Social Icons facebook Twitter YouTube Kanal Instagram
Bielefeld Graduate School
in History and Sociology
Logo der Einrichtung
Logo der Einrichtung

Junchen Yan

Die Karriere chinesischer Führungskräfte im Transformations- und Globalisierungsprozess: Eine qualitativ-empirische Analyse chinesischer Führungskräfte in chinesischen Niederlassungen deutscher Unternehmen

Mein Forschungsinteresse an Berufskarriere chinesischer Führungskräften im ausländischen Investitionssektor ist abgeleitet von der tiefgreifenden Veränderung im Erwerbssystem, das sich seit der Reformpolitik vollzog. Dieser Transformationsprozess konstituiert neue Bindung zwischen dem Individuum und der Gesellschaft und stärkt die Subjektivität der arbeitenden Individuen (Hebel 2005: 17). Die persönlichen Karriereaspirationen und Karrierebiographien im von der Transformation unterworfenen Wandlungsprozess Chinas stellen ein herausragendes Spannungsfeld zwischen dem Sozialwandel und der veränderten Biographie im heutigen städtischen China dar. Die Karriere ist für einzelne Akteure - mit Kotthoff et. al. (2009) gesprochen, in zweierlei Hinsicht zentral: eine berufliche Weiterentwicklung einerseits und eine gesellschaftliche Integration des Individuums andererseits (ebd.: 123ff.).

Unternehmen mit Auslandskapital haben in erheblichen Umfang zur Beschäftigung in China beigetragen. Ausländische Unternehmen haben einen eigenen Arbeitsmarkt geschaffen. In ausländischen Unternehmen herrscht ein deutlich höheres Lohnniveau. Durch formelle und informelle Qualifikationsanforderungen hat sich dieser Arbeitsmarkt von anderen Arbeitsmärkten abgeschottet. Wir wissen inzwischen bereits einiges über die Bildungswege von Führungskräften, das Einkommen und Freizeitaktivitäten; schon weniger aber über die Karrieremuster und fast nichts über die Dispositionen, Orientierungen und Aspirationen der Beschäftigten.
Die geplante Studie möchte sowohl das Spannungsfeld zwischen dem Transformationsprozess im Erwerbssystem und den sich verändernden Berufsbiographien im städtischen China, als auch das Spannungsfeld zwischen dem Modelltransfer durch ausländische Unternehmen und deren Wirkung auf das Individuum und die Gesellschaft rekonstruieren.

Das Forschungsvorhaben hat zum Ziel, Prozesse der Karrierestrukturierung chinesischer Führungskräfte in deutsch-chinesischen Joint-Ventures, 100% Tochtergesellschaft und Repräsentanzen zu untersuchen. In analytischer Hinsicht muss zum einen der folgenden Frage nachgegangen werden: Welche sozialen Merkmale z.B. soziale Herkunft, Ausbildungsniveau, Auslandserfahrungen etc. haben chinesische Führungskräfte? Welche Motivation, Berufseinstellung, Werthaltungen und Beurteilung der ausländischen Unternehmen als Arbeitgeber bzw. als Tätigkeitsfeld haben die chinesischen Führungskräfte? Darüber hinaus sollen die Auswirkungen dieser Merkmale, die die Karrieremöglichkeiten chinesischer Führungskräfte beeinflussen, beschrieben werden.

Zum anderen wird der zweite Fragestrang eröffnet, der den Fokus auf die Organisation legt. Hier lauten die Fragen: Welche berufsbiographischen Umgangsweisen haben chinesische Führungskräfte? Inwieweit passen sie sich an die organisationalen Arbeitspolitiken deutscher Unternehmen im unternehmerischen Globalisierungsprozess an oder setzen sie sich über sie hinweg? Ich wähle das Individuum als primären analytischen Bezugspunkt, um die Karrierestrukturierung chinesischer Führungskräfte unter dem Gesichtspunkt der Karrierepolitik (Hitzler/Pfadenhauer 2003) zu analysieren, die sich aus organisationalen Strukturrestriktionen ergeben. Darauf aufbauend werden Vorschläge erarbeitet, wie die Zusammenarbeit der beiden verschiedenen Kulturen sinnvoll gestaltet werden kann.

Des Weiteren soll die Charakterisierung der chinesischen Führungskräfte Antworten auf die Frage nach dem Wandel der Berufsbiographie in der modernisierenden, transformierenden und globalisierenden chinesischer Gesellschaft nach sich ziehen. Bilden chinesische Führungskräfte neue Wirtschaftseliten? Inwieweit ist "Manager als Beruf" möglich? Darüber hinaus stellt sich auch die Frage, welche Rolle die ausländischen Unternehmen im chinesischen Transformationsprozess spielen.

In der geplanten Arbeit wird eine in ihren Grundzügen auf der Theorie der Strukturierung von Giddens basierende karrieretheoretische Konzeption entworfen (Barley 1989). Die Zielsetzung dieser Arbeit besteht darin, die Berufskarriere im sich im Transformationsprozess verändernden Zusammenwirken von Gesellschaft, Organisation und Individuum nachvollziehbar zu machen und zu verstehen. Die Theorie der Strukturierung erlaubt mir in diesem Sinne insbesondere die Entstehung, Reproduktion und Veränderung von Karrieremuster durch die soziale Praxis der Akteure zu rekonstruieren und zu analysieren. Gearbeitet werden soll mit Methoden der qualitativen Sozialforschung, insbesondere mit dem biographischen Interview. Für die Interpretation und Analyse wird die "empirisch begründete Typenbildung" gewählt werden. Schließlich kann die Typologie berufsbiographischer Karrieremuster als "Heuristik der Theoriebildung" aufgefasst werden, indem ich am Ende der Studie versuchen werde, die Ergebnisse auf höherer Abstraktion organisationstheoretisch und gesellschaftstheoretisch anzubinden.




-> weitere Meldungen

InterDisciplines

Current volume InDi

Gefördert durch:

Exzellenzinitiative zur Förderung der Hochschulen
(1. Förderphase 2007-2012,
2. Förderphase 2012-2017)



Gefördert durch: