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Bielefeld Graduate School
in History and Sociology
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Anna-Gesa Leuthardt


"Da werden Weiber zu Hygienen" - Aufklärung über Sexualität und Fortpflanzung im Deutschen Hygiene-Museum Dresden

Das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden zeichnete sich seit seiner Gründung durch den Anspruch aus, mit der Vermittlung eines "modernen" Körperbildes und dazugehöriger Körperpraktiken eine erzieherische Wirkung zu erzielen. Das Publikum sollte angeleitet werde, den eigenen Lebenswandel in einer spezifischen Weise anzupassen. Durch diesen Umstand bietet sich die Möglichkeit, Praktiken der Aufklärung über einen langen Zeitraum zu untersuchen: von der 1. Internationalen Hygiene-Ausstellung 1911 mit der anschließenden Gründung des Museums bis zur Neuorientierung der Museumsarbeit nach der deutschen Wiedervereinigung.

Ziel dieses Projektes ist es, die Praktiken der Sexualaufklärung des DHMD in ihrem jeweiligen diskursiven Kontext zu verorten und die Grenzen bzw. Regeln des Zeig- und Sagbaren auszumachen. Erfasst werden sollen die Praktiken sollen über die Betrachtung der Vermittlungsmedien, von denen das DHMD als Ausgangspunkt der Untersuchung eine große Bandbreite bietet: Neben den Ausstellungen sind dies vor allem die Lehrmittel und Unterrichtssammlungen des Museums aus Eigenproduktion, darunter Modelle von Körpern und Körperteilen, Präparate verschiedenster Art, Lichtbildreihen, Bildtafeln, Aufklärungsfilme und Schriften. Aber auch die Ausbildung von Multiplikatoren in der zum DHMD gehörigen "Hygiene-Akademie" kann als eine bislang noch nicht untersuchte Praxis der Aufklärung über Sexualität und Fortpflanzung betrachtet werden.

Dabei werden besonders die Kontinuitäten und Brüche der Geschlechterkonzepte in der diachronen Betrachtung ausgeleuchtet: Fortpflanzung, als die biopolitische Schnittstelle zwischen Individuum und Kollektiv, und damit die (weibliche) Fruchtbarkeit wurde, so eine zu überprüfende These, in der hygienischen Gesundheitsaufklärung zu einem besonders Frauen zugedachten Entscheidungs- und Handlungsfeld. Angeleitet durch die Wissenschaft wurden Frauen zu Verantwortlichen der Volksgesundheit, erschien doch die Regulierung der individuellen Sexualität zum Wohle der Zukunft des "Volkskörpers" unerlässlich.

Zentrale Forschungshypothese ist, dass die den Geschlechterbildern in der Sexualaufklärung des DHMD zugrundeliegenden biopolitischen Vorstellungen nicht lediglich Spiegel gesellschaftlicher Diskurse oder politischer Vorgaben waren, sondern das die verschiedenen Praktiken der Aufklärung entscheidend dazu beitrugen, diese Geschlechterbilder zu formen und zu wandeln.




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