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Bielefeld Graduate School
in History and Sociology
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Jana Kristin Hoffmann

Familienkonzepte und Geschlechtervorstellungen im amerikanischen Mainline-Protestantismus am Beispiel der United Methodist Church 1950-1990 (Arbeitstitel)

In der US-amerikanischen Gesellschaft hatten Religionsgemeinschaften in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verstärkt Anteil an Diskursen um Familien- und Geschlechternormen sowie Wertesystemen. Auf diese Weise trugen sie zur Konzeptualisierung, Aufrechterhaltung und Regulierung von Geschlechterkonzeptionen und -beziehungen bei. Die United Methodist Church kann hier exemplarisch als eine Vertretung des US-amerikanischen Mainline-Protestantismus betrachtet werden, der seinem Selbstverständnis nach die weiße Mittelschicht mit ihren Familien- und Geschlechtervorstellungen repräsentierte und diese gesellschaftlich zur Norm erhob, wobei er sich politisch und theologisch moderat bis liberal verortete. Ziel der Arbeit ist es, die Frage zu beantworten, ob und wie es zu Neujustierungen innerhalb der (religiösen) Geschlechterordnung kam, und auf diese Weise die wechselseitigen Zusammenhänge zwischen gesellschaftlichen Wandlungsprozessen und religiösen Familien- und Geschlechtervorstellungen aufzuzeigen.

Das verstärkt zu beobachtende Engagement des Mainline-Protestantismus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kann als Reaktion auf markante gesellschaftliche Veränderungsprozesse in diesem Zeitraum verstanden werden. In den USA sind, wie in vielen westlichen demokratischen Gesellschaften, seit den 1960er Jahren verstärkt Demokratisierungsprozesse sowie das Aufkommen neuer sozialer Bewegungen zu beobachten. Für die Analyse des Mainline-Protestantismus entscheidend ist außerdem die wiederum auf diese Pluralisierungsprozesse reagierende Formierung der Christlichen Rechten innerhalb der US-amerikanischen Gesellschaft. Die United Methodist Church, so eine Kernthese des Projektes, war durch diese Prozesse gesellschaftlicher Pluralisierung einerseits und theologisch-religiöser Fundamentalisierung andererseits mehrfach herausgefordert. Die Dissertation geht zum einen der Frage nach, welche Rolle die Kategorie Geschlecht in den Versuchen der Methodisten spielte, ihre Position als gesellschaftlich im Mainstream befindliche Kirche in diesen Dynamisierungsprozessen zu stabilisieren und auszubauen, u.a. durch die Festigung eigener Geschlechterkonzepte z.B. durch theologische Legitimierung. Zum anderen analysiert das Projekt, welche Deutungsverschiebungen und Veränderungen in der Konstruktion von Geschlecht die Methodisten durch die aktive Abgrenzung nach "außen" auch vornahmen, und wie sich darüber möglicherweise auch die Vorstellung von religiöser Gemeinschaft veränderte.

Die Untersuchung geht methodisch von der Überlegung aus, dass Geschlecht, als eine zentrale Ordnungskategorie moderner Gesellschaften, kontinuierlich diskursiv hergestellt und aktualisiert wird. Aber auch die Konstruktion von Religion als Gemeinschaft wird als ständiger Prozess verstanden. Die Dissertation diskutiert die Frage, wie in der United Methodist Church Entwürfe von Männlichkeit und Weiblichkeit und deren Beziehung zueinander diskursiv hergestellt wurden und wie zweitens diese Produktion von Geschlecht argumentativ ge- und benutzt wurde, um gesellschaftliche Ordnung zu begründen und so zu generieren und Religionsgemeinschaft zu konstituieren. Inhaltlich drehten sich die Diskussionen stark um die jeweils zu präferierenden Konzepte von Familie. Um der Festigung, Abgrenzung und Veränderung von Geschlechterkonstruktionen und der wechselseitigen Herstellung und Regulierung der Beziehungen des Verständnisses von Geschlecht und von Religion nachzugehen, fokussiert die Analyse auf den beiden Themenschwerpunkten Sexualität und Arbeit. Beide Phänomene können als Bedeutungskomplexe verstanden werden, an deren Entwurf und potentiell konflikthafter Veränderungen aufgezeigt werden kann, welche Ordnungsmuster sich jeweils neu entwickelten oder für unverzichtbar gehalten wurden.

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