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Bielefeld Graduate School
in History and Sociology
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Robert Hansack

Die gewerkschaftliche Mobilisierung der Bergarbeiter in Süd-Wales und West-Sachsen im Vergleich 1900-1933

Gegenstand der geplanten Arbeit ist eine regionale Vergleichsuntersuchung der Bergarbeiter in Süd-Wales und West-Sachsen zwischen 1900 und 1933 und ihrer gewerkschaftlichen Mobilisierung. Mit der Methode des Vergleichs sollen die jeweiligen Bergbaugesellschaften in Bezug auf ihre Arbeitergeschichte als spezifischen Teil der Sozialgeschichte erforscht werden. Die erkenntnisleitenden Fragen sind zum einen:

  • Wie wirkten sich die politischen und wirtschaftlichen Einflüsse im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts auf die lokalen sowie regionalen Verhältnisse der Bergarbeiter aus?
  • Inwiefern trugen diese Einflüsse zu einem gesellschaftlichen Wandel ihrer Lebensbedingungen, ihrer Lebensweisen und ihrer charakteristischen kulturellen Traditionen (z.B. Familie, Wohnen) bei?

Zum anderen ist das kollektive soziale Interesse bei den verschiedenen Arbeitergruppen (z.B. Textil-, Fabrik- oder Bergarbeiter) zu nennen, das sich in den verstärkten gewerkschaftlichen und politischen Formen der Selbstorganisation (bspw. Vereine, Gewerkschaften, Parteien) ausdrückte, die sowohl aus der wachsenden Industrialisierung hervorging als auch nun zu Massenorganisationen führte. Die sich herausbildenden sozialen Konflikte zeigen, dass sie nicht mehr von kurzer Dauer waren, sondern sich insbesondere nach dem Ersten Weltkrieg als dauerhaft erwiesen und zunehmend als politisch regulierbar durch die demokratische Regierung angesehen wurden.

Arbeitergeschichte, wie sie in dieser vergleichenden Analyse verstanden wird, steht ähnlich wie im Englischen "labour / labour history", für den Zusammenhang von Arbeit und Arbeitern, Individualität und Kollektivität, Struktur und Prozess. Allerdings entstand in diesem Kontext zwischen Arbeitergeschichte und 'moderner Arbeitswelt' ein Bild, dass vorrangig durch eine abhängige Erwerbsarbeit bestimmt wurde und wird. Diese abhängige Erwerbsarbeit wiederum bildete gerade die Grundlage für das Entstehen von Arbeiterbewegungen. Die Auswirkungen dieses Bildes und seiner wissenschaftlichen Betrachtung spiegeln sich nicht nur in einem veränderten Arbeiterbewegungsbegriff wider, der die soziale Beziehung im Betrieb als sozialen und politischen Ort im Besonderen beachtet, sondern verdeutlichen auch, dass sich die Arbeitswelten verändert haben.

Vom besonderen Interesse sind diese sozialen Beziehungen auf regionaler Ebene und welche Auswirkungen diese auf ein nationales bzw. auf ein internationales Bild der Bergarbeite rhatten. Diskussionen über die Bergarbeiter als eine Arbeiterklasse und einer Arbeitergeschichte wurden nicht nur mit der britischen Kohlenindustrie geführt, sondern stellen auch die Beziehung zwischen Mensch und Kohle dar. Dabei liegen die Schwerpunkte traditionell auf einer Organisationsgeschichte der Bergarbeiter und ihren Arbeitgebern einerseits und andererseits auf einer ideologiegeschichtlichen Untersuchung der Gewerkschaften und der Arbeitgeberverbände. Zugleich aber kann ein solcher historischer Ansatz geeignet sein, erstens die vielfältigen lokalen und regionalen Erfahrungen der Bergarbeiter besser miteinander zu vergleichen; zweitens eine übergreifende nationale Darstellung zu überwinden und drittens bisherige Aspekte der Arbeitergeschichte differenzierter zu sehen. Dazu zählen unter anderem Fragen der politischen Aktivität und Klassenbeziehungen, die nun aus der Perspektive von Geschlecht (bspw. weibliche Erwerbstätigkeit), ethnischer Zugehörigkeit (bspw. irische, polnische, böhmische Zuwanderer) und vor allem aus den kennzeichnenden lokalen und kulturellen Traditionen heraus gesehen werden können. Die spezifischen Besonderheiten der Bergbauregionen bieten ein umfassenderes Verständnis über Arbeitsplatz, Nachbarschaft, Familie, religiöse Identität oder politische Organisation und ermöglichen so die enge Verbindung zwischen Politik und (Bergbau-) Gemeinschaft aufzuzeigen.

Um die angesprochenen vielfältigen lokalen und regionalen Erfahrungen angemessen vergleichen zu können, wird sich diese Untersuchung auf drei strukturrelevante Vergleichsebenen beziehen. Dazu gehören erstens: die Bergarbeiter; zweitens die beiden Bergbauregionen Süd-Wales und West-Sachsen sowie drittens der Zeitraum von 1900 bis 1933.




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