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Bielefeld Graduate School
in History and Sociology
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Henrik Pruisken


Kontrollüberzeugung im Erwerbsverlauf: Geprägt durch die Familie - verändert durch den Arbeitsmarkt?

Unter Kontrollüberzeugung versteht man die Einschätzung eines Individuums, wie sehr es die Kon-trolle über die Erreichung seiner Ziele hat. Die Kontrollüberzeugung kann in interne und externe Kon-trollüberzeugung unterschieden werden (Rotter 1966). Der Kontrollüberzeugung wird ein Einfluss auf berufliche Ziele und Erfolge zugeschrieben (Ng 2005). So setzen sich Personen mit externer Kontroll-überzeugung niedrigere berufliche Ziele und erreichen diese seltener als Personen mit einer internen Kontrollüberzeugung (Trzcinski, Holst 2010).

Im Rahmen der Promotion wird die Kontrollüberzeugung dabei, ausgehend von den Grundannahmen der SEU-Theorie, als Erwartung der Individuen verstanden, welche Handlungsalternative in einer (berufsrelevanten) Entscheidungssituation ihre Präferenzen am besten erfüllt (Diekmann, Voss 2004). Im Sinne des Grundmodells soziologischer Erklärung wirken Strukturen auf der Makroebene auf den individuellen Akteur und prägen seine subjektiven Werte und wahrgenommenen Hand-lungsbeschränkungen. Wie sich die Präferenzen und Restriktionen darstellen, ist daher nicht subjek-tiv beliebig, sondern von den objektiven Gegebenheiten abhängig (Esser 1996: 6).

Zentrale Fragestellung der Promotion ist nun, wie die Kontrollüberzeugung von Jugendlichen geprägt wird und welchen Einfluss diese Persönlichkeitseigenschaft auf die Berufsbiografie hat. Sozialisati-onstheorien gehen davon aus, dass sich während der Kindheit und Jugend bereits zentrale Präferen-zen, Wertvorstellungen und Persönlichkeitsmerkmale herausbilden (Eder, Nenga 2003). Die in der Familie und anderen sozialen Strukturen, wie der Schule oder dem Freundeskreis, vollzogene Soziali-sation ist dabei oft geschlechts- und schichtspezifisch geprägt und trägt durch die Aneignung von Wertvorstellungen, Interessen und Fähigkeiten für bestimmte Berufsfelder zur Reproduktion gesell-schaftlicher Ungleichheit bei (Hurrelmann 1998).

In einem ersten Schritt soll untersucht werden, welche Rolle die Familie bei der Genese der Kontroll-überzeugung von Jugendlichen spielt. Zum einen soll ermittelt werden, ob sich die Kontrollüberzeu-gung der Eltern auf die Jugendlichen überträgt und inwieweit die sozio-ökonomische Situation der Familie die Kontrollüberzeugung von Jugendlichen beeinflusst. Auch die Erwerbssituation und Er-werbsbiografie der Eltern sollen hierfür in den Blick genommen werden. Zum anderen wird angenommen, dass nicht nur die Eltern einen Einfluss auf die Persönlichkeitsent-wicklung der Kinder haben, sondern auch der jeweiligen Geschwisterkonstellation eine Bedeutung für die Genese der Persönlichkeitseigenschaften zukommt. Bei der Frage nach dem Einfluss der Ge-schwister auf die Kontrollüberzeugung werden Ungleichheiten innerhalb der Familie relevant. Die Bedeutung innerfamiliären Ungleichheiten beispielsweise für den Bildungserfolg konnte bereits in Studien gezeigt werden (Conley et al. 2007). Die Ungleichbehandlung von Geschwistern durch ihre Eltern kann dabei als eine solche innerfamiliäre Ungleichheit gesehen werden (Plomin et al. 2001). So soll untersucht werden, inwieweit sich eine Differenz im unterstützenden Verhalten der Eltern ge-genüber den jeweiligen Geschwistern auf die Kontrollüberzeugung auswirkt und ob diese Effekte dabei durch die Geschwisterkonstellation, im Sinne der Anzahl, des Geschlechts und der Geburten-reihenfolge der Geschwister, beeinflusst werden.

In einem weiteren Schritt wird dann untersucht, inwieweit die Kontrollüberzeugung einen Einfluss auf die angestrebten beruflichen Ziele der Jugendlichen hat und ob die Jugendlichen es schaffen im weiteren Verlauf diese beruflichen Ziele zu realisieren. Abschließend soll überprüft werden, ob sich die im Kindes- und Jugendalter entwickelte Kontrollüberzeugung als konstant über den Erwerbsver- lauf erweist oder ob die Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt dazu führen, dass sich ihre Kontrollüber-zeugung ändert. Diese Frage ist insbesondere interessant, weil es durch eine gegenseitige Beeinflus-sung von Kontrollüberzeugung und Arbeitsmarkterfolg zu einer Kumulation von Nachteilen (DiPrete, Eirich 2006) kommen kann und sich somit die soziale Ungleichheit wiederum verstärkt. Als Datengrundlagen dienen Daten des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) (Wagner et al. 2007). Hierbei werden Informationen über Jugendliche aus dem Jugendfragenbogen mit Informationen über deren Eltern aus der SOEP-Haupterhebung verknüpft und die Jugendlichen im weiteren Lebensverlauf verfolgt.
Die Bearbeitung der Fragestellungen soll im Rahmen einer kumulativen Promotion geschehen.




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