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Kunst am ZiF

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Malerei und Zeichnung

Vernissage: 7. April, 11.30

Ausstellung: 7. April - 28. Juni 2013

Künstlerin: Sophie Johanna Kaiser (München)

Bild Sophie Johanna Kaiser

Bilder von Sophie Johanna Kaiser

Gestatten Sie, dass ich Ihnen zunächst die Künstlerin vorstelle, bevor ich auf die ausgestellten Arbeiten eingehe: Sophie Johanna Kaiser ist - wie nicht viele Münchner Künstler - auch in München geboren worden (geb. 1950). Dort studierte sie von 1976 - 1985 an der Akademie der Bildenden Künste Malerei bei Professor Rudi Tröger, dessen Meisterschülerin sie auch wurde. 1990 erhielt sie ein Stipendium des Freistaates Bayern für den Aufenthalt in der "Cité des Arts" in Paris.
In München kann sie im Städtischen Atelierhaus (1995 - 2005) über 10 Jahre lang eines der begehrten Ateliers unterhalten. Während dieser Zeit entstehen u.a. Auftragsarbeiten wie die großflächigen Siebdrucke auf Aluminium im Truderinger U-Bahnhof mit dem Titel "Tattoo und Spiele" - hier arbeitete Kaiser ganz figürlich und erzählerisch, stellte spielende Menschen mit ihren Tattoos dar (1999 vollendet). Sie entwickelt und realisiert interdisziplinäre Projekt "Wer macht Kunst zu Kunst und was denken die, die Kunst machen?" 2002 und wird 2003 zur Mitgründerin einer eigenen Firma für angewandte Sozialforschung "zweiplus GbR".

Seit 2002 arbeitet Sophie Kaiser auch in ihrem Atelier in den französischen Pyrenäen, in Llauro; dort sind auch die meisten der hier ausgestellten Werke entstanden. Dieser Ort liegt in der Nähe von Céret, das durch seine pittoreske Umgebung und die durch das Mittelmeer beeinflusste Atmosphäre im frühen 20. Jahrhundert viele Künstler der Avantgarde wie Pablo Picasso, Henri Matisse, Amadeo Modigliani und Chaim Soutine angezogen hat.

Mit dem die Kunst im Mittelmeerraum so bestimmenden Thema "Licht und Dunkel", das auch die ausgestellten Arbeiten prägt, hat sich Sophie Johanna Kaiser schon in unterschiedlichen Medien auseinandergesetzt: In ihrer Installation "open space", die sie im Jahr 2006 vor dem Hintergrund einer mitverfassten Studie über Wohnungslosigkeit in München schuf, wurden bunte Regenschirme am Isarufer in der Dunkelheit zu Lichtschirmen, die Zuflucht, Wärme und Geborgenheit symbolisierten. In den Gemälden, die etwa drei Jahre später am Chiemsee entstanden sind, waren es dann keine Dinge, sondern von Bäumen bestandene Uferlandschaften, die in ihrem Farbenspiel im Winter bei Sonnenuntergang von ihr beobachtet wurden.
Auf die Reihe der Einzel- und Gruppenausstellungen möchte ich an dieser Stelle nicht mehr eingehen, um nun mit der heute hier zu eröffnenden Ausstellung fortzufahren.

"Fortfahren"
Der Titel der Ausstellung ist in zweifacher Hinsicht zu verstehen: Zum einen bezieht er sich auf das Fortsetzen der künstlerischen Tätigkeit zum anderen auf den Ortswechsel, der das Leben und Gestalten von Johanna Kaiser prägt.
Die Künstlerin, die zwischen Frankreich und Deutschland pendelt, verarbeitet Motive aus beiden Ländern, dabei steht jedoch immer die Natur, nicht die Zivilisation im Vordergrund: Zarte Umrisse von Blüten wechseln sich ab mit abstrakten, mehrschichtig angelegten Farbinseln auf monochromem Grund. Nur gelegentlich lässt die Künstlerin dabei Räumlichkeit entstehen. Auch dort, wo es geschieht, verwischt sie die Umrisse zu organisch anmutenden Formen.
Die Transparenz der Farbe spielt dabei eine große Rolle. Kaiser experimentiert vielfach ergebnisoffen mit Farbe und Form, Linie und Strich sowie Gegenstand und Abstraktion. Die große dabei entstehende Vielfalt kennzeichnet ihr - nicht nur - Gattungsgrenzen überschreitendes Schaffen, von dem hier eine Auswahl von 35 Arbeiten zu sehen ist.

Die Zeichnungen, die in mehreren Sequenzen 2012 und in diesem Jahr entstanden sind, verbindet das Thema der Reflexion des durch das Atelierfenster gefilterten und gebrochenen Lichts. Kaiser skizziert sie mit Kohle, Kreide und Bleistift mal fein mal grob oder verfolgt mit dem Strich die Bewegungen der wandernden Schatten. Dabei entstehen Übergänge in Schattierungen, verwischte Grenzen zwischen Formen, Verzerrungen des Gegenstandes, der im Licht steht: Der Strauß Ranunkeln oder eine Stuhllehne erscheinen bald nah bald fern, hier kontrastierend gegen einen hellen Untergrund gesetzt und dort verschwommen, fest verwoben mit dem Dunkel. Die Einzelformen verselbständigen sich und bilden organische Muster.

In den Arbeiten auf Leinwand variiert Kaiser das Thema von Licht und Schatten mit Hilfe von Farbe: Sie verwendet dabei häufig eine Technik, die sie nach einer Reise durch die Mongolei 1993 entwickelt hat: Auf die Leinwand legt sie eine Schicht aus Chinapapier, die die Acrylfarbe diffundieren lässt. So fängt sie die Schatten auf einer Wand ein, die nicht immer weiß ist, sondern gestreift sein kann, und schildert so die Stimmung eines Nachmittages im Süden.
Die Dämmerung der dunklen Bilder, enthüllt die leuchtende Farbenpracht roter und blauer Blüten auf geheimnisvolle Weise. Für Sophie Johanna Kaiser bedeutet die Blüte stets Leben und Emotion. Deshalb wählt sie für deren Darstellung auch häufig die wärmsten Farben Rot oder Gelb.

Anderswo lässt sie Figuren entstehen, die in ihren Umrissen wie menschliche Gestalten aussehen. Doch bleibt dies nur eine Andeutung.

Diese Ausstellung zeigt, wie das bildnerische Gestalten von Sophie Kaiser von der Zeichnung bestimmt wird. Immer wieder kommt die Künstlerin auf die in diesem Medium gefundenen Strukturen zurück, variiert sie und übersetzt sie in die Malerei. Auch beim Arbeiten mit der Farbe ist die Beschäftigung mit den Reflexionen von Licht und Schatten ein Leitmotiv. Hier lösen sich die Formen oft stärker vom Gegenstand, um der Wirkung der Farbe Raum zu geben.
Ich hoffe, ich konnte Ihren Blick für die Bilder von Sophie Kaiser ein wenig schärfen. Sehen Sie nun selbst und versuchen Sie, deren poetischem Geheimnis auf die Spur zu kommen.

Ich wünsche Ihnen viel Freude mit der Ausstellung und bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.

Text: Dr. Esther Wipfler, München



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