Social Icons facebook Twitter YouTube Kanal Instagram
Bielefeld Graduate School
in History and Sociology
Logo der Einrichtung
Logo der Einrichtung

Torben Möbius

Arbeit für die "Volksgemeinschaft". Arbeits- industrielle und soziale Beziehungen in der nationalsozialistischen "Betriebsgemeinschaft", 1928-1945

Das Dissertationsprojekt widmet sich der Geschichte der nationalsozialistischen "Betriebsgemeinschaft" am Beispiel der rheinisch-westfälischen Eisen- und Stahlindustrie. Aus älteren idealistischen Vorstellungstraditionen "deutscher Arbeit" hervorgehend, zielte das heterogene NS-Konzept der "Betriebsgemeinschaft" auf eine innerbetriebliche Überwindung des industriekapitalistischen Widerspruchs von Kapital und Arbeit. Im Sinne eines neuen "Geistes" sollten Tendenzen der "Entfremdung" der Arbeitenden zu ihrer Arbeit und auch zwischen den einzelnen industriellen Gruppen überwunden werden. Jeweils konkret innerhalb des einzelnen Betriebs sollte eine neue, "echte Gemeinschaft" zwischen "Betriebsführer" und "Gefolgschaft" entstehen, wozu die "Arbeitskameraden" erst noch erzogen werden mussten. Fern materieller Zuweisungen wird die "Ehre der Arbeit" darüber hinaus in den großen Zusammenhang des Nutzens für die gesamte "Volksgemeinschaft" gestellt. Im Rahmen dieser angestrebten Neujustierung betrieblicher Herrschaft, der Arbeitsorganisation und des Produktionssystems, in der jegliche außerbetriebliche Einflüsse möglichst unterbleiben sollten, konnte die klassenstrukturierte Verfasstheit der deutschen Gesellschaft weiterhin bestehen bleiben. Gleichzeitig war die Betriebsgemeinschaft als organischer Bestandteil dieser nationalsozialistischen Ordnungsvorstellung auch geprägt von all ihren exklusiven Implikationen und ein entscheidender Teil des nationalsozialistischen Eroberungs- und Vernichtungskriegs.

Das Dissertationsprojekt möchte nun der Frage nachgehen, in welcher sich ändernder Weise und entlang welcher Mechanismen und Maßnahmen versucht wurde, die "Betriebsgemeinschaft" konkret auf Ebene des "shop floors" zu verwirklichen. Welche Veränderungen und Kontinuitäten in den Macht- und Kommunikationsbeziehungen sind dabei zwischen dem Ende der Weimarer Republik und dem Ende des "Dritten Reichs" zu beobachten?

Meine grundlegende Prämisse besteht darin, dass es den Werte- und Formwandel der Arbeit in der nationalsozialistischen "Betriebsgemeinschaft" erst noch nachzuvollziehen gilt: innerhalb der Dimension betrieblicher Mikropolitik und von Aneignungs- und (Re-)Konstitutionsmechanismen. Weder ist die "Betriebsgemeinschaft" auf ein rein die "realen" Klassenstrukturen verdeckendes symbolpolitisches Konzept zu reduzieren, noch genügt es, allein das normative Konzept historisch zu analysieren.

Gegen diese Verkürzungen wird hier hingegen eine praxeologische Perspektive eingenommen und der historisch-analytische Blick auf Arbeits-, Macht-, Sozialbeziehungen sowie Praktiken der Arbeit innerhalb des Industriebetriebs gerichtet, der Betrieb wird im Sinne eines sozialen Handlungsfelds konzeptualisiert. Gleichzeitig soll die kulturelle Dimension der Herstellung dieses organisch im Zusammenhang mit dem Ordnungsentwurf der "Volksgemeinschaft" gedachten Konzepts auch auf der Repräsentationsebene von Sprache und politischer Kommunikation untersucht werden, vor allem im weiten Feld betrieblicher Sozialpolitik.

Biographische Notiz

Torben Möbius, MA, geboren 1987, seit Oktober 2014 Doktorand an der Bielefeld Graduate School in History and Sociology (BGHS), Promotionsstipendiat der Friedrich-Ebert-Stiftung; Betreuer: Prof. Dr. Thomas Welskopp; MA Geschichtswissenschaft, Universität Bielefeld (2010-2013); BA Geschichtswissenschaft und Deutsche Philologie, Georg-August-Universität Göttingen (2007-2010), MA-Arbeit: Der nationalsozialistische "Selbstschutz" als Sicherheitsdispositiv im zivilen Luftschutz, 1933-1945.




-> weitere Meldungen

InterDisciplines

Current volume InDi

Gefördert durch:

Exzellenzinitiative zur Förderung der Hochschulen
(1. Förderphase 2007-2012,
2. Förderphase 2012-2017)



Gefördert durch: