Social Icons facebook Twitter YouTube Kanal Instagram
Bielefeld Graduate School
in History and Sociology
Logo der Einrichtung
Logo der Einrichtung

Christine Peters


Vergleichen und Erzählen: Deutsche Weltreisenarrative in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts

Weltreisende des sogenannten zweiten europäischen Entdeckungszeitalters (18.-19. Jahrhundert) vergleichen in ihren Reiseberichten exzessiv: Sie vergleichen Naturphänomene, Tierarten, Temperaturen, Wasserströmungen, Routen, Häfen, Herrschaftsformen, kulturelle Gepflogenheiten und Handelsstrukturen. In meiner literaturwissenschaftlichen Dissertation untersuche ich die Vergleichspraktiken deutscher Reiseberichte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts (u.a. Alexander von Humboldt, Adam Johann von Krusenstern, Heinrich von Langsdorff, Otto von Kotzebue, Adelbert von Chamisso).

Die Dissertation schließt an die neuere und neuste Forschung zur europäischen Entdeckungsgeschichte an, die zwar mit dem heroisierenden Modus früherer Forschungstraditionen bricht, sich aber nicht auf Fragen aus dem Feld der postcolonial studies beschränkt. Vielmehr rücken mit dem Vergleichen gerade die Pluralität und die Widersprüchlichkeit der untersuchten Reiseberichte in den Vordergrund. Auch die Textauswahl betont diese Vielfalt: Ich untersuche nicht nur wissenschaftliche bzw. 'naturphilosophische' Reiseberichte, sondern auch Reisetexte, die sich schwerpunktmäßig einer anderen Gattung oder einem anderen Reisezweck verschreiben - so etwa literarische Reisetagebücher oder kommerziell-navigatorisch orientierte Reiseberichte.

In ihren Reiseberichten setzen sich die Schreibenden intensiv mit der Welt in ihrer geokulturellen und geophysischen Gesamtheit auseinander. Das Vergleichen, so die zentrale These des Projekts, ist dabei maßgeblich an der Organisation und Produktion relationalen Weltwissens beteiligt und trägt so zur 'Welthaltigkeit' (Honold) der Reiseberichte bei. Von besonderer Bedeutung ist dabei zunächst die Frage, auf welche Weise das Vergleichen diese epistemologischen Ordnungs- und Produktionsprozesse narrativ gewährleistet. Ich frage darüber hinaus nach den Konjunkturen bestimmter Vergleichspraktiken und nach den Kontexten, in denen sie sich formieren, verändern oder auflösen.

Das Projekt ist in doppelter Hinsicht narratologisch ausgerichtet. In Anlehnung an kulturanthropologische Definitionen des Narrativen untersuche ich Vergleichsnarrative als Organisationsformen kultureller Erfahrung, welche symbolische Ordnungen herstellen und die Welt in eine intelligible Form bringen (Koschorke, Nünning). Darüber hinaus untersuche ich in literaturhistorischer Perspektive das Verhältnis vergleichender Textstrategien zu alternativen gattungstypischen Formen des Erzählens. Spannungen und Konflikte zwischen verschiedenen Formen des Erzählens und Vergleichens bilden einen besonders ergiebigen Untersuchungsgegenstand, da sie sowohl auf gattungstypologische Konfliktfelder als auch auf konkurrierende Wissensansprüche des 18. und 19. Jahrhunderts referieren können. Mit dem Fokus auf narrativ hergestelltes Weltwissen schließt das Projekt außerdem theoretisch an das Feld der historischen Epistemologie an.

-> weitere Meldungen

InterDisciplines

Current volume InDi

Gefördert durch:

Exzellenzinitiative zur Förderung der Hochschulen
(1. Förderphase 2007-2012,
2. Förderphase 2012-2017)



Gefördert durch: