ZiF-Arbeitsgemeinschaft
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Das Babel-Projekt I - Epistemische Funktionen von Metaphern im wissenschaftlichen Erkenntnisprozess


Termin: 4. - 5. Mai 2018
Leitung: Christa Finkenwirth (Zürich, SUI), Nikola Kompa (Osnabrück, GER)

Metaphern sind essentiell für den wissenschaftlichen Forschungsprozess, da sich die Erschließung neuer Erkenntnisse und Theorien oft über die Einführung neuen Vokabulars und spezifischer Fachbegriffe vollzieht. Durch die Anlehnung an einen bereits gut bekannten Quellbereich wird eine speziell geartete Vorstellung eines neuen (abstrakteren) Zielbereichs oder Konzeptes vermittelt. Metaphern erhalten also eine große Bedeutung für die Neukonstruktion und Artikulation von Theorien und Begriffen, da sie es ermöglichen, »neue theoretische Terminologie einzuführen, wo es vorher keine gab« (theory-constitutive metaphors). In dieser Weise erfüllen die sprachlich randständigen Metaphern auch epistemische – also Wissensvermittelnde – Funktionen. In unserem Workshop interessierte uns besonders, inwiefern durch den Einsatz von Metaphern Wissen auch gezielt – vielleicht sogar systematisch – zugänglich gemacht werden kann. Durch die Zusammenführung von Teilnehmern aus den Natur- und Geisteswissenschaften strebten wir einen besonders lebendigen, interdisziplinären Austausch an. Zur Schaffung einer gemeinsamen Diskussionsgrundlage standen zunächst folgende Fragen im Vordergrund: 1) Wie können Metaphern in Abgrenzung zu Analogie und Allegorie definiert werden? 2) Besitzen Metaphern epistemische Funktionen und Qualitätskriterien? 3) Ist ein systematischer Einsatz von Metaphern in der Erschließung neuen Wissens denkbar? Im zweiten Workshop-Teil wurde der Versuch unternommen, die strukturgebende Funktion von Metaphern zielgerichtet zur Lösung spezifischer fachübergreifender Fragestellungen anzuwenden.

Als Kernelement einer Definition der Metapher sehen wir einen mehrstufigen (metaphorischen) Prozess, der eine Transferleistung bzw. eine Übersetzung von einem Notationssystem in ein anderes beinhaltet. Eine mögliche Abgrenzung zur Analogie wäre dabei, dass die Metapher eher eine explorative, heuristische Funktion ausübt, indem sie strukturelle Ähnlichkeiten zwischen zwei relativ weit voneinander entfernt liegenden Bereichen aufdeckt oder entdeckt (far-domain transfer). In der Transferleistung würde also ein (strukturelles) Werkzeug des Quellbereiches auf den Zielbereich angewandt. Im Gegensatz dazu mag die Analogie mehr als eine Erweiterung vorhandener Kategorien dienen, die durch eine relativ nahe Anlehnung an die ursprüngliche Domäne strukturelle Ähnlichkeiten eher erfindet als sie neu aufzudecken (near-domain transfer). Hier kommen jedoch die Fragen auf, ob mit der Metapher immer auch ein Modell oder eine Abstraktion übertragen wird und wie man die spezifischen Struktureigenschaften ausfindig machen kann. Die epistemische Funktion der Metapher könnte unserer Ansicht nach darin bestehen, dass sie, z.B. durch die Einführung einer neuen hypothetischen Entität wie der »dunklen Materie«, einen Sachverhalt neu vorhersagt und erklärt. Gemäß ihrer heuristischen Funktion regt die Metapher so dazu an, bestimmte Eigenschaften des Sachverhaltes neu zu erforschen, wobei es potentiell auch zu einer Neubeschreibung der Wirklichkeit kommen kann. Bei dem Versuch, Metaphern systematisch zur Neubeschreibung eines bestehenden Problems einzusetzen, suchten die Teilnehmer neue metaphorische Begriffe für eigene Forschungsfragen (»Was ist die Natur des menschlichen Geistes?«) oder frei gewählte Entitäten (»Was ist Facebook?«). Ziel war hier die neu beschreibenden Metaphern in ihrer Qualität der Transferleistung und der epistemischen Funktion voneinander abzugrenzen. Dieser Versuch stellte sich allerdings als relativ schwierig heraus. Eine Fortführung in einem direkten experimentellen/wissenschaftlichen Bezug wäre hier vermutlich fruchtbarer und wirkungsvoller.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Benjamin Angerer (Osnabrück, GER), Aura Heydenreich (Erlangen, GER), Meinard Kuhlmann (Mainz, GER), Klaus Mecke (Erlangen, GER), Jutta Müller (Osnabrück, GER), Alexander Salle (Osnabrück, GER), Peter-Maximilian Schmidt (Zürich, SUI), Ursula Seeger (Berlin, GER)

Organisatorische Fragen beantwortet Marina Hoffmann im Tagungsbüro. Bei inhaltlichen Fragen wenden Sie sich bitte direkt an die Veranstaltungsleitung.


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