Zentrum für interdisziplinäre Forschung
 
 
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ZiF-Arbeitsgemeinschaft

Weibliche Intellektuelle im 20. und 21. Jahrhundert. Gegenwartsdiagnosen und Eingreifendes Denken

Termin: 24. - 25. März 2014

Leitung: Ingrid Gilcher-Holtey (Bielefeld, GER)

Das 20. Jahrhundert ist als ‚Jahrhundert der Intellektuellen‘ bezeichnet worden. Zahlreiche Studien haben die Geschichte der Intellektuellen nachgezeichnet. Sie gleichen sich in einem Punkt: der Ausblendung von Frauen. Die Arbeitsgemeinschaft ‚Weibliche Intellektuelle im 20. Jahrhundert‘ unternahm im Zentrum für interdisziplinäre Forschung den Versuch, Frauen als Zeitdiagnostikerinnen und ‚Eingreifende Denkerinnen‘ im 20. und 21. Jahrhundert ins Zentrum der Intellektuellenforschung zu rücken. Sie ging dabei von einem Intellektuellenbegriff aus, der zwischen ‚Intelligenz‘ und ‚Intellektuellen‘ differenziert. Sie definierte ‚Intellektuelle‘ weder als Berufs-, noch als Klassen-, noch als Schichtenbezeichnung, sondern als soziale Rolle, die nur begrenzt oder situativ wahrgenommen werden kann. Zu Intellektuellen werden SchriftstellerInnen, KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen, so die an Pierre Bourdieu orientierte Prämisse, nur, „wenn (und nur wenn)“ sie „über eine spezifische Autorität“ verfügen, die ihnen eine „autonome (das heißt von religiösen, politischen, wirtschaftlichen Mächten unabhängige) Welt verleiht“, deren spezifische Gesetze sie respektieren, und „wenn (und nur wenn)“ sie „diese spezifische Autorität in politischen Auseinandersetzungen“ geltend machen1. Daraus folgt: Erst die Intervention in das politische Feld macht Mitglieder der Intelligenz zu Intellektuellen. Der Schwerpunkt der Tagung wurde daher auf Frauen gelegt, die sich durch öffentliche Stellungnahmen in die politische Arena eingemischt hatten. Überprüft wurden in ausgewählten Fallstudien zugleich gängige Typologien der Intellektuellenforschung – u.a. der Typus des ‚allgemeinen Intellektuellen‘ in der Tradition von Voltaire bis Jean Paul Sartre, des ‚spezifischen Intellektuellen‘, definiert von Foucault, sowie des ‚Bewegungsintellektuellen‘, systematisiert von Ron Eyerman. Die Fallstudien umfassten Frauen unterschiedlicher wissenschaftlicher und künstlerischer Disziplinen aus Frankreich, Italien, Deutschland, Österreich, Ungarn, der Schweiz, den USA und Kanada. Untersucht wurde u.a. das Engagement von Simone de Beauvoir und Hannah Arendt, Käthe Kollwitz, Margarete Buber-Neumann, Erika Mann, Yoko Ono, Elfriede Jelinek, Judith Butler und Naomi Klein. Problematisiert wurden die Leitwerte der Eingreifenden Denkerinnen, ihre Schreibweisen, ihre Netzwerkbildung und ihre Strategien einer kognitiven Subversion der Sicht- und Teilungskriterien der sozialen Welt. In einem öffentlichen Abendvortrag sprach Agnes Heller (Budapest) über ‚Hannah Arendts Denken‘. Die Ergebnisse der Tagung werden in einem Band im Verlag Siebeck Mohr (2015) veröffentlicht.


Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Silja Behre (Paris, FRA), Bettina Brandt (Bielefeld, GER), Steffen Bruendel (Essen, GER), Uta Gerhardt (Heidelberg, GER), Karin Hausen (Berlin, GER), Agnes Heller (Budapest, HUN), Stephan Isernhagen (Bielefeld, GER), Ilse Lenz (Bochum, GER), Dorothee Liehr (Oststeinbek, GER), Henning Marmulla (Luxemburg, LUX), Eva Oberloskamp (München, GER), Franziska Schößler (Trier, GER), Kristina Schulz (Bern, SUI), Katrin Stoll (Warschau, POL), Miriam Strube (Paderborn, GER), Brigitte Studer (Bern, SUI), Marica Tolomelli (Bologna, ITA), Ingeborg Villinger (Freiburg i.Br., GER), Annette Wolf (Berlin, GER)


1PIERRE BOURDIEU: Für einen Korporatismus des Universellen, in: ders.:Die Regeln der Kunst. Genese und Struktur des literarischen Feldes, , Frankfurt a. M. (Suhrkamp) 4 2008, S. 523-535, hier S. 524.

Foto auf dem Plakat: Fred W. McDarrah/Portrait of Susan Sontag/Getty Images



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