Zentrum für interdisziplinäre Forschung
 
 

 

Kunst am ZiF

WOLKENTROST

Zeichnungen, Aktionen, digitale Drucke und Projektionen

Vernissage: 4. September, 11:30 - 14:00

Ausstellung: 4. September - 28. Oktober 2011

Finissage: 28. Oktober, 18:00 - 20:00

Künstler: Gereon Inger (Bielefeld)

Jeder kennt das: Plötzlich hat man eine Einsicht. Plötzlich scheint das Verstehen einen richtigen Sprung zu machen, und wir wissen auf einmal, wie ein praktisches Problem zu lösen ist; welchen Lösungsweg eine wissenschaftliche Frage verlangt; welchen Sinn eine rätselhafte Formulierung in einem Gedicht oder ein geheimnisvolles Bild haben könnten. Scheinbar ganz unverdient fällt einem das Verstehen dann zu. Kreativität - um nichts anderes handelt es sich ja hier - ist noch immer etwas sehr Merkwürdiges und sehr Faszinierendes. Gereon Ingers so geistreich, witzig und spielerisch zugleich anmutende Kunst kann man als eine einzige Inszenierung von Kreativität verstehen. Diese Kunst zeigt förmlich, was Kreativität ist; sie führt Kreativität in ihrer oftmals überraschenden und sprunghaften Bewegung, in ihrem Vollzug förmlich vor. Ingers Lebensweg und seine konkreten ästhetischen Versuchsanordnungen zeigen aber auch: Kreativität ist nicht voraussetzungslos. Man muss offen für diesen Sprung der Einsicht, des Verstehens sein, und man muss ihm günstige Bedingungen schaffen. Man muss, wie Inger, ganz traditionell handwerklich und technisch wirklich geschult sein in den Mitteln und Ausdrucksformen, damit sie einem zur Verfügung stehen, wenn es der günstige Augenblick verlangt. Kein Detail der kreativen Versuchsanordnung darf einem gleichgültig sein. Man muss auch, sozusagen, neugieriger Jäger und Sammler sein in der Geschichte der Wissenschaften und der Künste und sich so einen Fundus der Inspiration schaffen. Man muss ebenso den symbolischen Blick haben auf die Welt, in der man lebt, muss bereit sein, sich von ihr ständig etwas sagen zu lassen. Es gibt eben Bedeutungen, besser: Bedeutsamkeiten, die über das bloß Funktionale und schnelle pragmatische Verstehen weit hinausgehen. Welche symbolische Kraft haben die Wolken, diese seltsamen, sich ständig verändernden Zeichen am Himmel, die Gereon Inger besonders liebt; welche symbolische Bedeutsamkeit liegt im Wetter! Aber Zeichen für was? Da sitzt der Künstler auf seiner Leiter, seinem Podest und zeichnet. Und wendet sich dem Himmel zu und den Menschen, die in der Heiterkeit die Ironie spüren, im Spiel die wache Ernsthaftigkeit. Gereon Ingers Kunst provoziert fortlaufend günstige Augenblicke für das Verstehen, für diese ästhetische Erkenntnis. Plötzlich ist sie dann da: Wenn man, wie Inger, nichts will und viel kann. Die Griechen nannten diesen günstigen Augenblick, in dem sich eine ungeahnte Sinnfülle auftut, 'kairos'. Welch ein schönes Symbol für ein Zentrum für interdisziplinäre Studien, diese Kunst Gereon Ingers! Im 'kairos', wie ihn Inger zeigt, sind sich Wissenschaft und Kunst ganz nah.
Prof. Dr. Wolfgang Braungart

Der Bielefelder Künstler Gereon Inger (Jahrgang 1960) zeigt im Zentrum für interdisziplinäre Forschung Zeichnungen über Wolken. Unter dem Titel Wolkentrost richtet Inger, Meisterschüler an der Düsseldorfer Kunstakademie, eine Installation aus Drucken, Vitrinen und digitalen Rahmen ein. Zur Eröffnung am 4. September und bei der Finissage am 28. Oktober kann das Publikum den transparenten Wolken-Gesten-Atlas auf der Fensterfront und die Editioinen besichtigen, vor dem ZiF mit dem Künstler Wolkenzeichnungen tauschen und im Plenarsaal Landschaftsstempel für eigene Bilder benutzen. Hier wird auch eine Einführung in seine Arbeit und das Buchprojekt gegeben, aus dem die Zeichnungen stammen. Zur Eröffnung erscheinen die Editionen Wolkentrost und Wolkenschrecken.

Homepage von Gereon Inger



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