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Bielefeld Graduate School
in History and Sociology
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Malte Stoecken

Genese und Praxis technowissenschaftlicher Dokumentation im Nationalsozialismus

Während lange dem Nationalsozialismus eine generelle Wissenschaftsfeindlichkeit mit dem Resultat des Niedergangs der naturwissenschaftlich-technischen Forschung attestiert wurde, hinterfragten Studien der letzten Jahre diese Interpretation der Wissenschaftsgeschichte zum "Dritten Reich" und wiesen auf die auf weitreichende Kooperationsverhältnisse zwischen Wissenschaft, Industrie und Militär zurückzuführenden "Erfolge" einzelner technowissenschaftlicher Disziplinen und Institutionen hin. Grundlegende Voraussetzung für jegliche Forschungs- und Entwicklungsarbeit ist das Verfügen können über sowohl über spezifische Fachliteratur, um die Forschungstätigkeiten an bestehenden Erkenntnissen anknüpfen zu können, als auch der Entwicklungsberichte über laufende Projekte aus der Wissensproduktion, um Ressourcenverschwendung und Doppelarbeit zu vermeiden und so die Arbeiten zu rationalisieren.

In der Dissertation gezeigt werden, welche praktischen Vorkehrungen und Maßnahmen getroffen wurden, um die Distribution von Erkenntnissen aus dem F&E-Prozess zwischen den diversen Segmenten des militärisch-industriell-wissenschaftlichen Komplex zu gewährleisten. Aus ersten Archivarbeiten wurde ersichtlich, dass innerhalb wissenschaftlicher Fachvereine Dokumentationsstellen für die Beschaffung, Erschließung, Auswertung und Verteilung der technowissenschaftlichen Forschungsergebnisse geschaffen wurden und sich diese 1941 in Form der "Deutschen Gesellschaft für Dokumentation" zusammenschlossen. In diesem Zusammenhang soll analysiert werden, ob die Protagonisten der sich selbst als unpolitisch und allein der "reinen" Wissenschaft dienenden wissenschaftlichen Gesellschaften und Vereine sich aus Eigeninitiative mobilisierten oder staatliche Stellen die Institutionalisierung und Professionalisierung der Dokumentation forcierte, einen Beitrag zur Debatte Innovationskraft vs. Wissenschaftsfeindlichkeit des Nationalsozialismus beisteuern zu können.

Auch soll thematisiert werden, für wen die Dokumentare wissenschaftliche Literatur beschafften, auswerteten und verteilten und inwiefern der Informationstransfer von diesen beeinflusst und gesteuert wurde. Im Bereich der Anwendung des Wissens wird gezeigt, wofür die zur Verfügung gestellten Forschungsergebnisse verwendet wurden und wie sich das wachsende Gewicht der Anwender auf die Reproduktion wissenschaftlichen Wissens auswirkte, da diese zunehmend die Relevanz nach politischen Maßstäben (mit)definierten.

Da die betreffenden Akteure - Wissenschaftler, Dokumentare, Industrie und staatliche Stellen inkl. Militär - miteinander kooperieren und Ressourcen austauschten, mussten formelle wie informelle Kommunikationsstränge zwischen diesen Segmenten geknüpft werden. Deshalb soll sich die Dissertation nicht auf die Rekonstruktion eines narrativen Zuganges einer "erzählten Geschichte" ohne einen theoretischen Anspruch reduzieren, sondern neben einer quellenkritischen, dichten Beschreibung der Genese und Praxis der Dokumentation im Nationalsozialismus ein netzwerktheoretisches Instrumentarium angewandt werden, um ein tiefergehendes Verständnis des Kommunikationsaufbaus und insbesondere der Vernetzung zwischen den Forschungskomplexen zu gewährleisten.




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