Social Icons facebook Twitter YouTube Kanal Instagram
Bielefeld Graduate School
in History and Sociology
Logo der Einrichtung
Logo der Einrichtung

Julian Gieseke


Die griechische Ethnographie des Nordens in römischer Zeit (2. Jh.v. bis 1. Jh.n.Chr.) - Praktiken des Vergleichens

In meiner geschichtswissenschaftlichen Dissertation befasse ich mich im Teilprojekt B04 des SFB 1288 "Praktiken des Vergleichens" mit der chronologisch letzten Phase, den ethnographischen Schriften griechischer Autoren im Imperium Romanum (2. Jh. v.-1. Jh. n. Chr.). Deshalb werden die wichtigsten Quellen für die Studie die Werke jener Autoren sein, die in der Zeit der römischen Expansion über den gesamten Mittelmeerraum lebten und wirkten. Dabei beschränkt sich die Untersuchung auf die griechische Ethnographie, da diese den Höhepunkt ihrer Art in der Antike darstellte und damit auch als Vorlage für die römische Ethnographie diente, die abgesehen von Caesar und Tacitus größtenteils nur die Vorbilder aus dem Osten nachahmte oder gar kopierte.

Primär sind die Schriften des Historikers Polybios, des stoischen Universalgelehrten Poseidonios und des Historikers und Geographen Strabon zu berücksichtigen. Dazu kommen einige kürzere bzw. nur in wenigen Fragmenten erhaltene Schriften anderer Autoren, die ihre Werke ebenso in der ethnographisch-historiographischen Tradition eines Herodot verfassten.

Ich untersuche die Rolle des Vergleichens in den ethnographischen Schriften der mir vorliegenden Autoren, die sich zunächst besonders in dem inhärenten Vergleichsmoment der eigenen, hellenischen Perspektive zeigt, aus der die fremden Völker beschrieben wurden.
Zweitens wurden im Anschluss an das Vorbild Herodot (mit dem sich Raimund Schulz in seinem Projekt beschäftigt) fast immer mehrere Völker nacheinander anhand der gleichen Kriterien untersucht, so dass auch hier stets eine Vergleichbarkeit vorlag. Darüber hinaus verwendeten die Autoren natürlich auch immer wieder direkte Vergleiche zwischen den verschiedenen beschriebenen Kulturen oder zwischen einer von ihnen und dem griechisch-römischen Vorbild.

Der praxistheoretische Zugriff ist insbesondere für die Analyse der Rahmenbedingungen der Niederschrift ethnographischer Werke aufschlussreich. Welche Quellen verwendete zum Beispiel Poseidonios, als er seine Beschreibung der Kelten verfasste? Über welche Kontakte verfügte er, welche Bibliotheken wertete er aus und welche Teile seiner Schrift beruhten auf Autopsie? In meiner Teilstudie stellt sich zudem die Frage, welchen Einfluss die imperialen Interessen des römischen Weltreiches auf die einzelnen Autoren hatten. So sind etwa im Fall von Poseidonios oder Polybios Geldgeber für ihre Forschungsreisen aus der römischen Nobilität zu erwarten, die die Förderung ihrer Schützlinge mit praktischen politischen und militärischen Absichten verbanden. Die eigene philosophische Prägung der Verfasser ethnographischer Schriften mag dabei im Übrigen durchaus in Konflikt mit der Erwartungshaltung der römischen Geldgeber gestanden haben.

Methodisch sollen die Quellen deshalb nicht mit einem philologischen Schwerpunkt, sondern mit einem diskursanalytischen Ansatz erschlossen werden. Der von Herodot begründete ethnographische Diskurs setzte sich bis zu Poseidonios fort, weshalb auch die langfristige Entwicklung der Gattung und die Verbindungen zwischen den einzelnen Autoren vollständig berücksichtigt werden müssen. Zudem waren die in den ethnographischen Exkursen vorhandenen Vergleiche Teil eines größeren Vergleichsdiskurses in hellenistischer Zeit. Vor diesem Hintergrund werden die Quellen kontextualisierend interpretiert.

Das Ziel der Studie ist eine neue Geschichte der griechischen Ethnographie im frühen Imperium Romanum, die die Rolle des direkten sowie des indirekten Vergleichens reflektiert, die praktischen Rahmenbedingungen erstmals eigenständig berücksichtigt und sich von der alten Konzentration auf den Gegensatz "Hellenen versus Barbaren" lösen kann.

-> weitere Meldungen

InterDisciplines

Current volume InDi

Gefördert durch:

Exzellenzinitiative zur Förderung der Hochschulen
(1. Förderphase 2007-2012,
2. Förderphase 2012-2017)



Gefördert durch: