Zentrum für interdisziplinäre Forschung
 
 

Kunst am ZiF

Fangtechnik für Unschärfen

Zeichnung

Vernissage: 9. Januar, 18:00

Ausstellung: 9. Januar - 28. März 2014

Künstlerin: Sandra Boeschenstein (Zürich)

Bild Ariane Weidemann

o.T. 2013, 33 x 48 cm, Ölkreide und Ölfarbe auf Papier

Bild Ariane Weidemann

zu welchem Raum gehört dein Viertel m³ im Koffer unterwegs 2013, 33 x 48 cm, Ölkreide und Ölfarbe auf Papier

Sandra Boeschenstein interessieren gerade die Systemränder und Grauzonen, jene Bereiche, die die Logik menschlicher Verstandesarbeit leise und nachhaltig auf den Kopf stellen. Ihre Zeichnungen zeigen Welten, in denen alles geordnet scheint, aber dennoch nichts verständlicher ist, oder besser, die danach fragen, wie man etwas so Komplexem und Heterogenem wie der Wahrnehmung von Wirklichkeit eine Form geben kann.
Klarheit und Verrätselung scheinen einander zu bedingen. Es sind eben diese Bereiche versagender Klarheit, die Sandra Boeschenstein erforscht, "weil mich", sagt sie, "diese genaue Energie fasziniert, welche frei wird, wenn Klarheit und bestimmte Ordnung kollabieren: die präzise Unklarheit unmittelbar neben oder nach der Klarheit."
Vor allem aber sind sie (die Zeichnungen) der aktive Versuch, der komplexen Wahrnehmung von Welt direkt zu begegnen und Alternativen zu einem statischen Sinnbegriff zu entwickeln, denn, so die Künstlerin, "eine Ahnung, eine Atmosphäre, eine Situation ist nicht auf Sinn zu reduzieren."
Sandra Boeschensteins Zeichnungen öffnen gedankliche Freiräume, schaffen Denk- und Interpretationsleerstellen, die der Betrachter mit Realitätsgehalt, Seherfahrungen und inhaltlichen Erwartungen ergänzt - ohne zu einer verlässlichen Auflösung zu gelangen. Dieser prekären Zone ist eine kognitive Instabilität eigen, die sich im Akt der Betrachtung als produktive Unruhe äußert.

Magdalena Holzhey, Kuratorin Kunsthalle Düsseldorf

Zitate aus: Magdalena Holzhey "Prekäre Zonen. Zu den Zeichnungen von Sandra Boeschenstein" in: das Double der Ursache, ZF Kunsstiftung, Friedrichshafen 2010



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