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Bielefeld Graduate School
in History and Sociology
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Torben Möbius


Vergleichen in der Konkurrenz. Die deutsche, englische, amerikanische und luxemburgische Eisen- und Stahlindustrie 1870-1940

Das übergeordnete Ziel des Teilprojekts besteht in einer praxistheoretisch informierten historischen Analyse des Kapitalismus. Dafür gilt es mit der Konkurrenz einen zentralen Modus des Kapitalismus in den Blick zu nehmen und dabei die Konkurrenzpraxis von Eisen- und Stahlunternehmen zu fokussieren. Nach Georg Simmel ist wirtschaftliche Konkurrenz ein (weitgehend friedlicher) Wettbewerb zwischen Unternehmen. Diese konkurrieren um einen 'Dritten', mit dem Ziel eines finanziellen Ertrags. Diese ‚Dritten‘ können Mitarbeiter/innen, Kund/innen oder auch der Staat sein, dessen Einvernehmen gesucht wird. Das wechselseitige Beobachten und das Vergleichen von Wettbewerbern untereinander ist dabei zentraler Bestandteil wirtschaftlicher Konkurrenzpraxis.

In meinem geschichtswissenschaftlichen Dissertationsprojekt widme ich mich dieser vielgestaltigen sozialen Operation des Vergleichens in historischen Konkurrenzsituationen. Vom deutschen Fall ausgehend ist das Ziel eine vergleichende Analyse der Vergleichspraktiken deutscher, englischer, amerikanischer und luxemburgischer Eisen- und Stahlunternehmen zwischen den 1870er und den 1940er Jahren. Zentrale Fragen sind dabei: Welche Rolle kommt Vergleichen in Praktiken der kapitalistischen Konkurrenz zu? Welche Praktiken des Vergleichens entwickeln oder instrumentalisieren Unternehmen in ihrem Wettbewerb um die Gunst potenzieller Kund/innen, den eigenen betrieblichen Belegschaften oder der Politik des Nationalstaats?

In der weltmarktbasierten Konkurrenzsituation der Eisen- und Stahlindustrie lassen sich bei nationalen Unternehmenseinheiten im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert etwa die Vergleichshinsichten wirtschaftliche Rahmenbedingungen, Produktionskultur, Produktionskosten, Technik und Rationalisierung oder Arbeitsbeziehungen ausmachen. Das Spektrum der vielfältigen Vergleichspraxis reichte von Reisen und Betriebsbesichtigungen, länderübergreifenden Konferenzen bis hin zur Rezeption der von den Konkurrenten erhobenen Zahlen zu Produktion und Kosten, von technischen Innovationen und nationalen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Das Material der Untersuchung stammt damit aus der branchenspezifischen transnationalen Fachöffentlichkeit und besteht in erster Linie aus Reise- und Kongressberichten, Vergleichszahlen, Statistiken und Artikeln aus Fachperiodika.

Bisher ist zu beobachten, dass Vergleichen in der Konkurrenz zur Selbstvergewisserung und Eigenpropaganda benutzt wird. Es kann aber auch zur Irritation der Vergleichenden und der Adressaten kommen. Appelle zur Innovation, Leistungssteigerung und Geschlossenheit des nationalen Branchenverbundes sind die Folge. Darüber hinaus werden Praktiken des Vergleichens häufig zur Stilisierung von Weltmarktkonkurrenz instrumentalisiert, um etwa staatliche Ordnungspolitik zu beeinflussen. Schließlich werden auch Leitbilder im Vergleich mit dem Anderen entwickelt oder negative soziale Begleiterscheinungen des Kapitalismus auf die Konkurrenz projiziert.

In einem ersten Arbeitsschritt werden nun systematisch die Fachperiodika der deutschen Eisen- und Stahlindustrie hinsichtlich der im Zeitverlauf auftretenden Vergleichspraxis ausgewertet. In einem zweiten Schritt erfolgen die Analyse der unternehmerischen Quellen und der Blick auf die Vergleichspraxis der Industrien der deutschen Konkurrenz.




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