Zentrum für interdisziplinäre Forschung
 
 

ZiF-Kooperationsgruppe

Sozioökonomische Modellierung

1. Juni - 30. September 2004

Leitung: Joachim Frohn (Bielefeld, GER), Bernd Meyer (Osnabrück, GER), Carsten Stahmer (Heidelberg, GER)

Ziel der Kooperationsgruppe ist es, Modellierungsansätze für die demografische Entwicklung und für das Bildungsgeschehen in Deutschland auf Möglichkeiten einer Integration in ein umfassendes makroökonometrisches Mehrgleichungsmodell zu untersuchen, mit dem Prognosen und - wichtiger noch - Simulationen unterschiedlicher sozio-ökonomischer Entwicklungsszenarien möglich sind. Als Grundmodell verwendet die Gruppe das Osnabrücker PANTA-RHEI-Modell, das neben gesamtwirtschaftlichen bereits umweltökonomische Daten enthält.
Nach zwei Vorbereitungsgesprächen am 10. Dezember 2003 und am 30. April 2004 hat die Kooperationsgruppe zum 1. Juni 2004 ihre Arbeit aufgenommen. Bis zur 'Halbzeit' des Projekts Ende Juli 2004 erweiterte sie ihre internen Arbeitstreffen an drei Terminen zu Arbeitsgesprächen mit externen Expertinnen und Experten: am 16. Juni zu Fragen demografischer Vorausberechnungen, am 7. Juli zu Bilanzierungskonzepten für das Bildungs- und Weiterbildungsgeschehen und am 21. Juli zur Modellierung des Arbeitsmarkts. Parallel hierzu wurden umfangreiche Datenbestände zur demografischen Entwicklung und zu Qualifikation und Erwerbstätigkeit nach Alter und Geschlecht, welche das Statistische Bundesamt der Kooperationsgruppe freundlicherweise zur Verfügung stellte, sowie Mikrodatensätze des Mikrozensus und des sozio-ökonomischen Panels auf ihre Eignung für die Fragestellungen der Kooperationsgruppe geprüft.
Für die demografische Entwicklung wurde unter Einbeziehung der Ansätze des Bielefelder Instituts für Bevölkerungsforschung und Sozialpolitik (IBS) und der verfügbaren Bevölkerungsdaten die Entwicklung von Fertilität, Mortalität und Migration in einem eigenen Modul modelliert, das nun die Möglichkeit schafft, die Beeinflussung der Ökonomie durch die demografische Entwicklung darzustellen. Komplexere Wechselwirkungen zwischen dem ökonomischen Teilmodell und der Demografie wurden ausführlich diskutiert. Zugleich verständigte sich die Kooperationsgruppe über Möglichkeiten, die Entwicklung von Haushaltsstrukturen künftig im Modell stärker zu berücksichtigen.
Bei der Modellierung des Bildungsbereichs stellte sich vor allem die Frage, nach welchen Qualifikationsmerkmalen Arbeitsangebot und -nachfrage zu differenzieren sind. Die Diskussion mit den Experten zeigte, dass hier für das Arbeitsangebot (z. B. nach Qualifikationsniveaus) und für die Arbeitsnachfrage (z. B. nach Tätigkeitsmerkmalen und Stellung im Beruf) unterschiedliche Lösungen in Betracht zu ziehen sind. Auch hier wurde ein einfaches Zusatzmodul zum Grundmodell erstellt, mit dem bereits Berechnungen möglich sind.
Eine Grundfrage des sozio-ökonomischen Entwicklungszusammenhangs stellt sich immer wieder neu: Wieweit lassen sich soziale Strukturen in einem makro-ökonometrischen Modell 'endogenisieren', d. h. durch das Modell selbst erklären? Dies erscheint angesichts der komplexen Wechselwirkungen zwischen verschiedenen, relativ autonomen gesellschaftlichen Teilbereichen nur teilweise aussichtsreich. Die Lösung, die sich abzeichnet, ist die Definition von 'Steuervariablen' und 'Niveauparametern', die es ermöglichen, autonome gesellschaftliche Entwicklungen anhand empirischer Verläufe, die sich in Mikrodatensätzen zeigen, oder gemäß Entwicklungsszenarien anhand aktueller gesellschaftspolitischer Diskussionen (z. B. über Nachhaltigkeitsstrategien) zu berücksichtigen.
Ergebnis der zweiten 'Halbzeit' der Kooperationsgruppe wird ein umfangreicher Projektbericht sein, der sowohl bereits programmierte erste Modellerweiterungen dokumentiert als auch ein umfangreiches Arbeitsprogramm für die Zukunft skizziert.

Beitrag zur Halbtagsgesellschaft von Carsten Strahmer(PDF-Datei, ca. 320 kB)

Rückblick auf die Gruppenarbeit von Carsten Stahmer (PDF-Datei, ca. 240 kB)

Mitglieder der Kooperationsgruppe:
Peter Bartelheimer (Göttingen), Georg Ewerhart (Altenberge), E. Jürgen Flöthmann (Bielefeld), Marc Ingo Wolter (Osnabrück)



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