Zentrum für interdisziplinäre Forschung
 
 

Zeitskultpur

Datum: 2. Oktober 1993 - 31 Oktober 1994

Künstler: Peter Sommer (Bielefeld)

Die Skulpturen am 2.10.93
Die beiden Zeitskulpturen am 2. Oktober 1993
Der ehemalige Würfel am 19.10.94
Der Würfel am 19. Oktober 1994

Peter Sommer ist 1935 in Neustadt/Oberschlesien geboren und lebt in Oerlinghausen bei Bielefeld. Nach seinem Abitur studierte er an der Päd. Akademie mit dem Schwerpunkt Kunstpädagogik den Lehrerberuf. Er unterrichtete sieben Jahre lang an verschiedenen Schulen, machte danach sein Werklehrerexamen in Düsseldorf und sein Diplom in Erziehungswissenschaften in Bielefeld. Z.Zt. lehrt er als akadem. Oberrat im Fach Kunst an der Universität Bielefeld.
Kataloge und Buchveröffentlichungen, Jahresgaben für Kunstvereine, Kunstankäufe durch die öffentliche Hand und zahlreiche Ausstellungen belegen Peter Sommers künstlerische Aktivitäten, die sich vorwiegend auf Grafik und Erdobjekte in gebrannter und ungebrannter Form beziehen.

In den zwei von Peter Sommer zum 25-jährigen Jubiläum des ZiF erarbeiteten ortsbezogenen Installationen kamen Arbeitsweise und Aufgabenstellung des Zentrums auf besondere Weise zum Ausdruck.
Der 1x1 Meter große Tonwürfel auf Betonsockel und Bleiboden und
25 Tonplatten in unterschiedlicher Einfärbung mit Ritzzeichnungen als Bodenskulptur reflektieren ein Stück ZiF-Geschichte. Was zunächst wie ein bloßes Aufgreifen der Architekturformen anmutete, verwandelte sich im Laufe der Wochen zu einem Zeitmesser, bei dem Vergangenheit und Gegenwart miteinander verschränkt erscheinen. Naturgesetze wie Erosion und Temperaturveränderungen geben den Formen der beiden Arbeiten etwas Flüchtiges, Temporäres, machen sie zu Zeitskulpturen. Das Spannungsverhältnis zwischen künstlich und natürlich, zwischen statisch und dynamisch und der Einbezug des Zeitfaktors in Verbindung mit dem Umraum zeigen Grenzüberschreitungen in der Kunst auf, wie sie insbesondere in der modernen Wissenschaft konstitutiv sind.
Diesem Spannungsverhältnis entspricht die Topik der im ZiF, und in dieser Intensität nur im ZiF, durchgeführten Forschung. Die Synthese unterschiedlicher Wissenschaftskulturen führt in den Diskussionen zu Brechungen, in denen Entwicklungen und Perspektiven sichtbar werden. Alles Statische wird nur durch Grenzüberschreitungen überwunden, und was vor dem Hintergrund immer wieder neuer Erkenntnisse an Wissen "verwittert", bleibt, wie in Peter Sommers Tonwürfel, als abgelagerte Materie "Zeitzeichen".

Die Tonplatten am 20.02.94
Die Tonplatten am 20. Februar 1994



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