefeld | DEU, Daniel Westhoff | Bergisch Gladbach | DEU, Jutta Witte | Kassel | DEU, Sascha Ziemann | Frankfurt am Main | DEU



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