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Bielefeld Graduate School
in History and Sociology
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Christian Vogel


Quintus Tullius Cicero - Politische Kultur und Karriere an der Peripherie des römischen Imperiums

Der römische Herrschaftsbereich erstreckte sich Mitte des ersten Jahrhunderts vor Christus vom Atlantik bis in den nahen Osten. Während Rom zur konkurrenzlosen Macht aufstieg, gärte im Innern eine Krise. Die politische Elite eiferte in einem aufreibenden Konkurrenzkampf um die höchsten Ehren im politischen System der Republik. Gleichzeitig entwickelte sie ein Desinteresse an den Herrschaftsaufgaben fern von Rom. Auf dem Höhepunkt der territorialen Ausdehnung ging die römische Republik in fast 20 Jahre währenden Bürgerkriegswirren unter. Doch die Herrschaft über den Mittelmeerraum geriet nicht in Gefahr. Trotz Desinteresse, Ausbeutung und fehlender Herrschaftsbürokratie.

Warum nahm die Stabilität der römischen Herrschaft in dieser heiklen Situation keinen Schaden? Warum funktionierte das Imperium trotz des Chaos im Innern?

Männer wie Quintus Tullius Cicero, die aus der zweiten politischen Reihe kamen, füllten als Funktions- und Herrschaftsträger die Lücken zwischen Zentrum und Peripherie. Diese Hinterbänkler im Senat und Aufsteiger aus den italischen Gemeinden kümmerten sich um die Kontrolle des Herrschaftsgebietes. Wir wissen in der Regel nur sehr wenig von ihnen. Denn die antiken Autoren beschäftigten sich vornehmlich mit der Krise im Zentrum. Q. Cicero repräsentiert die Gruppe der Funktionsträger, die aufgrund mangelnder Quellen bisher kaum Beachtung fand. Über sein Leben und seine Karriere sind wir besser informiert. Trotzdem wurden die Quellen bislang hauptsächlich aus Interesse am bekannteren Bruder, Marcus Tullius Cicero, untersucht. Seine Rolle in der politischen Kultur der Republik und der Herrschaft über den Mittelmeerraum jedoch nicht.

An Q. Cicero werde ich Herkunft, Sozialisation sowie soziale und politische Interaktionsweisen stellvertretend für diese Funktionselite aus der zweiten Reihe erforschen. Dabei werde ich auf die althistorische Forschung zur Politischen Kultur Roms aufbauen. Sie bemühte sich um die Untersuchung der Wechselwirkungen zwischen politischem Entscheidungshandeln, den dazugehörigen Praktiken sowie ihren gesellschaftlichen und kulturellen Grundbedingungen. Diese Aspekte wurden hauptsächlich für die Verhältnisse innerhalb der Senatsaristokratie in Rom erforscht. Für den Blick auf die Peripherie werden sie zu berücksichtigen sein, weil damit grundlegendes Wissen über römische politische und soziale Interaktion und Kommunikation insgesamt gewonnen wurde, nicht nur im innenpolitischen Wettbewerb.

Das Ziel ist eine Antwort auf die Frage, wie das Weltreich der römischen Republik trotz Krise und ohne Verwaltungsinstitutionen stabil bleiben konnte und welche Rolle und Funktion einer bisher kaum beachteten Gruppe der politischen Kultur Roms dabei zukam. Die Adaption der Netzwerkanalyse soll unter Beachtung fachspezifischer Bedingungen und Beschränkungen das methodische Spektrum der althistorischen Forschung bereichern und neue Zugänge zum Quellenmaterial ermöglichen.




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