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ZiF-Arbeitsgemeinschaft

Exploring Future Directions of Gerd Gigerenzer's Scholarly Contributions

Autorenkolloquium mit Gerd Gigerenzer

Termin: 23. - 25. März 2017

Leitung: Shabnam Mousavi (Washington, USA / Berlin, GER)


Zusammenfassung der Runden Tische über

In der Diskussion, welche Bedeutung die Unterscheidung Risiko vs. Unsicherheit hat, wurde deutlich, dass die klassische Ökonomie diese nicht wirklich wahrnimmt und dass Ökonomen die Bezeichnung Ambiguität anstelle von Unsicherheit bevorzugen. Ökonomen tendieren dazu, bestimmte Phänomene der Risikoeinstellung einer Person zuzuschreiben - andererseits lässt sich niemals genau sagen, ob einem bestimmten Verhalten Risiko oder Unsicherheit zugrunde lag. Ein wichtiger Impuls für diese Diskussion kam von der Annahme, dass stets untersucht werden kann, ob ein bestimmtes Verhalten durch natürliche Selektion hervorgebracht wurde: da die Evolution uns an Situationen anpasst, die es schon einmal gab, existiert wahrscheinlich ein gewisser generalisierender Mechanismus in Organismen. Dies wiederum legt es nahe, dass die Evolution uns an Risiko, nicht aber an Unsicherheit anpassen kann. D.h. meistens befinden wir uns auf dem Gebiet der Unsicherheit, doch die meisten Theorien thematisieren entweder das Gebiet der Logik und der Sicherheit oder das Gebiet des Risikos. Ein Fazit der Diskussion war schließlich, dass die Wissenschaft davon profitieren würde, verschiedene Arten von Unsicherheit zu betrachten, etwa die Meta-Unsicherheiten, die aus sich verändernden Verteilungen resultieren.

Die Diskussion über Auffassungen von Rationalität begann mit der Beobachtung, dass die Öffentlichkeit sich stark für die Frage interessiert, ob Menschen rational sind, während die Psychologie noch keine Definition für rationale Kognition kennt. So sind die üblichen Testverfahren für Rationalität eher künstlich, und die Annahme, wonach menschliches Verhalten uns etwas über das System verrät, ist deshalb kritisch zu sehen. Ähnlich unzureichend erschien uns eine experimentelle Methodik, die gänzlich auf Entscheidungen basiert und Lernverhalten außer Acht lässt; scheinbare Verletzungen logischer Regeln sind oftmals Ausdruck sozialer Normen oder ökologischer Rationalität - schließlich entwickelte Kognition sich in einer bestimmten Umwelt mit spezifischen Eigenschaften, welche in Experimenten nicht simuliert werden können. Denkbar ist demnach, dass das Konzept der Rationalität Menschen in erster Linie als Annäherung an ein Messinstrument für funktionalen Erfolg in der Welt dient.

Die Diskussion über Heuristiken war geprägt von der Frage, wie wir von Modellen menschlicher Entscheidungsfindung profitieren und ob solche Modelle auf wissenschaftlicher Intuition gründen oder eher aus verschiedenen individuellen Bausteinen bestehen sollten. Ähnlich wie beim Thema Rationalität wurde auch bei Heuristiken deutlich, dass Lernverhalten eine wichtige Komponente darstellt - die Pfadabhängigkeit von sozialen Situationen und deren sozialer Kontext sollten stärker beachtet werden.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Kenneth Binmore (London, GBR), Jean Czerlinski Whitmore (Chicago, USA), Alexander Djamali (Berlin, GER), Susann Fiedler (Bonn, GER), Gerd Gigerenzer (Berlin, GER), Daniel Goldstein (New York, USA), Linda Heimisch (Berlin, GER), Ralph Hertwig (Berlin, GER), John McNamara (Bristol, GBR), Hansjörg Neth (Konstanz, GER), Paul Robinson (London, GBR), Geeske Scholz (Osnabrück, GER), Shyam Sunder (New Haven, USA), Nassim Nicholas Taleb (Port Jefferson, USA), Martine Varda (Düsseldorf, GER)



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