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Bielefeld Graduate School
in History and Sociology
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Daniel Emmelius


Grenzen schreiben. Das Pomerium und die mediale Konstitution von Stadtgrenzen und Stadtgebiet im antiken Rom (Arbeitstitel)

Im antiken Rom war das Thema der Grenzen der Stadt in vielen Zusammenhängen von Bedeutung. Das Stadtgebiet galt dabei als ein Raum, der in rechtlicher, sakraler und politischer Hinsicht von seinem Umland, dem Imperium Romanum und der Welt insgesamt geschiedener Raum. Es gab allerdings auch die Vorstellung, die Stadt sei gerade nicht eng begrenzt, sondern mit ihrem nach römischen Selbstverständnis weltumspannenden Herrschaftsgebiet im Prinzip identisch.

In der von einer staatsrechtlichen Perspektive dominierten Forschung unzureichend berücksichtigt wurde zum einen die tatsächliche Vieldeutigkeit römischer Stadtgrenzen, wie sie in den Quellen etwa in Form von offensichtlichen Widersprüchen, angeblich inoffiziellen oder peripheren Deutungen greifbar ist, zum anderen - und vor allem - das konkrete, praktische Verhältnis zwischen Raum und historischen Akteuren.

Das Dissertationsprojekt beschäftigt sich daher mit der Frage, wie anhand von unterschiedlichen Stadtgrenzen das Stadtgebiet des antiken Rom als symbolischer Raum konstituiert, verstetigt und rezipiert wurde. Dazu wird ein Zugang gewählt, der diskursanalytische mit medientheoretischen und praxeologischen Perspektiven zu verknüpfen versucht.

Als Untersuchungsbeispiel wird v.a. eine Stadtgrenze als zentrales Beispiel herangezogen: das Pomerium. Dabei handelte es sich um eine von den Stadtmauern ebenso wie der architektonischen Bebauung unabhängige Grenze, die durch Grenzsteine markiert wurde und besonders im Zusammenhang mit der Befehlsgewalt von Amtsträgern in der Forschung beachtet wird.

Vor allem anhand dieses Beispiels soll gezeigt werden, dass und wie die Konstitution (und damit auch die Beständigkeit bzw. der Wandel) von Grenzen in Rom erst durch das ständige Zusammenspiel von Diskursen, Medien und Praktiken möglich wurde, wobei diese drei Ebenen wechselseitig aufeinander Einfluss nahmen. Die Raumkonstitution wird somit mit einem Prozess des Schreibens verglichen, der vom Zusammenspiel diskursiver Bedeutungen, technischer Voraussetzungen der Schrift und des Schreibmaterials sowie durch die sozial geregelten Kontexte und Eigendynamiken von Schreibpraktiken geprägt ist.

Hinsichtlich der gesellschaftlichen Rolle der Stadtgrenzen wird schließlich und auf der Grundlage der bis dahin erzielten Ergebnisse vorgeschlagen, die Stadtgrenzen zusammen mit Monumenten, Gebäuden und anderen Orten als Elemente eines Wissensraumes "Stadt Rom" zu deuten, über den primär theoretisches, propositionales Wissen (und weniger praktisches Vollzugswissen) miterzeugt, räumlich verankert und sozial distribuiert wurde.




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