ZiF-Sommerschule 2017
Plakat

Multidimensionale Armutsmessung mit einem Fuzzy-Set-Ansatz



1. - 8. August 2017
Leitung: Ullrich Bauer (Bielefeld, GER), Zoë Clark (Hamburg, GER), Hans-Uwe Otto (Bielefeld, GER), Antoanneta Potsi (Bielefeld, GER)

Im Zentrum für interdisziplnäre Forschung (ZiF) kamen Anfang August 2017 18 NachwuchswissenschafterInnen aus Afrika, Amerika und Europa im Rahmen einer intensiven Sommerschule zusammen, um sich der Anwendung des Fuzzy-Set-Ansatzes für Armutsmessung zu widmen. Dabei handelt es sich um einen innovativen Ansatz, der es ermöglicht, der Komplexität von Armutsfragen adäquat zu begegnen und multidimensionale Lebensumstände einzubeziehen. Wie Armut konzipiert, erforscht und gemessen wird, spielt vor allem im Hinblick auf diverse Auffassungen von Armut, Armutsforschung und Armutsbekämpfung eine entscheidende Rolle. Auf der Grundlage einer monetären Variablen ziehen die vorherrschenden Modelle relativer und absoluter Armut eine Armutsgrenze zwischen den Armen und den Nicht-Armen. Dieser zweigespaltenen monetären Definition zufolge gilt es, Fälle als das Eine oder das Andere zu klassifizieren – ein Dazwischen gibt es nicht. Ein Armutsansatz, der den Fokus ausschließlich auf eine monetäre Variable setzt, greift dann zu kurz, wenn es darum geht, andere ausschlaggebende Dimensionen zu erfassen, die Armut und Wohlbefinden beeinflussen. Er ist nicht in der Lage, die Zustände, denen sich die Betroffenen stellen müssen, zu greifen oder anzuerkennen. Es werden keine konzeptuellen und tatsächlich graduellen Unterschiede zwischen Armen und Nicht-Armen erkennbar. Der Fuzzy-Set-Ansatz geht über ein Kategorisieren von arm oder nicht arm hinaus und erweitert den Geltungsbereich, indem er auch auf jene schaut, die aufgrund ihres individuellen Wohlergehens nicht eindeutig einer Gruppe zugeordnet werden können. Der Fuzzy-Set-Ansatz ist dementsprechend imstande, die duale Zuordnung von Gruppen oberhalb oder unterhalb der Armutsgrenze aufzulösen und bietet zeitgleich alternative Methoden, die graduelle Zugehörigkeit zur Kategorie Arme zu analysieren. Diese schrittweise Perspektive gewinnt insbesondere dann an Bedeutung, wenn – abgesehen von monetärer Armut – multidimensionale Deprivationsindexe einbezogen werden. Diese Messmethode kann für nationale und internationale Vergleiche sowie Längs- und Querschnittsdaten angewandt werden.

Die Organisatoren der Sommerschule rekrutierten renommierte Fachgrößen dieses Ansatzes, unter ihnen Achille Lemmi, Antonella D'Agostino, Laura Neri und Andrea Regoli, sodass innerhalb einer Zeitspanne von acht Tagen ein breites Spektrum aus Vorträgen, Diskussionen und interaktiven Übungen zum Thema Armutsforschung und -messung angeboten werden konnten. Die Sommerschule bot NachwuchswissenschafterInnen die Möglichkeit, ihre Projekte zum Feld der Armutsforschung vorzustellen und diese mit den internationalen ExpertInnen und KollegInnen zu diskutieren: ein Prozess, der sowohl für die am Anfang stehenden als auch für die erfahrenen ForscherInnen sehr fruchtbar war und zugleich diese komplexe Form der Armutsmessung weiter vorantreiben wird.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Olumide Adisa (Ipswich, GBR), Thomas Augustin (München GER), Antonella D'Agostino (Neapel, ITA), José Espinoza-Delgado (Göttingen, GER), Marion Fischer-Neumann (Hamburg, GER), Pablo Garcés (Den Haag, NED), Olaf Groh-Samberg (Bremen, GER), Alban Knecht (Linz, AUT), Khaufelo R. Lekobane (Gaborone, BOT), Achille Lemmi (Siena, ITA), Tagesse Melketo (Wolayta Sodo, ETH), Michail Moatsos (Utrecht, NED), Laura Neri (Siena, ITA), Fotios Papageorgiou (Bielefeld, GER), Atika Pasha (Göttingen, GER), Andrea Regoli (Neapel, ITA), Olaf Schoffer (Dreden, GER), Tegegn Shumbulo Hailu (Wolayta Sodo, ETH), Lars Tschiersch (Wien, AUT), Mehmet Sedat Ugur (Cankiri, TUR), Rosita Woodly-Sobhie (Paramaribo, SUR), Holger Ziegler (Bielefeld, GER)

Organisatorische Fragen beantwortet Trixi Valentin im Tagungsbüro. Bei inhaltlichen Fragen wenden Sie sich bitte direkt an die Veranstaltungsleitung.


Tel: +49 521 106-2769
Fax: +49 521 106-152769
E-Mail: trixi.valentin@uni-bielefeld.de