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Bielefeld Graduate School
in History and Sociology
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Gerhild Landwehr

Einheit, Identität und Integration in Ulm (1437-1558)

Mein Projekt behandelt die Stadtidentität in Mittelalter und Früher Neuzeit, die in der Forschung zumeist mit Blick auf prominente performative religiöse Praktiken erklärt wird, denen ein Identität stiftendes Potenzial zugesprochen wird. Allerdings wohnt diesen Performanzen eine Ambivalenz dieser integrativen Potenz bezüglich der Ganz-Stadtkommune oder Teil-Stadt und der sozialen Binnendifferenzierungen wie Zünften inne.
Die Beilegung der Konflikte zwischen Zünften und Patriziat in Ulm führten gegen Mitte des 14. Jahrhunderts zu einer Konsensgemeinschaft, die durch Verfassungen und Schwurrituale in einem empfindlichen Gleichgewicht gehalten wurde. Für die Frage nach der integrativen Potenz von Religion und Performanz in der Herstellung von Stadtidentität bietet Ulm konkret ein Gegenbeispiel zu Kommunen, die durch Prozessionen Einheit herstellten, welche ja genuin religiös konnotiert sind und von der säkularen Ordnung der Stadt vereinnahmt wurden: der vormoderne Ulmer Schwörtag. Dieser war ein von säkularen Kräften initiiertes Ritual, das weder im sakralen Raum stattfand, noch von klerikalen Trägern durchgeführt wurde. Hier gab die Fähigkeit zur sozialen Konfliktlösung durch Wahl und Eid der Stadtobrigkeit ein Konglomerat von Praktiken zur Hand, mit dem sie ohne performative Rekurrierung auf die Sakralgemeinschaft einer okzidentalen Stadt eine kommunale Einheit über die Konfessionalisierung hinaus herzustellen vermochte.

Ausgehend vom Weberschen Paradigma der "okzidentalen Stadt", deren Einheit sich durch die Determinierung eines christlich-religiösen Wertesystems als "Gemeinde" sowohl sakral als auch - daran anschließend - profan konstituiere, wird in meinem Dissertationsprojekt durch einen neuen theoretischen Zugriff das Luhmannsche Integrationskonzept in einen differenzierteren Zusammenhang von Identität, Perfor¬manz und Religion im kommunalen Kontext Ulms projiziert. Dazu wird die integrative Leistungsfähigkeit von Religion und Performanz in ihrem Zusammenwirken untersucht, um evaluieren zu können, welches Identifikationspotenzial beide Konzepte bereitstellen, wie es in Ulm genutzt wurde und warum hier auf die Performanz christlicher Rituale zur primären Produktion und Präsentation von Einheit verzichtet werden konnte.




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