ZiF-Arbeitsgemeinschaft

Anreiz, Kosten und Erkenntnisqualität: Wissenschaftsökonomie im Spannungsfeld von Ressourcenknappheit und epistemischer Ambition

Termin: 16. - 18. November 2017
Leitung: Martin Carrier (Bielefeld, GER), Rolf König (Bielefeld, GER)

Ziel der Konferenz war die Untersuchung der Wechselwirkungen zwischen ökonomischen Anreizen, institutionellen Merkmalen und Erkenntniszielen der Wissenschaft. Dazu wurden Wissenschaftsökonomie, -soziologie und -philosophie zusammengebracht und im Besonderen die Beziehungen zwischen den gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen Wissenschaft operiert, und der Beschaffenheit oder dem Inhalt des produzierten Wissens herausgearbeitet. Im Vordergrund standen zum einen die Anreizstruktur der wissenschaftlichen Gemeinschaft und ihre Auswirkungen auf den Forschungsprozess sowie zum anderen der Einfluss von gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Forderungen, die an die Forschung herangetragen werden, auf die Forschungsergebnisse. Der innovative Charakter der Konferenz lag in dem Bestreben, die Wechselbeziehungen zwischen den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen auf der einen Seite und dem kognitiven Inhalt des gewonnenen Wissens und den zugehörigen Bestätigungsverfahren auf der anderen nachzuspüren.

Die Beiträge verteilten sich auf vier Themenblöcke:

  • Governance und Organisation von Hochschulen
  • Ökonomisierung und Kommerzialisierung der Forschung
  • Anreizstrukturen in der Wissenschaftlichen Gemeinschaft
  • Innovationsstrategien

Im ersten Teil standen strukturelle Merkmale der Wissenschaftsorganisation im Mittelpunkt. Hier wurden insbesondere die Bedeutung der Hochschulfinanzierung sowie deren zunehmende Abhängigkeit von Indikator-gestützten Rankings analysiert und das Leitbild der unternehmerischen Universität kritisch hinterfragt.

Im zweiten und dritten Teil ging es um die Auswirkungen ökonomischer Anreize auf die Beschaffenheit der universitären Forschung und die mit dieser verbundenen Erkenntnismerkmale. Individuelle Leistungen von Wissenschaftlern an Universitäten werden detailliert bewertet (akademischer Kapitalismus). Die Verschiebung im deutschen Wissenschaftssystem von der Grundfinanzierung der Hochschulen zu kompetitiv eingeworbenen und entsprechend eher kurzfristigen und schwankenden Forschungsmitteln erweist sich als kennzeichnend für diese Ökonomisierung. Die Bewertung von Forschungsleistungen hat starken Einfluss auf die Forschungsausstattung und das Einkommen, erfolgt aber nach Maßstäben, die in ihrer Aussagekraft höchst strittig ist. Kontrovers diskutiert wurde, welche Folgen der Druck zur Einwerbung von Forschungsmitteln auf die Gestalt der Forschungsagenda hat, insbesondere ob eine Angleichung der universitären Forschung an private Industrieforschung zu identifizieren ist. Beobachtungen einer solchen Angleichung standen andere Beobachtungen einer stärkeren Resilienz des Wissenschaftssystems gegenüber.

Im Themenblock der Innovationsstrategien ging es um die Auswirkungen von anwendungsorientierten Heuristiken, Patenten und wettbewerblichen Bedingungen auf wirtschaftlich verwertbare Neuerungen in der Wissenschaft, deren Umsetzung in Innovationen und deren Folgen in der Wirtschaft. Dass Innovationen eine Voraussetzung für das wirtschaftliche Wachstum von Volkswirtschaften bilden, steht außer Zweifel. Strittig ist dagegen die Bedeutung wissenschaftlichen Fortschritts für die Innovationsfähigkeit und -tätigkeit. In diesem Zusammenhang wurde auch das Verhältniss von öffentlich zu privat finanzierter Forschung analysiert sowie die Frage erörtert, ob die Beziehung zwischen beiden Forschungstypen substitutionaler oder komplementärer Art ist. Damit war das Bedenken verbunden, dass Wissenschaft für die Lösung ökonomischer Probleme instrumentalisiert werden könnte.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Max Albert (Gießen, GER), Sabrina Backs (Bielefeld, GER), Guido Bünstorf (Kassel, GER), Reinhold Decker (Bielefeld, GER), Minea Gartzlaff (Bielefeld, GER), Jochen Gläser (Berlin, GER), David Hopf (Hannover, GER), Christoph Hubig (Darmstadt, GER), Georg Krücken (Kassel, GER), Christoph Lütge (München, GER), Cornelis Menke (Bielefeld, GER), Talha Minhas (Bielefeld, GER), Margit Osterloh (Zürich, SUI), Hans Radder (Amsterdam, NED), Sebastian Reiche (Bielefeld, GER), Roel Visser (Bielefeld, GER), Berthold U. Wigger (Karlsruhe, GER), Valérie Christin Wittek (Bielefeld, GER)

Tagungsprogramm
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