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ZiF-Kooperationsgruppe

Der Fall als Fokus professionellen Handelns

Oktober 2008 - März 2009

Leitung: Ulrich Dausendschön-Gay (Bielefeld, GER), Jörg Bergmann (Bielefeld, GER), Ludger Hoffmann (Dortmund, GER), Thomas-Michael Seibert (Frankfurt/Main, GER), Ulrich Streeck (Rosdorf, GER)

Gruppenfoto

Professionen werden typischerweise verstanden als Dienstleistungsberufe, die über hochgradig systematisiertes und spezialisiertes Wissen verfügen, das sie im Lauf einer langen Ausbildung erwerben. Dieses Wissen soll Professionelle in die Lage versetzen, praktische Probleme und Krisen zu lösen, die im Alltag nicht mehr bewältigt werden können und für die deshalb verberuflichte Hilfe gesucht wird. Zum Kern der professionellen Tätigkeit zählen der Umgang und die Arbeit mit 'Fällen'. Professionelle Arbeit - ob nun die eines Richters, eines klinischen Mediziners oder eines Psychotherapeuten - realisiert sich an Fällen, Fälle bilden den Fokus professionellen Handelns, bei dem die erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten zur Anwendung kommen. Allerdings - auch dies ist ein konstitutives Merkmal - kann die Intervention des Professionellen nie nach 'Schema F' erfolgen, vielmehr befindet sich der professionelle Praktiker immer in einem Spannungsfeld zwischen seinem systematischen, klassifikatorisch geordneten Expertenwissen und den unvermeidbaren Besonderheiten jedes Einzelfalls.
Im Zentrum der Kooperationsgruppe stand die Frage, wie ein Fall im professionellen Handeln von Medizinern und Juristen konstituiert wird und welche epistemischen, interaktiven und institutionellen Funktionen und Folgen die Ausrichtung auf den Fall für das professionelle Handeln hat. Die Kooperationsgruppe griff damit ein Thema auf, in dem sich verschiedene disziplinäre Linien überschneiden und wissenschaftliche und praktische Aspekte berühren. Der innovative Zugang der Kooperationsgruppe zu dem Thema bestand darin, das Augenmerk zentral auf die interaktiven, sprachlichen und medialen Verfahren zu richten, über die in medizinischen und juristischen Kontexten ein Fall zu einem 'Fall von X' gemacht wird.
Eine der Besonderheiten dieser Kooperationsgruppe war, dass die relevanten Fragen des Forschungsgegenstandes Fallformation an Prozessdaten untersucht wurden, die in den verschiedenen Berufsfeldern erhoben worden sind. Neben Gesprächsdaten gehören dazu Gesprächsprotokolle und Notizen, Formulare, Akten, Videoaufzeichnungen von Operationen in einer Klinik u.v.a., die mikroanalytisch bearbeitet und unter den übergeordneten Aspekten systematisiert und ausgewertet wurden.

Fellows der Kooperationsgruppe:
Jörg Frommer (U Magdeburg, psychosomatische Medizin), Kent Lerch (MPI für europäische Rechtsgeschichte, Frankfurt a.M.), Thomas Scheffer (FU Berlin, Rechtssoziologie), Susanne Uhmann (U Wuppertal, Linguistik und Konversationsanalyse)







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