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ZiF-Forschungsgruppe

Normative Aspekte von Public Health

Oktober 2013 - März 2014

Leitung: Stefan Huster (Bochum, GER), Thomas Schramme (Hamburg, GER)

Die Forschungsgruppe "Normative Aspekte von Public Health" hat ihr Projekt am ZiF mit der internationalen Abschlusskonferenz Public Health Theory and Practice: Expanding the Normative Framework abgeschlossen. Wie bereits bei der Eröffnungstagung wurde auch der Abschlusstagung der Forschungsgruppe eine öffentliche Podiumsdiskussion vorangestellt, um den Dialog von Wissenschaft und Politik zu befördern. Die Veranstaltung trug den Titel "Präventionspolitik in Deutschland - Stand und Perspektiven". Als Keynote-Speaker konnte Rainer Hess gewonnen werden, der auf Erfahrungen aus einer 15-jährigen Tätigkeit als Hauptgeschäftsführer der Kassenärztlichen Bundesvereinigung sowie seine langjährige Funktion als Unparteiischer Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses zurückgreifen kann und als Vorsitzender der Plattform "gesundheitsziele.de" an der Weiterentwicklung der deutschen Präventionspolitik maßgeblich beteiligt ist. Hess stellte in seinem Vortrag die unterschiedlichen politischen Aktivitäten vor und wies insbesondere auf die offene Frage hin, ob die Krankheitsprävention eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe darstellt oder an die Krankenkassen delegiert werden kann. Die anschließende Podiumsdiskussion beleuchtete Grund und Grenzen der staatlichen Sorge um die Gesundheit der Bürger. An ihr nahmen die ehemalige Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer, Urban Wiesing, Direktor des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin der Eberhard Karls Universität Tübingen und ehemaliger Vorsitzender der Zentralen Ethikkommission der Bundesärztekammer, und Stefan Huster als einer der beiden Leiter der Forschungsgruppe teil. Moderiert wurde die Diskussion von Manuela Lenzen, die am ZiF und als freie Wissenschaftsjournalistin tätig ist.

Im wissenschaftlichen Teil der Tagung stand die Frage der sozialen Gesundheitsungleichheiten im Mittelpunkt, die in vier Plenarvorträgen von Daniel M. Hausman (University of Wisconsin), Alena Buyx (Universität Kiel), Sridhar Venkatapuram (King's College London) und Kristin Voigt (McGill University, Montreal) sowie einem öffentlichen Abendvortrag von Daniel Weinstock (McGill University, Montreal) mit dem Titel Health Justice after the "Social Determinants of Health Revolution" diskutiert wurde. Abschließend stellten Thomas Schramme und Stefan Huster als Leiter der Forschungsgruppe einige Thesen aus der gemeinsamen Arbeit vor. An der Abschlusstagung nahmen knapp 60 Wissenschaftler aus zehn Ländern teil, die Podiumsdiskussion wurde von etwa 70 Zuhörern besucht.


Weitere Tagungen

Die Abschlusskonferenz nahm damit das Format der Eröffnungstagung im Oktober 2013 auf, mit der die Forschungsgruppe ihre Präsenzzeit am ZiF begonnen hatte (vgl. ZiF-Mitteilungen 1/2014, S. 16-20). Nachdem diese Tagung das Feld der Public Health-Ethik generell in den Blick genommen hatte, fokussierten zwei Workshops, die im Januar und Februar 2014 stattfanden, auf die beiden Themenschwerpunkte des Projekts: Ob und inwieweit der Staat in die Freiheit der Bürger eingreifen darf, um die Gesundheit der Bevölkerung zu fördern, und ob bzw. inwieweit eine Public Health-Politik gefordert ist, um die sozialen Gesundheitsungleichheiten zu bekämpfen.


Organisation und Teilnehmer

Während ihrer Präsenzzeit hat die Forschungsgruppe einen wöchentlichen Jour Fixe veranstaltet, der - neben den zahlreichen informellen Gesprächen und Diskussionen - der gemeinsamen wissenschaftlichen Arbeit diente. Vorrangig haben hier die Mitglieder der Forschungsgruppe ihre eigenen Überlegungen vorgestellt. Daneben wurden grundlegende Texte aus den unterschiedlichen Disziplinen gemeinsam gelesen und diskutiert. Schließlich war der Jour Fixe auch das Forum, um Bielefelder und auswärtige Kolleginnen und Kollegen zu Vorträgen einzuladen. So waren Martin Diewald (Universität Bielefeld), Axel Flügel (Universität Bielefeld), Wolf Rogowski (Institut für Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen, Helmholtz Zentrum München) und Michael Wright (Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin) in diesem Rahmen Gäste der Forschungsgruppe.

Mitglieder der Forschungsgruppe waren - mit unterschiedlichen Aufenthaltszeiten am ZiF - Siegfried Geyer, Petra Kolip, Andreas Mielck, Oliver Rauprich, Oliver Razum, Volker H. Schmidt und Kristin Voigt sowie Harald T. Schmidt als assoziiertes Mitglied.

Insgesamt hat die Arbeit gezeigt, dass in dem wichtigen und komplexen Feld von Public Health eine interdisziplinäre Kooperation wichtig und erforderlich, aber auch anspruchsvoll ist. Die Forschungsgruppe hätte daher gern über die halbjährige Präsenzzeit hinaus weitergearbeitet, zumal sie recht heterogen zusammengesetzt war und unterschiedliche Wissenschaftsdisziplinen (Philosophie, Rechtswissenschaft, Gesundheitswissenschaft, Sozialwissenschaft) in sich vereinigt hat. Allen Fellows ist dafür zu danken, dass sie sich unermüdlich und geduldig bemüht haben, die Denkweise und die Einsichten ihrer jeweiligen Disziplin den anderen Mitgliedern der Gruppe zu vermitteln. Der Lerneffekt war für alle Beteiligten beträchtlich.


Ergebnisse

Für die Vorträge der Eröffnungstagung ist es gelungen, sie in einem Themenheft der renommierten Zeitschrift Public Health Ethics (Oxford University Press) zu veröffentlichen, das Anfang 2015 erscheinen wird. Es ist zudem geplant, diese Texte zusammen mit weiteren Beiträgen aus den Veranstaltungen der Forschungsgruppe in einem internationalen Sammelband zu publizieren.

Die Forschungsgruppe wird versuchen, die Ergebnisse ihrer Arbeit in einer gemeinsamen Publikation darzustellen, die spezifischer auf die deutsche Gesundheitspolitik bezogen ist. Hierzu fand bereits nach der Präsenzzeit ein Redaktionstreffen am ZiF statt, weitere Treffen sind geplant.

Darüber hinaus hat die Gruppe mit ihren Veranstaltungen dazu beigetragen, dass die Diskussion in Deutschland über die normativen Aspekte der Public Health-Politik an die internationale Debatte angeschlossen wird und ein Netzwerk der an diesen Fragen Interessierten entstanden ist. Mehrere Mitglieder der Forschungsgruppe haben inzwischen auch in öffentlichen Veranstaltungen und in den Medien über die Überlegungen und Ergebnisse des Projekts berichtet. Eine Veranstaltung mit Praktikern aus dem Bereich der Public Health ist in Kooperation mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) für das Jahr 2015 geplant.



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