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ZiF-Arbeitsgemeinschaft

Väter in Arbeitsorganisationen: Ungleichheiten und Möglichkeiten, Rationalitäten und Politik

Termin: 12. - 14. März 2015

Leitung: Mechtild Oechsle (Bielefeld, GER) und Brigitte Liebig (Olten, SUI)

Viele Väter können und wollen sich nicht mehr ausschließlich über ihre Rolle als Familienernährer definieren; sie möchten auch Erzieher ihrer Kinder sein, und sie lehnen eine geschlechtsspezifische Arbeitsteilung in der Familie ab. Dennoch entspricht das Leitbild des involvierten Vaters, so attraktiv es häufig ist, keineswegs der gelebten Realität. Zwei Drittel aller Väter nehmen überhaupt keine Elternzeit, ihre Arbeitszeiten sind nach der Familiengründung im Durchschnitt länger als vorher, und Teilzeit ist nur für eine Minderheit überhaupt eine Option. Die Erklärungen für diesen Widerspruch zwischen culture and conduct of fatherhood (La Rossa) sind vielfältig. So etwa sind Geschlechternormen weiterhin wirksam, und die Institutionen hinken in ihrer Praxis den gewandelten Leitbildern von Vaterschaft hinterher. Auch der Arbeitsmarkt ist von der Gleichstellung der Geschlechter noch weit entfernt, und Unternehmen sind ihrerseits daran beteiligt, aktive Vaterschaft zu erschweren, wenn sie als greedy organizations (Coser 1974) mit ausgreifenden Ansprüchen an die Verfügbarkeit und Anwesenheit ihrer Mitarbeiter auftreten. Die internationale ZiF-Arbeitsgemeinschaft Fathers in Work Organizations: Inequalities and Capabilities, Rationalities and Politics befasste sich mit der Rolle, die Arbeitsorganisationen bei der Verwirklichung aktiver Vaterschaft spielen. Ausgangspunkt war die Frage, inwiefern organisationale Strukturen, Entscheidungen und Prozesse in ihren Verschränkungen mit normativen Auffassungen von Geschlecht, Karriere, Arbeit und Leistung heute dazu beitragen, dass formale Gleichheitsansprüche nicht gelebt werden können. Aus verschiedenen disziplinären Perspektiven (Soziologie, Psychologie, Wirtschaftswissenschaften, Politikwissenschaften und Gender Studies) wurde dieses Problem auf dem Workshop analysiert. Strukturelle und kulturelle Hindernisse sowie der Einfluss relevanter Akteure in Organisationen, aber auch Handlungsspielräume von Vätern und der Einfluss von organisationalen Politiken und Programmen wurden beleuchtet. Die Ausgangsfrage der Tagung nach Barrieren und Ungleichheiten, aber auch nach Verwirklichungschancen und Veränderungsprozessen in Organisationen wurde in vier aufeinander folgenden Panels diskutiert. Panel I fokussierte auf theoretische Konzepte und methodische Herausforderungen bei der Analyse des Einflusses von Organisationen auf väterliche Lebensführung. Diskutiert wurden das Konzept der relationalen Ungleichheit in Organisationen (Tomaskovic-Devey) und der Capability Approach (Hobson) in ihrer Relevanz für das Konferenzthema. Panel II rückte die alltägliche Lebensführung und damit verbundene Identitäten, Praktiken und Handlungsstrategien von Vätern, ihre Wahrnehmungen und Deutungen und mit diesen zusammenhängende Männlichkeitskonstruktionen in den Blick. In Panel III wurden Organisationskulturen und Rationalitäten in ihrem Einfluss auf die Verwirklichungschancen von Vätern analysiert und nach relevanten Akteuren in Organisationen gefragt. Panel IV analysierte Politiken und Programme im Hinblick auf Vaterschaft und fragte nach dem Einfluss von institutionellen Regulierungen (z.B. durch Familienpolitik) sowie von betrieblichen und außerbetrieblichen Akteuren, z.B. Väterinitiativen, und ihren Aushandlungsprozessen im Handlungsfeld von Politik und Organisationen. Die Fragestellungen der Tagung wurden von mehr als 80 Teilnehmer_innen und Sprecher_innen aus 14 Ländern (darunter USA, Japan, Großbritannien, Norwegen, Deutschland, Italien, Schweiz) und mit unterschiedlichen disziplinären Hintergründen intensiv diskutiert. Von besonderem Interesse waren zum einen die länderspezifischen Differenzen in den institutionellen Kontexten und ihr Einfluss auf organisationsinterne Prozesse der Ermöglichung bzw. Verhinderung von aktiver Vaterschaft. In den verschiedenen Vorträgen wurde zum anderen deutlich, dass es, jenseits der Differenzen in den wohlfahrtsstaatlichen Regulierungen von Elternschaft bzw. Vaterschaft, auch organisationsspezifische sowie globale kulturelle Einflussfaktoren gibt, die eine aktivere Beteiligung von Vätern am alltäglichen Familienleben beeinflussen. Deutlich wurde auch, dass bei der Frage nach dem Einfluss von Organisationen auf väterliche Verwirklichungschancen das komplexe Zusammenspiel verschiedener Ebenen in den Blick genommen werden muss. Gerade die Interdependenzen von institutionellen Politiken, privater Lebensführung und Organisationshandeln führen dazu, dass aktive Vaterschaft entweder gelebt werden kann oder nicht.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Simone Artho (Bern, SUI), Claudia Balan (Neuss, GER), Sandra Beaufays (Bielefeld, GER), Renate Bernhard (Solingen, GER), Mary Blair-Loy (La Jolla, USA), Julia Böcker (Bielefeld, GER), Christina Boll (Hamburg, GER), Berit Brandth (Trondheim, NOR), Miriam Bröckel (Bielefeld, GER), David Brodesser (Köln, GER), Maddalena Cannito (Turin, ITA), Isabelle Clerc (Bern, SUI), Laura den Dulk (Rotterdam, NED), Thomas Enns (Göttingen, GER), Walter Erhart (Bielefeld, GER), Esther Geister (Rostock, GER), Thomas Gersterkamp (Köln, GER), Nikolett Geszler (Budapest, HUN), Katy Graley (Hull, GBR), Marc Grau i Grau (Barcelona, ESP), Julia Gruhlich (Paderborn, GER), Sigtona Halrynjo (Oslo, NOR), Henning Heddendorp (Münster, GER), Barbara Hobson (Stockholm, SWE), Lisa Horvath (München, GER), Stephan Höyng (Berlin, GER), Živa Humer (Ljubljana, SLO), Julia Kammann (Bielefeld, GER), Zoheb Khan (Utrecht, NED), Florian Kohlbacher (Suzhou, CHN), Tomke König (Bielefeld, GER), Dennis Köthemann (Osnabrück, GER), Maria Anna Kreienbaum (Wuppertal, GER), Fiona Kunz (München, GER), Elin Kvande (Trondheim, NOR), Stefanie Leinfellner (Paderborn, GER), Ria Lissinna (Bielefeld, GER), Therese Alma Ljubov Möller (Berlin, GER), Hana Mařiková (Prag, CZE), Marlies Mayrhofer (München, GER), Michael Meuser (Dortmund, GER), Hannah Mietke (Bielefeld, GER), Ralitsa Mihova (Bielefeld, GER), Jessica Moran (Edinburgh, GBR), Dagmar Müller (München, GER), Annalisa Murgia (Trient, ITA), Hans-Georg Nelles (Düsseldorf, GER), Margaret O'Brien (London, GBR), Martina Peitz (Olten, SUI), Grit Petschick (Berlin, GER), Almut Peukert (Tübingen, GER), Barbara Poggio (Trient, ITA), Johanna Possinger (München, GER), Mirjam Priemer (Bielefeld, GER), Henrik Pruisken (Bielefeld, GER), Thordis Reimer (Hamburg, GER), Corinna Schein (Münster, GER), Eva-Maria Schmidt (Wien, AUT), David Soumangé (Aachen, GER), Julia Steinhausen (Paderborn, GER), Bianca Stumbitz (London, GBR), Barbara Tomaskovic-Devey (Amherst, USA), Isabel Valarino (Lausanne, SUI), Annette von Alemann (Bielefeld, GER), Kristina Walden (Marburg, GER), Lena Weber (Paderborn, GER), Kerstin Weißenstein (Bielefeld, GER), Tobias Westphal (Berlin, GER), Eva Winkelmann (Bielefeld, GER), Sebastian Winter (Bielefeld, GER), Mara Yerkes (Utrecht, NED)



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